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Mutterbänder Was bei Mutterbandschmerzen in der Schwangerschaft hilft

Frau liegt in braunem Strickpulli auf der Couch und hält ihren Bauch
© astrosystem / Adobe Stock
Sie geben der Gebärmutter Halt und müssen während einer Schwangerschaft hart arbeiten: die Mutterbänder. Du bemerkst sie erst, wenn ihre Dehnung weh tut. Hier alles über Mutterbänder und wie du die ziehenden Schmerzen lindern kannst.

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„Autsch!“ Schon wieder dieses Ziehen. Kommt der Schmerz, wenn du dich viel bewegt hast oder du am Nachmittag müde bist? Strahlt er aus der Leistengegend ab oder sitzt er im Unterbauch? Das können Mutterbandschmerzen sein. Die gehen wieder weg, sagt die Schwiegermutter. Das stimmt, aber mit unseren Tipps lassen sie sich bis dahin ein wenig lindern.

Wo liegen die Mutterbänder?

Mutterbänder sind Muskelfaserstränge, die deine Gebärmutter in einer aufrechten Position halten. Du hast zwei unterschiedliche Mutterbänder. Das breite Mutterband (Ligamentum latum uteri) beginnt am unteren, hinteren Drittel deines Uterus und befestigt die Gebärmutter am seitlichen Beckenrand. Das runde Mutterband (Ligamentum teres uteri) verläuft rechts und links vom oberen Rand deiner Gebärmutter durch den Leistenkanal bis zu den großen Schamlippen.

Die Mutterbänder sind Teil der unterschiedlichen Bindegewebsstrukturen und Bänder im kleinen Becken, die auch deine Blase, die Eierstöcke, den Enddarm und deine Vagina an ihrem Platz halten. Natürlich existieren die Mutterbänder schon vor einer Schwangerschaft. Da sie aber in dieser Phase eine besondere Bedeutung haben, wurden ihnen umgangssprachlich der Name „Mutterbänder“ gegeben.

Welche Aufgabe haben die Mutterbänder?

Die Mutterbänder sorgen für die richtige Position deiner Gebärmutter. Dank ihrer Stabilisierung liegt der Uterus aufrecht und leicht nach vorn gebeugt im kleinen Becken. Ganz egal, ob du stehst, liegst oder dich bewegst: Die Mutterbänder schützen deine Gebärmutter – und damit auch dein Baby – zu jeder Zeit.

Dabei sind sie nicht starr, sondern äußerst flexibel. Sind Blase oder Darm zum Beispiel gerade gefüllt, geben sie so weit nach, dass die Gebärmutter den anderen Organen etwas Platz verschafft.

Warum schmerzen die Mutterbänder in der Schwangerschaft?

Mit einer Schwangerschaft verändern sich die Mutterbänder. Die runden Mutterbänder verlängern sich mit dem Wachstum deines Babys um das 3- bis 4-Fache. Außerdem liegen sie etwas steiler im Becken und die Dehnung wird immer größer. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass dein Baby und die Gebärmutter wachsen können. Dieser Prozess beginnt schon in der Frühschwangerschaft (etwa um die 8. Schwangerschaftswoche). Schon jetzt spüren einige Schwangere die Dehnung und zunehmende Verdichtung der Mutterbänder als leichten, ziehenden Schmerz. Er gilt auch als ein frühes Schwangerschaftsanzeichen.

Je größer dein Baby wird, desto mehr Kraft wirkt auf die Mutterbänder. Sie müssen mehr arbeiten, um den Uterus und dein Baby in der optimalen Position zu halten. Die zunehmende Dehnung verursacht immer häufiger Schmerzen, die teils auch stärker werden können. Häufig spüren Schwangere die Mutterbandschmerzen erst ab dem zweiten Trimester, also der 16. Schwangerschaftswoche. Ab der 24. Schwangerschaftswoche lässt das Ziehen dann bei vielen Frauen nach.

Übrigens: Die runden und die breiten Mutterbänder bilden sich nach der Geburt wieder zurück. Das kann allerdings einige Monate dauern.

Wann handelt es sich um Mutterbandschmerzen?

Das ziehende Gefühl wird dir in deiner ersten Schwangerschaft noch unbekannt sein. Vielleicht fragst du dich, ob es sich dabei überhaupt um Mutterbandschmerzen handelt. Nur anhand des Zeitpunkts lässt sich die Diagnose nicht stellen. Einige Frauen spüren das Ziehen schon in der Frühschwangerschaft, andere erst im zweiten Schwangerschaftsdrittel.

Die folgenden Symptome deuten zwischen der 16. und 24. Schwangerschaftswoche auf Mutterbandschmerzen hin:

  • stechende, ziehende, krampfartige oder auch stumpfe Schmerzen im Unterbauch
  • Schmerzen in den Leisten
  • Schmerzen am seitlichen Unterbauch
  • Rückenschmerzen
  • Schmerzen, die in Richtung Kreuzbein ausstrahlen
  • Schmerzen in den Hüften
  • stechender Schmerz in den Schamlippen

Verstärkt werden können die Dehnungsschmerzen, wenn

  • du im Liegen deine Position wechselst
  • du dich körperlich anstrengst oder
  • dein Baby sich im Bauch bewegt.

Die Schmerzen sind zum Glück nicht anhaltend. Sie dauern oft nur wenige Minuten, können aber auch mehrmals am Tag auftreten.

Was könnte sonst hinter den Schmerzen stecken?

Leichte Unterleibsschmerzen hin und wieder sind in der Schwangerschaft ganz normal. Wenn du nur die oben beschriebenen Symptome hast, handelt es sich sehr wahrscheinlich um Mutterbandschmerzen. Sind die Schmerzen aber anhaltend oder ungewöhnlich stark, könnten auch andere Ursachen dahinterstecken. Es kann sich um harmlose Begleiterscheinungen deines neuen Zustands handeln oder auch um eine ernstzunehmende Erkrankung oder Komplikation, wie eine Plazenta Praevia, vorzeitige Wehen, Nierensteine oder eine Blinddarmentzündung.

Wichtig ist: Das kann nur eine Ärzt:in entscheiden. Scheu dich bitte nicht, deine Hebamme, deine Frauenarztpraxis oder eine Klinik aufzusuchen, wenn du dir unsicher bist.

Wann solltest du mit Mutterbandschmerzen zum Arzt?

Wann immer du in der Schwangerschaft unter Schmerzen leidest, die dich beunruhigen, kannst du diese kurzfristig abklären lassen. Es ist besser, einmal zu viel in der Klinik gewesen zu sein als einmal zu wenig. Keiner wird dir einen Vorwurf machen. Schließlich sorgst du dich nicht nur um dich, sondern auch um dein Ungeborenes. Noch einfacher ist es, wenn du schon eine Hebamme gefunden hast. Hier ist die Hemmschwelle für viele schwangere Frauen einfach geringer, schnell mal um Rat zu fragen. Auch sie kann dich untersuchen und gut einschätzen, ob deine Schmerzen von sich dehnenden Mutterbändern ausgehen oder eine andere Ursache haben.

Wenn du allerdings unter diesen Symptomen leidest, ist sofort ein Besuch bei deiner Ärzt:in oder in einer Klinik angesagt:

  • Blutungen, auch Schmierblutungen
  • starker Ausfluss
  • Krämpfe/Gebärmutterkontraktionen
  • starke und/oder anhaltende Schmerzen
  • Unwohlsein
  • Schwindel
  • Fieber
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Schmerzen beim Wasserlassen

Auch wenn du dir sicher bist, dass es sich bei den wiederkehrenden Beschwerden um Mutterbandschmerzen handelt, ist es wichtig, deine Vermutung bei deinem nächsten Termin mit deiner Ärzt:in zu besprechen. So kann sie oder er bei der Untersuchung ein besonderes Augenmerk darauf haben und wird versuchen, andere Ursachen auszuschließen.

Gut zu wissen: Sich immer wieder zu fragen, woher die Schmerzen kommen könnten und was sie bedeuten, ist psychisch und auch körperlich sehr belastend. Ein Besuch bei deiner Ärzt:in kann dir die Sorge nehmen.

Was hilft gegen Mutterband-Schmerzen?

Mutterbandschmerzen sind in einer Schwangerschaft völlig normal. Sie zeigen dir, dass dein Baby stetig wächst. Die Dehnungsschmerzen kommen und gehen dabei von ganz alleine. Dennoch gibt es einige Möglichkeiten, die Schmerzen etwas abzumildern.

Unsere Tipps gegen Mutterbandschmerzen in der Schwangerschaft:

  • Mach öfter mal eine Pause und leg die Beine hoch. So entlastest du die Bänder.
  • Vielen hilft Wärme gegen die Schmerzen. Das kann ein Wärmekissen (z.B. mit Dinkel oder Kirschkernen) oder auch ein warmes Bad sein.
  • Versuch, bewusst auf deine Haltung zu achten. Ein gerader Stand und angespannte Bauchmuskeln können dir Linderung verschaffen.
  • Oft hilft schon ein Positionswechsel, um die Dehnungsschmerzen zu reduzieren.
  • Trag in der Schwangerschaft flache Schuhe statt Absätze.
  • Such dir eine sanfte Sportart, wie Schwimmen oder Yoga. Bewegung hilft nicht nur gegen körperliche Schwangerschaftsbeschwerden, sondern lenkt dich ab und entspannt.
  • Die bekannte Übung „Katzenbuckel“ im Vierfüßlerstand hilft, wenn die Schmerzen besonders im Rücken auftreten. Frag auch deine Hebamme nach passenden Schwangerschafts-Übungen
  • Massiere bei Schmerzen in der Leistengegend die Stellen mit etwas Lavendelöl.
  • Versuch, bei einer Husten- oder Niesattacke rechtzeitig deinen Bauch mit den Händen abzustützen. So wird der Druck auf die Beckenwand abgemildert.
  • Probiere aus, ob dir Stützhosen helfen. Sie unterstützen während der Schwangerschaft Bauch und Rücken und lindern Rückenschmerzen.
  • Auch Magnesium kann bei Mutterbandschmerzen helfen. Frag aber vorher deine Ärzt:in oder Hebamme, welche Dosierung sie empfiehlt.

Wenn deine Mutterbänder sich in der Schwangerschaft melden, heißt das nicht nur, dass dein Baby wächst. Du kannst die Dehnungsschmerzen auch als klares Signal deines Körpers auffassen. Die Botschaft: Mach mal langsam, ich brauch gerade etwas Ruhe! Hör auf ihn und versuch jetzt immer häufiger, mal etwas liegen zu lassen. Du bist zwar nicht krank, aber schwanger. Grund genug, dass andere schwere Getränkekisten schleppen, du im Job häufiger mal eine Pause einlegst und dir mehr Schlaf gönnst.

Quellen:
Angela Heller (2015): Nach der Geburt, Wochenbett und Rückbildung, 2. Auflage, Stuttgart: Thieme.
Nora Imlau, Sabine Pfützner (2018): Babybauchzeit: Geborgen durch die Schwangerschaft und die Zeit danach, Hebammenwissen für Mutter und Kind, Weinheim: Beltz.
Jen-Uwe Blohmer et al. (Hg.) (2018): Charité Kompendium Gynäkologie, Berlin: De Gruyter.
Franz Kainer, Annette Noldfen (2018): Das große Buch zur Schwangerschaft: Umfassender Rat für jede Woche, München: Gräfe und Unzer.
Frauenärzte im Netz: Kindliche und Mütterliche Entwicklung in den Schwangerschaftsdritteln.

ELTERN

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