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Nub-Theorie Was ist dran an der Methode zur frühen Geschlechtsbestimmung?

Nub-Theorie: Frau betrachtet Ultraschallfotos in ihren Händen
© Yuliia / Adobe Stock
Die Nub-Theorie besagt, dass sich das Geschlecht eines Babys anhand bestimmter Merkmale bereits in der 12. Schwangerschaftswoche auf dem Ultraschallbild voraussagen lässt. Aber stimmt das wirklich? Wir erklären euch, wie die Methode funktionieren soll und wie zuverlässig sie ist.

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Junge oder Mädchen – eine Frage, die viele werdende Eltern bereits kurz nach dem positiven Schwangerschaftstest umtreibt. Doch in der Regel dauert es noch eine ganze Weile, bis das Geschlecht enthüllt wird: Dies passiert meistens erst bei der zweiten großen Ultraschalluntersuchung zwischen der 19. und 22. Schwangerschaftswoche. Ungeduldigen soll die Nub-Theorie Abhilfe verschaffen – hiermit soll schon in der 12. Schwangerschaftswoche auf dem Ultraschallbild erkennbar sein, ob es sich um einen weiblichen oder männlichen Fötus handelt. Wir erklären euch, was es mit dieser Theorie auf sich hat.

Was ist die Nub-Theorie?

Der Begriff "Nub" stammt aus dem Englischen und bedeutet "Noppe". Gemeint ist hiermit in diesem Fall der Genitalhöcker (medizinisch: Tuberculum genitale), aus dem sich ab der 9. Schwangerschaftswoche die Geschlechtsorgane des Fötus heraus differenzieren. Dieser embryonal angelegte Vorsprung sieht sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen zunächst wie eine kleine Noppe oder wie ein Stummel aus – man erkennt im Ultraschall bei beiden Geschlechtern einen "Nub". Erst später in der Schwangerschaft werden die weiblichen und männlichen Geschlechtsmerkmale sichtbar.

Die Nub-Theorie besagt nun, dass sich anhand der Ausrichtung dieser Geschlechts-Noppe voraussagen lasse, ob es sich bei eurem Baby um einen Jungen oder ein Mädchen handelt. Dazu wird im Ultraschall das Verhältnis zwischen Nub (Genitalhöcker) und Wirbelsäule des ungeborenen Babys betrachtet. Der Winkel, in dem beide zueinanderstehen, soll nun Aufschluss über das Geschlecht geben:

  • Ragt der Genitalhöcker – also die kleine Noppe – eher nach oben und liegt in einem Winkel über 30 Grad zur Wirbelsäule, soll es sich um einen Jungen handeln.
  • Ist der Genitalhöcker – also der kleine Stummel – hingegen eher parallel zur Wirbelsäule ausgerichtet und liegt in einem Winkel unterhalb von 30 Grad zu dieser, soll euer Baby ein Mädchen sein.

Wie zuverlässig ist die Methode?

Um es direkt vorwegzunehmen: Die Nub-Theorie ist keine zuverlässige Methode, um das Geschlecht eures Babys in der frühen Schwangerschaft vorauszusagen. Denn die Theorie ist wissenschaftlich weder belegt noch anerkannt. Das bedeutet: Es gibt aktuell keine Beweise dafür, dass die Nub-Theorie wirklich funktioniert und sich das Babygeschlecht so bestimmen lässt.

Im Gegensatz zum nicht-invasiven Pränataltest (NIPT) gehört die Nub-Theorie also ebenso wie die Ramzi-Methode oder der chinesische Empfängniskalender ins Reich der Schwangerschaftsmythen. Der Bluttest NIPT, der anhand von Chromosomen-Merkmale im mütterlichen Blut schon sehr früh – etwa ab der 10. SSW – das Baby-Geschlecht feststellen kann, dient allerdings dem frühen Erkennen von genetischen Defekten des Babys und nicht der Geschlechtsbestimmung. Ob ihr ein Junge oder Mädchen bekommt, werdet ihr damit also nicht einfach so in Erfahrung bringen können.

Frühe Geschlechtsbestimmung: Ethische Bedenken

Auch wenn die Geschlechtsbestimmung für Ärzte und Ärztinnen mittels nicht-invasiver Pränataldiagnostik schon frühzeitig möglich ist: Die Frauenärzte und -ärztinnen werden dir das Geschlecht dennoch nicht vor der 14. Schwangerschaftswoche (12. SSW nach Befruchtung) verraten. Das ist im deutschen Gendiagnostikgesetz (Gendg) so vorgegeben und dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. Denn leider werden weltweit noch immer viele Schwangerschaften aufgrund des Geschlechts abgetrieben; zum Vorteil von Jungen und zum Nachteil von Mädchen.

Also: Selbst, wenn die Nub-Theorie zuverlässig wäre, würdest du von deinem Arzt oder deiner Ärztin vor der 14. Schwangerschaftswoche noch keine Aussage über das Geschlecht deines Babys erhalten.

So kannst du die Nub-Theorie anwenden

Auch wenn die Nub-Theorie zur Geschlechtsbestimmung unzuverlässig ist, kannst du dir natürlich trotzdem einen Spaß daraus machen und dein Ultraschallbild nach dem Nub absuchen. Allerdings ist der gar nicht immer so gut erkennbar. Liegt dein Baby zum Beispiel nicht auf dem Rücken oder ist sehr aktiv, kann das von deinem Arzt oder deiner Ärztin gemachte Ultraschallbild vielleicht nicht scharf genug sein. Kannst du hingegen einen kleinen Stummel zwischen den Beinchen deines Babys erkennen, kannst du nun ein bisschen Rätselraten:

  • Ragt der Nub eher vom Körper weg in Richtung Kopf deines Babys, soll es sich um einen Jungen halten.
  • Zeigt der Nub eher in Richtung Füße deines Babys, soll es ein Mädchen sein.

Sicher sein kannst du dir dann in der Regel spätestens nach der zweiten großen Ultraschalluntersuchung (zwischen der 19. und 22. SSW): Die Frauenärzte und -ärztinnen können die Geschlechtsmerkmale zu diesem Zeitpunkt im Ultraschall schon sehr deutlich erkennen und werden dir – sofern freie Sicht auf die Genitalien besteht und du es wünschst – das Geschlecht deines Kindes mitteilen.

Quellen:

ELTERN

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