Nabelschnurpunktion
 
Neue Methode für genauere Ergebnisse

Für werdende Eltern ist es ein Schock: Bei der Untersuchung des Ungeborenen wurden Unregelmäßigkeiten festgestellt. Eine neue Methode kann Aufschluss bringen - doch es gibt Risiken. Hier erfahren Sie alles zur Nabelschnurpunktion.

Warum wird bei der Nabelschnurpunktion aus der Nabelschnur Blut entnommen?

In der Nabelschnur pulsiert das Blut des Babys. Deshalb kann bei einer Nabelschnurpunktion hier kindliches Blut entnommen werden, ohne das Baby zu verletzen. Zum Tragen kommt diese Methode, wenn es Anhaltspunkte dafür gibt, dass es dem Kind nicht gut geht. Möglich ist auch die Suche nach diagnostizierbaren Erbkrankheiten nach einer genetischen Beratung. Außerdem dient das Verfahren dazu, unklare Befunde nach einer Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) zu überprüfen.

Wann wird die Nabelschnurpunktion durchgeführt?

Möglich ist eine Nabelschnurpunktion ab der 16. Schwangerschaftswoche.

Für wen eignet sich eine Nabelschnurpunktion?

Eine Nabelschnurpunktion klärt, ob das Ungeborene an einer Infektion leidet

Bislang wenden die Ärzte dieses Verfahren relativ selten an. Wenn überhaupt, wird die Nabelschnurpunktion vor allem eingesetzt, wenn Mutter und Kind möglicherweise eine Blutunverträglichkeit haben. Das kommt vor, wenn eine Frau mit dem Blut der Gruppe "rhesus-negativ" zum zweiten Mal ein Kind bekommt, dessen Blut "rhesus-positiv" ist. Dann kann es sein, dass sich in der ersten Schwangerschaft im Blut der Mutter Antikörper gegen "rhesus-positiv" gebildet haben (Anti-D-Antikörper). Durch die Plazenta können sie zum Kind gelangen und seine roten Blutkörperchen, und damit die Sauerstoffträger, zerstören. Gibt es Grund zur Sorge, kann der Arzt durch eine Nabelschnurpunktion das Blut des Kindes direkt untersuchen, um den Gehalt an roten Blutkörperchen zu überprüfen. Zeigt sich hier, dass die Folgen der Unverträglichkeit für das Kind gravierend sind, kann man dem Ungeborenen noch im Mutterleib eine Bluttransfusion geben.

Auch die Frage, ob sich das Kind im Mutterleib mit Infektionen angesteckt hat, kann nur die Nabelschnurpunktion zweifelsfrei beantworten. Beispiele für Infektionen, an denen die Mutter in der Schwangerschaft erkrankt ist, und die für das ungeborene Kind gefährlich sein können, sind: Ringelröteln, Toxoplasmose, Zytomegalie. Das Ergebnis der Nabelschnurpunktion gibt Aufschluss, ob und welche Medikamente die Mutter einnehmen sollte, damit es dem Kind gut geht.

Wie funktioniert die Nabelschnurpunktion?

Bei der Nabelschnurpunktion sticht der Arzt mit einer langen sehr dünnen Nadel durch die Bauchdecke der Mutter und in die Vene der kindlichen Nabelschnur und entnimmt ein bis zwei Milliliter Blut. Der gesamte Eingriff wird per Ultraschall kontrolliert.

Was sagt das Ergebnis einer Nabelschnurpunktion aus?

Eine Nabelschnurpunktion gibt vor allen Aufschluss, ob sich ein bereits bestehender Verdacht bestätigt und das Ungeborene etwa an einer Blutarmut leidet. Beim Eingriff steht die Bluttransfusion für das Ungeborene für alle Fälle bereits bereit. Die genaue Analyse des kindlichen Blutes kann außerdem in kurzer Zeit eine Reihe von Krankheiten und Beschwerden aufzeigen und damit den Grund für die Blutarmut (Anämie): zum Beispiel, ob das Kind an Ringelröteln oder Toxoplasmose erkrankt ist. Der Arzt kann verschiedene Stoffwechselerkrankungen diagnostizieren und über die Antikörperbestimmung herausfinden, ob eine Blutgruppen-Unverträglichkeit zwischen Mutter und Kind vorliegt. Auch die Chromosomen des Kindes können untersucht werden. Die Ergebnisse liegen nach zwei bis vier Tagen vor.

Welche Risiken gibt es bei der Nabelschnurpunktion?

Das Fehlgeburts-Risiko ist im Vergleich zu anderen Methoden hoch: Es liegt bei einem bis drei Prozent.

Was kostet eine Nabelschnurpunktion?

Die Untersuchung wird nur durchgeführt bei begründetem Verdacht, dass das Kind gefährdet ist. Deshalb übernehmen die Krankenkasse die Kosten.

Wie häufig wird die Nabelschnurpunktion angewandt?

Bislang gehört die Nabelschnurpunktion nicht zu den gängigen pränatalen Diagnosemethoden - auch aufgrund des relativ hohen Risikos für das Ungeborene. Sie wird nur angewendet, wenn es bereits einen begründeten Verdacht dafür gibt, dass sich das Ungeborene nicht normal entwickelt. So kommen beispielsweise in der Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf nach Aussage von Klinikdirektor Professor Kurt Hecter derzeit etwa 20 bis 30 Fälle im Jahr vor.

Was muss ich noch über die Nabelschnurpunktion wissen?

Neben der Diagnose therapierbarer Krankheiten (Blutarmut, Infektionen) können auch Erkrankungen und Behinderungen festgestellt werden, bei denen eine Behandlung nicht möglich ist. Besonders wenn die Nabelschnurpunktion erst recht spät in der Schwangerschaft durchgeführt wird (beispielsweise in der 20. Schwangerschaftswoche), kann so ein Ergebnis für Eltern sehr belastend sein, weil die Schwangerschaft zum Zeitpunkt der Untersuchung schon relativ weit fortgeschritten ist.

Was rät die Expertin in Sachen Nabelschnurpunktion?

"Wie hoch das Risiko der Nabelschnurpunktion ist, hängt von der Erfahrung des Arztes ab. Die Nabeschnurpunktion wird deshalb nur in speziellen Zentren der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin, so genannten DEGUM-3-Zentren durchgeführt."

Dr. med. Maria J. Beckermann, Frauenärztin in Köln und wissenschaftliche Gutachterin für Stiftung Warentest

Wo finde ich weitere Infos zur Nabelschnurpunktion?

Auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) findet man Ärzte, die sich im Bereich Ultraschall besonders weitergebildet haben: www.degum.de