VG-Wort Pixel

Nackenfaltenmessung Was wird beim NT-Screening gemacht und wie sinnvoll ist diese Untersuchung?

Nackenfaltenmessung: Bildschirm bei einer Ultraschalluntersuchung
© vgajic / iStock
Ist mit meinem Baby alles in Ordnung? Diese Frage stellen sich wohl alle werdenden Eltern vor der Geburt. Hinweise darüber kann eine Nackenfaltenmessung am ungeborenen Kind geben. Was genau dabei passiert und wie aussagekräftig sie ist, erfährst du hier.

Artikelinhalt

Die Nackenfaltenmessung, auch Nackentransparenzmessung oder NT-Screening genannt, ist eine nicht-invasive (das heißt nicht in den Körper der Mutter eingreifende) Methode der Pränataldiagnostik. Mit ihr lässt sich die Wahrscheinlichkeit abschätzen, ob bei eurem Kind eventuell ein genetischer Defekt vorliegt.

Bei diesem speziellen Check, der häufig im Rahmen des Ersttrimesterscreenings stattfindet, handelt es sich zwar um eine sehr schonende Methode, die das ungeborene Kind (und auch die Schwangere) nicht gefährdet. Doch kann das Ergebnis auch große Sorgen bei den werdenden Müttern und Vätern auslösen. Wir erklären die Einzelheiten und beantworten die wichtigsten Fragen.

Wozu dient die Nackenfaltenmessung?

Die Hauptfrage, die eine Nackenfaltenmessung klären soll, ist die nach dem Risiko einer Chromosomenabweichung bei eurem Kind, also einer genetischen Anomalie. Dazu zählen vor allem:

  • Trisomie Trisomie 21 (Down-Syndrom),
  • Trisomie 13 (Pätau-Syndrom) und
  • Trisomie 18 (Edwards-Syndrom).

Auffällige Ergebnisse können darüber hinaus auch auf verschiedene Herzfehler, auf Fehlbildungen des Skeletts, der Lunge oder der Bauchwand hinweisen, auf einen Zwerchfell- oder Nabelbruch. Und eben auch darauf, dass die Lymphgefäße nur etwas der Entwicklung hinterherhinken, was sich später verwächst.

Was ist die Nackenfalte?

Eine Flüssigkeitsansammlung unter der Haut im Bereich des Nackens, knapp über der Wirbelsäule. Sie entsteht vorübergehend, weil Nieren und Lymphsystem des Fötus noch nicht richtig arbeiten und diese Wasseransammlung abtransportieren können – ist also erst einmal etwas ganz Normales

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Untersuchung?

Die Messung der Nackenfalte und anderer Merkmale, wie die Ausprägung des Nasenbeins, wird zwischen der 11. und der 14. Schwangerschaftswochedurchgeführt. Danach ist sie nicht mehr aussagekräftig, weil sich die Wassereinlagerung dann schon wieder zurückbildet. In diesem Zeitraum der Schwangerschaft ist das Baby übrigens gerade einmal zwischen vier und etwa neun Zentimeter groß. 

Wie läuft die Nackenfaltenmessung genau ab?

In einer auf Ultraschall spezialisierten Praxis oder von besonders geschulten Gynäkologinnen und Gynäkologen wird eine Ultraschallaufnahme der Nackenfalte an ihrer breitesten Stelle gemacht. Das kann durch die Bauchdecke (abdominal), aber auch über die Vagina (vaginal) erfolgen. Das Flüssigkeitspolster erscheint auf dem Bild als dunkler Fleck oder dunkle Linie.

Dieses Flüssigkeitspolster ist normalerweise sehr dünn (zwischen 1 und 2,5 Millimeter) und verschwindet im weiteren Verlauf der Schwangerschaft wieder, wenn die Nieren des Kindes ihre Funktion aufnehmen und die Flüssigkeit ableiten. Bei Kindern mit Chromosomen-Defekten, aber auch bei Kindern mit Herzfehlern, ist das Flüssigkeitspolster häufig auffällig dick. Als verdickt gilt die Nackenfalte ab einer Breite von 3 Millimetern, als stark verdickt bei über sechs Millimetern.

Welche statistische Wahrscheinlichkeit sich daraus für mögliche Fehlbildungen ergibt, berechnet die Ärztin oder der Arzt im zweiten Schritt mithilfe einer speziellen Software. Dabei berücksichtigen die Expert:innen zusätzlich folgende Eckdaten:

  • das Alter der Schwangeren,
  • die genaue Schwangerschaftsdauer
  • und die Scheitel-Steiß-Länge des Kindes.

Was sagt das Ergebnis der Nackenfaltenmessung aus?

Ein NT-Screening führt lediglich zu einer Riskoeinschätzung, nicht zu einer Diagnose! Eine verdickte Nackenfalte bedeutet nicht automatisch, dass eine Erkrankung oder Chromosomenstörung vorliegt. Die Untersuchung gibt nur Hinweise auf bestimmte Anomalien und berechnet die statistische Wahrscheinlichkeit dafür.

Der Nackenfaltentest allein ist noch relativ ungenau. Im Rahmen des Ersttrimesterscreenings werden daher auch bestimmte Blutwerte der Schwangeren ermittelt, um die Messung seriös auswerten zu können:

  • Hormon HCG
  • Eiweiß PAPP-A

Auch ein erhöhter HCG-Wert und ein niedriger PAPP-A-Wert können auf eine Chromosomenstörung hinweisen. 

Nackenfaltenmessung: Was wird beim NT-Screening gemacht und wie sinnvoll ist diese Untersuchung?

Was geschieht, wenn der Test ein auffälliges Ergebnis zeigt?

Dann heißt es zunächst: Ruhe bewahren! 96 Prozent der Babys, bei denen eine verdickte Nackenfalte entdeckt wurde, kommen kerngesund zur Welt. Und bei etwa 10 von 100 Tests bleibt eine Chromosomenabweichung unentdeckt.

Deshalb können einem auffälligen Wert weitere Untersuchungen folgen:

  • NIP-Test (nicht invasiver Pränataltest, NIPT) – aus dem Blut der Mutter wird Genmaterial des Kindes aus der Plazenta untersucht. Liegt keine Trisomie vor, zeigt das der NIPT recht zuverlässig an. Seit Juli 2022 wird dieser Bluttest von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Bleibt der Verdacht bestehen, folgt eine
  • Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) oder eine
  • Chorionzottenbiopsie (CVS).

Die beiden letzten sind invasive Methode, die also in den Körper eingreifen und dementsprechend ein gewisses Risiko für Mutter und Kind mit sich bringen. Sie zeigt jedoch zweifelsfrei, ob der Chromosomensatz des Kindes normal ist oder nicht.

Ob du diese Untersuchungen vornehmen lassen möchtest, ist ganz allein deine Entscheidung.

Gerade weil das Testergebnis keine Diagnose, sondern nur ein individueller Risikowert ist, sollten werdende Eltern sich bereits im Vorfeld gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt Gedanken darüber machen, welchen Risikofaktor man akzeptabel findet (1 zu 600 oder 1 zu 200?) Denn wie der renommierte Gynäkologe und Ultraschall-Spezialist Prof. Dr. Bernhard-Joachim Hackelöer aus Hamburg betont: "Null Risiko gibt es nicht."

Wem wird die Nackenfaltenmessung empfohlen?

Letztlich sind alle pränatalen Diagnose-Methoden besonders für Frauen interessant, die wissen, dass sie ein Kind mit einer Chromosomen-Abweichung nicht zur Welt bringen möchten. Bei Schwangeren ab 35 (einer sogenannten späten Schwangerschaft) oder bei einer familiären Anlage für Chromosomenfehler ist der Frauenarzt verpflichtet, sie über das erhöhte Risiko aufzuklären.

Hier ein Rechenbeispiel: Bei einer Schwangeren im Alter von 30 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby bei der Geburt mit Trisomie 21 auf die Welt kommt, bei 1: 900, bei einer 35-Jährigen bei 1: 350. Nach der Statistik steigt das Risiko also steil an.

Wie viel kostet die Nackenfaltenmessung?

Die Preise können zwischen 30 und 200 Euro variieren. Die Untersuchung gehört nicht zu den Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen, doch manche erstatten die Kosten im Rahmen einer eigenen Satzungsleistung. Es kann sich also lohnen, bei deiner Kasse nachzufragen. Meist erfolgt dann eine anteilige Übernahme von 70 bis 80 Prozent.

Wo kann ich die Nackenfaltenmessung durchführen lassen?

Zentren für Pränataldiagnostik sind bei der Messung oft versierter als niedergelassene Gynäkologen und technisch immer auf dem neuesten Stand. Außerdem nehmen sich die Fachleute dort meist mehr Zeit für die Beratung. Es ist kein Vertrauensbruch, sich für die Nackenfaltenmessung an eines dieser Zentren zu wenden und sich dann wieder von seinem Frauenarzt oder Frauenärztin betreuen zu lassen.

"Gehen Sie für diese Untersuchung am besten zu Ärzten, die von der Fetal Medicine Foundation Deutschland (FMF) zertifiziert sind. Diese haben die geeigneten Geräte für diese Untersuchung und die Qualifizierung im Schallen und Beraten", rät der Fachmann Prof. Dr. Bernhard-Joachim Hackelöer. Auf der FMF-Webseite findet ihr weitere Infos und eine Suchfunktion für qualifizierte Ärztinnen und Ärzte.

Nackenfaltenmessung – ja oder nein?

Argumente, die dafür sprechen

 Argumente, die dagegen sprechen

Es ist eine anerkannte und weitverbreitete Untersuchung.

Sie liefert keine sichere Diagnose, sondern lediglich einen Wahrscheinlichkeitswert.

Der Test kann für die gewünschte Beruhigung sorgen, aber auch – trotz geringer Wahrscheinlichkeit – eine erschütternde Nachricht bedeuten.

Eltern können grundlos in Panik versetzt werden: Wie umgehen mit dem Wert?

Die Messmethode ist ungefährlich für Mutter und Kind.

Es müssen oft weiterführende, invasive Untersuchungen folgen.

Es bleibt bei allem Für und Wider einzig und allein die Entscheidung von dir und deinem Partner oder deiner Partnerin. Überlegt euch, ob ihr einen Abbruch der Schwangerschaft nicht von Anfang an sicher ausschließen könnt, wenn euer Baby eine Behinderung haben sollte. In diesem Fall ist es sicherlich ein guter Weg, über diese Möglichkeit der pränatalen Diagnostik in Ruhe nachzudenken und sich Informationen einzuholen. Wägt Pro und Contra für euch ab und bezieht dabei die professionelle Einschätzung einer versierten Gynäkologin oder eines Gynäkologen mit ein. 

Quellen:

ELTERN

Mehr zum Thema