Operationen am Ungeborenen
 
Rettung im Mutterleib

Die Behandlung von Herzfehlern vor und nach der Geburt

Oftmals erleichtert der Eingriff vor der Geburt die Operation danach

Manchmal wird beim Ultraschall festgestellt, dass das kleine Herz nicht richtig arbeitet. Bei manchen Babys liegt das daran, dass die linke Herzseite sehr klein ist. In den meisten Fällen sind die Herzklappen jedoch trotzdem normal aufgebaut, auch die Pumpfunktion ist vorhanden. Ein Großteil der Kinder mit diesem Krankheitsbild wird kurz nach der Geburt wegen eines zu engen Aortenbogens operiert. Ein neues Verfahren kann aber in manchen Fällen eine solche Operation vermeiden oder zumindest die Operationsbedingungen erleichtern: Mithilfe der "maternalen Hyperoxygenierung" wird das Wachstum der linken Herzseite so animiert, dass der Rückstand aufgeholt werden kann. Dieses nicht invasive Verfahren wird auch eingesetzt, wenn aufgrund der Herzerkrankung andere Gefäße unterentwickelt sind.

Nicht angewandt wird diese Vorgehensweise beim so genannten hypoplastischen Linksherzysndrom: Hierbei arbeitet die linke Herzkammer überhaupt nicht, außerdem sind Aorten- oder Mitralklappe verengt oder beschädigt. Die beim Ungeborenen sonst vorhandene Kreislaufverbindung zwischen beiden Vorkammern des Herzens ("Foramen ovale") kann dadurch unterbrochen werden - für die Kreislaufumstellung nach der Geburt ist das höchst problematisch. Liegt eine solche Diagnose vor, wird das Baby ebenfalls direkt nach der Geburt operiert. Um seine Chancen dabei zu verbessern und einen Stau des Lungenvenenbluts während der Schwangerschaft, der die Operation des Säuglings erschweren könnte, zu verhindern, haben die Chirurgen mittlerweile die Möglichkeit, zwischen der 22. und der 36. Schwangerschaftswoche das "Foramen" ovale zu öffnen.

Knapp zehn Prozent aller Ungeborenen mit Herzfehlern leiden dagegen an einer Wachstumsstörung der Herzklappen. Ihnen droht ein Versagen der betroffenen Herzkammern noch vor der Geburt. Zwischen der 22. und 33. Schwangerschaftswoche können die Ärzte jedoch die betroffene Herzklappe eröffnen, um so den Blutkreislauf durch diese Kammer zu ermöglichen. Im Gegensatz zu der zuvor praktizierten Methode, nach der Geburt des Kindes den Kreislauf durch nur eine Herzkammer zu unterhalten, ist die Prognose für die künftige Lebensqualität und -dauer hier deutlich günstiger. Bei einigen Babys entscheiden sich die Mediziner jedoch auch dafür, sie bereits in der 31. Schwangerschaftswoche auf die Welt zu holen und die Herzklappe nach der Geburt operativ zu öffnen.

Eine rheumatische Erkrankung der Mutter, aber auch eine Fehlbildung im Herzen des Kindes selbst kann dazu führen, dass der Herzschlag des Ungeborenen zu langsam ist. Um zu verhindern, dass dies zu einem unter Umständen lebensbedrohlichen Herzversagen führt, setzen Ärzte ab der 22. Schwangerschaftswoche eine Schrittmacherelektrode am Herzen des Babys ein. In Kürze hoffen sie sogar, ein komplettes Schrittmachersystem einsetzen zu können.

Bei anderen Kindern wiederum schlägt das Herz viel zu schnell - teilweise liegt die Herzfrequenz bei über 220 Schlägen pro Minute. Meist kann man diese "supraventrikuläre Tachykardie" behandeln, in dem man der Mutter Medikamente verabreicht, die das Ungeborene über die Plazenta aufnimmt. Für die seltenen Fälle, in denen das nicht ausreicht, haben die Ärzte ein neues Verfahren entwickelt: Dabei platzieren sie zwischen der 20. und der 34. Schwangerschaftswoche mithilfe des Fetoskops zunächst einen Elektrokatheter in der Speiseröhre des Ungeborenen. Dieser stellt dann nicht nur eine exakte Diagnose der Rhythmusstörung, sondern beendet das Herzrasen mittels Elektroimpulsen.