Operationen am Ungeborenen
 
Rettung im Mutterleib

Wenn Babys Lunge Hilfe braucht ...

Die Lungen können sich wieder entfalten und weiter wachsen

Sind der Kehlkopf oder die Luftröhre des Ungeborenen verschlossen, kann sich die Lunge nicht richtig entwickeln. Deshalb wird das Kind in der Regel mithilfe eines speziellen Entbindungsverfahrens, der "EXIT-Prozedur", auf die Welt geholt. Dabei stehen Narkoseärzte, Neugeborenenmediziner, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und Hebammen bereit, um unmittelbar im Anschluss an die Geburt mit einer Beatmungstherapie zu beginnen.

Vor allem bei Kindern, die aufgrund dieser Fehlbildung zusätzlich an einer Herzschwäche leiden, öffnen die Mediziner heute aber auch durch ein minimal invasives OP-Verfahren, das ab der 18. Schwangerschaftswoche durchführbar ist, die Atemwege bereits vor der Geburt.

Bei manchen Kindern wird im Mutterleib auch ein so genannter Hydrothorax festgestellt. Dabei sammelt sich zu viel Flüssigkeit in der Brusthöhle an, was wiederum dazu führen kann, dass sich die Lungen nicht richtig entwickeln. Mithilfe eines Ultraschalls sind die Mediziner aber in der Lage, die Flüssigkeitsansammlungen ab der 18. Schwangerschaftswoche durch kleine Kunststoffschläuche dauerhaft ins Fruchtwasser abzuleiten. Die Lungen können sich anschließend wieder entfalten und weiter wachsen.

Was ist eine Zwerchfellhernie?

Ein Schock: Die Ultraschallaufnahme zeigt ein Loch im Zwerchfell des Babys. Die Leber hat sich durch die Öffnung in die Brusthöhle geschoben und drückt auf die Lunge, so dass diese nicht mehr richtig wachsen kann. Für das Baby ist das eine lebensbedrohliche Situation: Es kann an der zu kleinen Lunge unmittelbar nach der Geburt sterben - die Chancen stehen 50 zu 50.

Zwar kommt diese so genannte Zwerchfellhernie nur bei einer von 2.500 Schwangerschaften vor. Dann stürzt sie die Eltern aber in einen Entscheidungskonflikt. "Etwa ein Drittel entschließt sich zu einem Abbruch", sagt Thomas Kohl vom Bonner Universitätsklinikum. Aus seiner Sicht ist das nicht nur bedauerlich, sondern unnötig. Denn das Leiden könne heute bereits während der Schwangerschaft operiert und das Leben des Kindes meistens gerettet werden.

In seiner Klinik behandelt Kohl jährlich mehrere Kinder mit einer schweren Zwerchfellhernie: Über ein fünf Millimeter großes Loch in der Bauchdecke schiebt er dazu ein gebogenes Röhrchen in die Gebärmutter. Durch dieses Fetoskop wird ein kleiner Ballon in die Luftröhre des Ungeborenen manövriert und aufgeblasen. So wird der Lunge der nötige Platz eingeräumt und sie kann sich entfalten. Laut Kohl überleben 80 Prozent der behandelten Kinder, von denen viele später ein unbeschwertes Leben führen.