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Umstandsmode Rihanna pfeift auf normale Umstandsmode – und das führt zu Diskussionen

Rihanna liebt es ihren Babybauch stylisch in Szene zu setzen. 
Rihanna liebt es ihren Babybauch stylisch in Szene zu setzen. 
© Edward Berthelot / Getty Images
Werdende Mütter, die im Rampenlicht stehen, haben es nicht leicht. Von ihnen wird erwartet, dass sie immer die neusten Trends tragen, doch Haut sollte spätestens bei erkennbarem Babybauch nicht mehr gezeigt werden. Was ist zu viel? Und was macht Umstandsmode aus? Wir haben in der Redaktion nachgefragt. 

Das Phänomen ist nicht neu: Ist eine Frau schwanger, scheint es fast so, als würden plötzlich andere Standards für sie gelten. Ganz nach dem Motto: Dein Körper gehört jetzt nicht mehr nur dir, also pack ihn gefälligst ordentlich ein.

Aber warum? Warum dürfen sich Frauen während ihrer Schwangerschaft nicht so kleiden, wie sie sich am wohlsten fühlen? Kim Kardashian hat vor Jahren schon mit ihrer Umstandsmode regelmäßig für Schlagzeilen gesorgt. Für einige waren ihre Kleider zu eng, anderen war der Ausschnitt zu tief. Aktuell sorgt Sängerin Rihanna mit ihren Schwangerschafts-Looks für Aufsehen. 

Rihanna + Co. bringen Schwung in die Umstandsmode

Selten haben wir eine Promi-Dame gesehen, die so selbstbewusst mit den Veränderungen ihres Körpers umgeht wie Rihanna während ihrer ersten Schwangerschaft. Jeder Look ist einzigartig, sexy und ungewöhnlich. Doch auch sie gibt in einem Interview mit People zu, dass es eine Herausforderung sei, immer wieder interessante Umstandsmode zu finden. Ihr Selbstbewusstsein leide jedoch nicht unter der körperlichen Veränderung. Ganz im Gegenteil, verrät die 33-Jährige: "Wenn ich mich ein bisschen pummelig fühle, ist es egal! Es ist ein Baby". Gerade Mode sei für sie unheimlich wichtig, um sich weiterhin gut und sexy zu fühlen. 

Inspiriert von Powerfrauen wie Rihanna, Kim Kardashian oder Kim Gloss, die sich in der Schwangerschaft sexy fühlen wollen, haben wir unsere Redakteurinnen gefragt: "Was ist bei Umstandsmode wichtig?", und "wie sexy darf sie eurer Meinung nach sein?".  

"Unbequem darf’s bei mir nie sein"

Kathrin, Mutter einer Tochter

Unbequem darf’s bei mir nie sein. Selbst ohne Babybauch mag ich es am liebsten, wenn nichts zwickt. Aber während einer Schwangerschaft durchläuft der Körper eine so immense Veränderung, dass es für mich noch viel wichtiger war, in bequemer Kleidung zu stecken. Umstandshosen würde ich heute noch tragen, eineinhalb Jahre nach der Geburt meiner Tochter, allerdings sitzen sie nur richtig gut mit Babykugel.

Ein blanker Bauch-Look à la Rihanna wäre für mich nicht infrage gekommen. Ich wollte es nicht nur immer bequem haben, sondern mein Bauch sollte stets gestützt und geschützt sein. Und das ging am besten mit Kleidung.

"Es fühlte sich so an, als würde ich nur noch als Mutter und nicht mehr als Frau existieren"

Silvia, Mutter von zwei Kindern 

Als ich 1989 mein erstes Kind bekam, war Umstandsmode vor allem eines: praktisch. Es gab nur lange unförmige Kleider und für jemanden, der im Allgemeinen nicht gerne Kleider trägt, keinerlei Alternativen. Um meine Lieblingshosen weiter zu tragen, habe ich damals Zopfgummis zwischen Hosenknopf und Gürtelschlaufe angenäht.

Bei meinem zweiten Kind 1994 gab es bereits eine größere Auswahl. Die Hosen, Röcke und Kleider waren praktisch und bequem, aber nicht das, was man als 28-jährige Frau gerne trägt. So richtete sich Umstandsmode zwar an die Bedürfnisse der werdenden Mutter – aber nicht an die Bedürfnisse einer Frau. So sehr ich meine Schwangerschaften auch genoss, fühlte ich mich dadurch auch auf sie reduziert. Es fühlte sich so an, als würde ich nur noch als Mutter und nicht mehr als Frau existieren. Umso mehr freue ich mich, dass sich das Bild inzwischen gewandelt hat und Umstandsmode endlich auch modisch ist. In den aktuellen Medien gefallen mir Frauen wie z. B. Kim Gloss, die sich trotz Schwangerschaft schick anziehen können. Sie zeigen damit, dass sie eben nicht nur schwanger, sondern immer noch sie selbst sind.

Natürlich müssen schwangere Frauen darauf achten, dass ihre Kleidung den Bauch nicht einschnürt und dass sie sich nicht unterkühlen. Doch ansonsten sollte es Frauen – ob nun schwanger oder nicht – immer erlaubt sein anzuziehen, worauf sie Lust haben. Und das darf gerne auch mal sexy sein – auch mit Babybauch. 

"Der Laufsteg spiegelt nicht die Realität wider"

Ilka, kinderlos  

Ich habe zwar noch keine Kinder, beschäftige mich beruflich und privat aber mit neuen Entwicklungen in der Modebranche. In den letzten Jahren hat sich einiges im Bereich genderneutraler und body-inklusiver Mode getan. Hier spiegelt allerdings der Laufsteg, auf dem Designer Michael Michalsky bereits 2012 ein hochschwangeres Model präsentierte, häufig nicht die Realität wider. Ob bei Marine Serre, Victoria's Secret, Dolce & Gabbana oder Chanel, zahlreiche Modelabels hatten bereits schwangere Models auf dem Runway und zeigten auf, dass Umstandsmode kreativ und sexy sein kann. 

Im Alltag finden sich trotzdem immer die gleichen Looks wieder. Ein Look à la Rihanna würde auch für mich nicht infrage kommen. Dafür friere ich viel zu schnell, aber ich finde, dass Frauen wie Rihanna, Kim Kardashian, Kim Gloss oder Chrissy Teigen deshalb so wichtig sind, weil sie frischen Wind in verstaubte Rollenbilder bringen. Am Ende ist es nämlich wichtig, dass jede Frau tragen kann, worin sie sich am wohlsten fühlt, ob Hoodie und Jogginghose oder durchsichtiges Spitzenkleid. 

Dieser Artikel ist zuerst bei Brigitte.de erschienen.


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