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Schwangerschaft Schwanger trotz Spirale: Wie hoch ist das Risiko?

Schwanger trotz Spirale: Ultraschalluntersuchung
© Pablo_K / iStock
Die Spirale gilt als eines der sichersten Verhütungsmittel. Doch kann man trotz Spirale schwanger werden? Wir erklären, wann das passieren kann und wie groß das Risiko ist.

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Kann ich trotz Spirale schwanger werden?

Wie jede gängige Verhütungsmethode ist auch die Spirale nicht zu hundert Prozent sicher. Du kannst also trotz Spirale schwanger werden, auch wenn es sehr selten vorkommt. Wie verlässlich eine Spirale zur Empfängnisverhütung ist, zeigt der sogenannte Pearl-Index. Er liegt bei einer Kupferspirale (Intrauterinpessar, kurz: IUP) zwischen 0,3 und 0,8. Übersetzt heißt das, dass pro Jahr zwischen 3 und 8 von 1000 Frauen, die auf diese Weise verhüten, trotzdem schwanger werden. Eine Hormonspirale (Intrauterines System, kurz: IUS) hat einen Pearl-Index von 0,16 und ist somit noch sicherer (je geringer die Zahl, desto besser!). Weniger als 2 von 1000 Frauen werden trotz Hormonspirale schwanger. Der Vergleich mit anderen Verhütungsmethoden zeigt dir, dass beide Varianten sehr sichere Verhütungsmittel sind. Kondome haben beispielsweise einen Pearl-Index zwischen 2 und 12 und sind damit erheblich risikoreicher. Die Pille bietet mit 0,1 bis 0,9 einen vergleichbar hohen Schutz. Allerdings kommt es bei der Antibaby-Pille häufig zu Anwendungsfehlern. Da der Index aber von einer optimalen Anwendung ausgeht, stufen viele die Spirale als sicherer ein. Bei ihr kann es nicht zu Anwendungsfehlern durch die Nutzerin kommen.

Schwanger trotz Spirale durch zu lange Liegedauer

Einer der Hauptgründe dafür, dass Frauen auch mit einer Spirale trotzdem schwanger werden können, ist die zu lange Liegedauer. Denn sowohl die Kupferspirale als auch die Hormonspirale verlieren nach drei bis fünf Jahren (bei Modellen mit höherer Wirkstoff-Konzentration bis zu 10 Jahren) ihre Wirksamkeit.

  • Bei der Kupferspirale versiegen nach dieser Zeit die Kupferionen, die zuvor kontinuierlich in die Gebärmutter abgegeben wurden. Dort schränken sie nicht nur die Beweglichkeit und Befruchtungsfähigkeit der Spermien ein, sondern wirken auch auf die Eierstöcke und die Eizellen. Denn die Ionen verändern die Gebärmutterschleimhaut. Selbst wenn es zu einer Befruchtung gekommen ist, kann sich die Blastozyste nicht einnisten.
  • Die Hormonspirale gibt stetig Gestagen ab. Auch dadurch verändert sich die Gebärmutterschleimhaut. Das künstliche Sexualhormon wirkt außerdem antiöstrogen. Es verhindert die Teilung einer bereits befruchteten Eizelle. Auch die Gestagen-Abgabe verebbt nach einigen Jahren. Wie lange eine Spirale haltbar ist und so sicher eine Schwangerschaft verhütet, wird dir dein Frauenarzt beim Einsetzen ganz genau erklären.

 
Damit du nicht aufgrund einer zu langen Liegedauer schwanger wirst, ist es sinnvoll, dich regelmäßig untersuchen zu lassen. Wenn die Spirale keinen ausreichenden Empfängnisschutz mehr bietet, wird sie mithilfe des Rückholbändchens gezogen und auf Wunsch eine neue eingesetzt. Das Einlegen funktioniert am besten an den letzten Tagen deiner Periode, da dann der Gebärmutterhals leicht geöffnet ist.

Test Positiv

Schwanger nach Verrutschen oder Ausscheiden der Spirale

Dass die Spirale nach einiger Zeit ihre Wirkung verliert, weißt du also schon vorher und kannst sie rechtzeitig vor dem Ablaufen erneuern lassen. Leider kann es in einigen Fällen auch passieren, dass Frauen schwanger werden, weil die Spirale verrutscht ist oder unbemerkt mit der Monatsblutung ausgeschieden wurde. Einige Monate nach dem Einsetzen (besonders nach Geburten) passiert das am häufigsten. Ob sie sich noch in der Gebärmutter befindet, kannst du regelmäßig ertasten. Denn das Rückholbändchen sollte immer einige Zentimeter in die Scheide hineinragen. Ist das nicht der Fall, solltest du dich von deinem Gynäkologen untersuchen lassen und bis zum Termin auf eine andere Weise verhüten.
Ob die Spirale richtig sitzt, kannst du selbst allerdings nicht feststellen. Dein Frauenarzt prüft den korrekten Sitz per Ultraschall. Dabei schaut er auch, ob du schwanger bist. Eine Kontrolluntersuchung solltest du alle sechs Monate durchführen lassen.

Verhindert die Spirale meine Periode?

Eine Kupferspirale ist ein hormonfreies Verhütungsmittel und unterdrückt deinen Zyklus nicht. Du bekommst auch weiterhin deine Tage. Allerdings können durch die Reizung der Gebärmutterschleimhaut in den ersten Monaten nach dem Einsetzen Zwischenblutungen auftreten. Oft wird die Blutung auch insgesamt stärker.

Die Hormonspirale greift dagegen in den Zyklus ein. Die Gebärmutterschleimhaut baut sich in den ersten drei bis sechs Monaten nach dem Einsetzen zunächst nicht mehr auf. Es können aber ebenfalls Zwischenblutungen auftreten. Hat sich der Körper an die Wirkung gewöhnt, wird der Zyklus schwächer, kürzer oder hört ganz auf (Amenorrhö). Jede 5. Frau ist nach dem ersten Anwendungsjahr ohne Monatsblutung.
Für beide Arten gilt: Treten nach dem Legen sehr starke, schmerzhafte Blutungen auf, solltest du zum Arzt gehen. Möglicherweise ist der Sitz nicht korrekt.

Trotz Spirale schwanger? Was kann ich tun?

Gehörst du tatsächlich zu den wenigen Fällen, in denen das Intrauterinpessar eine Schwangerschaft nicht verhindern konnte, sind die Anzeichen dafür dieselben wie bei einer Schwangerschaft ohne Verhütungsmittel. Dir wird morgens schlecht, deine Periode bleibt aus (sofern sie noch regelmäßig kam). Vielleicht deuten auch leichte Krämpfe, Heißhungerattacken und schmerzende Brüste darauf hin, dass du ein Kind erwartest. Hast du den Verdacht, dass du ungewollt schwanger bist, solltest du einen Schwangerschaftstest machen. Ist er positiv, muss dein Arzt die Spirale unbedingt entfernen, denn sie kann nun Infektionen auslösen oder durch die Hormonabgabe die Frucht schädigen. Außerdem kommt es bei einer liegenden Spirale häufiger zu einer Eileiterschwangerschaft, die für dich sehr gefährlich sein kann. Darauf deuten häufig Schmierblutungen und Unterleibsschmerzen hin. Du musst dann sofort operiert werden. Denn eine Eileiterschwangerschaft hat oft ein Reißen des Eileiters mit teils schweren inneren Blutungen zur Folge.
 
Das Entfernen kann in seltenen Fällen eine Fehlgeburt auslösen. Willst du das Kind zur Welt bringen, ist das Verbleiben der Spirale bis zur Geburt dennoch keine Alternative. Denn dann enden über die Hälfte der so entstandenen Schwangerschaften mit einem Abgang des Embryos.

Schwangerschaft trotz Spirale – Gefahr für das Kind?

Konnte der Arzt die Spirale erfolgreich entfernen, kannst du dennoch ein gesundes Kind zur Welt bringen. Das Risiko für Fehlbildungen des Babys ist nach diesem schweren Start zum Glück nicht erhöht.

War ist mit der Spirale bei einem Schwangerschaftsabbruch?

Durch das Einsetzen des Verhütungsmittels hattest du dich zunächst bewusst dagegen entschieden, ein Kind zu bekommen. Wirst du doch schwanger, stehen dir zwei Optionen offen:

  • Du entscheidest dich für den Abbruch der ungewollten Schwangerschaft. Dann wird die Spirale in einem kleinen Eingriff zusammen mit dem Embryo entfernt. Auch ein medikamentöser Abbruch ist möglich. Dann wird das Verhütungsmittel vorher entfernt.
  • Oder du entscheidest dich im Prinzip für die unerwartete Schwangerschaft. Wie bereits erwähnt, musst du dich dann darauf einstellen, dass das unbedingt notwendige Entfernen der Spirale eine Fehlgeburt auslösen kann.

Was kostet eine Spirale?

Eine Kupferspirale kostet je nach Modell zwischen 120 und 200 Euro, die Hormonspirale zwischen 250 und 400 Euro. Die Beratung, die Untersuchung und das Einlegen sind im Preis enthalten. Die erste Kontrolle der korrekten Lage übernimmt die gesetzliche Krankenkasse. Die folgenden – möglichst halbjährlichen – Kontrolluntersuchungen musst du privat bezahlen. Sie belaufen sich auf bis zu 40 Euro. Bist du privat versichert, solltest du deine Krankenkasse vorher nach den geltenden Regelungen fragen. „Wegen des einmalig anfallenden hohen Preises“, so betont www.frauenaerzte-im-netz.de, „sollte man sich sicher sein, dass man dieses Verhütungsmittel auch längerfristig nutzen möchte.“
Die Gebührenordnung für Ärztinnen sieht vor, dass die Kosten für eine Spirale bei Frauen bis zum 22. Lebensjahr von den gesetzlichen Versicherungen übernommen werden.


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