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Gesundheit Schwangerschaftsdermatose: Juckreiz, Ausschlag und mehr

Schwangere Frau liegt auf dem Bett und hält sich den Bauch
© Natalia Deriabina, shutterstock
Während der Schwangerschaft leiden viele Frauen unter Hautproblemen. Oft sind sie harmlos, es kann aber auch zu ernsteren Erkrankungen der Haut kommen – zu Schwangerschaftsdermatosen. Symptome, Ursachen und Behandlung im Überblick.

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Auf einen Blick

  • Der Begriff Dermatose ist der generelle medizinische Ausdruck für eine Hauterkrankung.
  • Die Atopische Schwangerschaftsdematose wird auch Schwangerschaftsneurodermitis genannt.
  • Eine polymorphe Schwangerschaftsdermatose ähnelt auf dem ersten Blick Schwangerschaftsstreifen.
  • Die intrahepatische Cholestase ist eine Störung der Leber- oder Gallenfunktion.
  • Herpes gestationis ist eine Autoimmunerkrankung und hat nichts mit dem bekannten Herpes zu tun.

Dermatose ist der medizinische Begriff für Hauterkrankung. Es gibt also nicht die eine Dermatose. Vielmehr handelt es sich um einen Überbegriff für viele verschiedene Hauterkrankungen. Eine Schwangerschaftsdermatose ist also eine Hauterkrankung, die nur während der Schwangerschaft auftritt. Die häufigsten Schwangerschaftsdermatosen sind:

  • atopische Schwangerschaftsdermatose (Schwangerschaftsneurodermitis)
  • polymorphe Schwangerschaftsdermatose (PUPPP)
  • intrahepatische Cholestase
  • Herpes gestationis (Pemphigoides gestationis)

Was hinter diesen Zungenbrecher-Diagnosen steckt, erklären wir dir hier im Überblick.

Was ist eine atopische Schwangerschaftsdermatose?

Frau cremt sich den Ellbogen ein
© Mal2TH, shutterstock

Sie wird auch Schwangerschaftsneurodermitis genannt und tritt typischerweise zwischen der 12. und der 14. Schwangerschaftswoche auf. Ursache ist meist ein veränderter Hormonhaushalt. Einige Symptome sind:

  • trockene Hautstellen im Bereich der Ellenbeugen, Kniekehlen und anderen Gelenken
  • Schuppenbildung auf dem Rücken, an Schultern und Dekolleté
  • juckende Knötchen am Oberkörper und an den Extremitäten
  • Rötungen der Haut im Gesicht, am Hals und an Dekolleté

Ausprägung und Stellen können allerdings ganz individuell schwanken oder sich überlappen. Bei Schwangerschaftsneurodermitis versuchst du es am besten erst einmal mit einer rückfettenden Creme, die du mindestens zweimal täglich großzügig auftragen kannst. Verzichtest du auf raue Wolle, agressive Seifen und andere hautreizende Stoffe, schonst du die Haut zusätzlich. Was noch gegen juckende Haut hilft, erfährst du in unserem Artikel „Juckreiz in der Schwangerschaft: Woher er kommt, wie du ihn lindern kannst“.

Bleibt der Juckreiz bestehen, fragst du am besten deine Frauenärztin, sie kann dir milde Cortison-Präparate verschreiben. Auch eine Lichttherapie kann einen Rückgang der Schwangerschaftsneurodermitis bewirken.

Was tun bei polymorpher Schwangerschaftsdermatose (PUPPP)?

Schwangere leidet unter Schwangerschaftsstreifen und cremt sich den Bauch ein
© baipooh, shutterstock

Die polymorphe Schwangerschaftsdermatose tritt üblicherweise bei Erstgebärenden gegen Ende der Schwangerschaft (in den letzten zwei bis drei Wochen) und gerade bei einer Mehrlingsschwangerschaft oder starkem Übergewicht auf.
 
Durch die starke Belastung des Bindegewebes wird eine Immunreaktion des Körpers ausgelöst, welche eine Entzündung der Haut verursacht, die Schwangerschaftsstreifen ähnelt. Symptome einer polymorphen Schwangerschaftsdermatose können sein:

  • stark ausgeprägte Dehnungsstreifen
  • Ausschlag um den Bauchnabel
  • kleine gerötete Knötchen im Bauchbereich

Je nachdem, wie stark die Entzündungen ausgeprägt sind, können sie starke Schmerzen auslösen und sich über Oberkörper, Beine und Arme ausbreiten.

Was hilft gegen polymorphe Schwangerschaftsdermatose?
Sind die Symptome sehr leicht, reicht oftmals eine gründliche Pflege der Haut. Dabei helfen dir pH-neutrale Seifen oder Duschgels, täglich mehrmaliges Eincremen und das Kühlen der betroffenen Stellen mit Kühlpads aus dem Kühlschrank. (Achtung: Pads aus dem Tiefkühlschrank sind zu kalt und irritieren die Haut zusätzlich!)
 
Bei mittlerer oder gar schwerer polymorpher Schwangerschaftsdermatose helfen zusätzlich auch cortisonhaltige Cremes. Die gute Nachricht zum Schluss: Eine polymorphe Schwangerschaftsdermatose verschwindet meist wenige Tage nach der Geburt und tritt bei einer zweiten Schwangerschaft häufig nicht mehr auf. Und wenn doch, dann nicht mehr so stark.

Schwangerschaftsdermatose: Was ist eine intrahepatische Cholestase?

Eine intrahepatische Schwangerschafts-Cholestase ist eine Lebererkrankung, die bei bis zu zwei von hundert Schwangeren auftritt. Im Laufe des zweiten oder dritten Trimesters entwickelt sich als erstes ein intensiver (und vor allem nächtlicher) Juckreiz an den Handflächen und Fußsohlen.  
 
Anders als bei den anderen hier genannten Beschwerden ist der Juckreiz bei einer intrahepatischen Cholestase auf der Haut nicht als Rötung, Flecken, Pickel oder Pusteln sichtbar. Weitere Symptome sind:

  • eine gelbliche Verfärbung der Haut und Augen
  • dunkler Urin
  • heller Stuhl

Eine intrahepatische Schwangerschafts-Cholestase ist eine Störung der Leber- oder Gallenfunktion, die einen Stau der Gallenflüssigkeit verursacht. Was sie hervorruft, ist noch nicht genau geklärt, Ärzte gehen allerdings davon aus, dass der erhöhte Hormonspiegel während der Schwangerschaft die Cholestase auslöst. Eine Schwangerschafts-Cholestase kann das Risiko für Früh- und Totgeburten steigern.

Was hilft gegen eine intrahepatische Schwangerschafts-Cholestase?
Wichtig ist vor allem eine kontinuierliche ärztliche Betreuung, um deine Gesundheit und das deines Babys zu gewährleisten. Fast immer wird eine mehrwöchige Therapie mit Ursodeoxycholsäure empfohlen. Ursodeoxycholsäure ist beispielsweise im Medikament Ursochol enthalten und verbessert die Funktion der Leber, wodurch sich der Gallenstau auflöst.

Gesundheit: Schwangerschaftsdermatose: Juckreiz, Ausschlag und mehr

Schwangerschaftsdermatose: Wie entsteht Herpes gestationis?

Herpes gestationis (auch Pemphigoides gestationis genannt) ist ein stark juckender Hautausschlag, der um den Bauchnabel beginnt und sich auf den restlichen Körper ausbreiten kann. In der Regel tritt er im zweiten oder dritten Schwangerschaftsdrittel auf. Der Auslöser für Herpes gestationis ist noch nicht genau geklärt, aber es wird angenommen, dass es sich dabei um eine Autoimmunerkrankung handelt. Antikörper greifen das körpereigene Gewebe am Bauch an. Die Hauterkrankung läuft in verschiedenen Stadien ab:

  1. Herpes gestationis beginnt als stark juckende rote Flecken um den Bauchnabel.
     
  2. Im weiteren Verlauf bilden sich unterschiedlich große Blasen, die Flüssigkeit enthalten. Zudem kann sich der Ausschlag auf den restlichen Körper ausweiten, dazu gehören auch Handflächen und Fußsohlen. Nur Gesicht und Mund sind normalerweise nicht betroffen.
     
  3. Nach der Schwangerschaft verstärkt sich der Ausschlag meist noch einmal, ehe er nach ein paar Wochen und Monaten wieder verschwindet.

Bei Herpes gestationis besteht die erhöhte Gefahr einer Frühgeburt und eines verlangsamten Wachstums beim ungeborenen Baby. Die gute Nachricht: Zum einen ist Herpes gestationis extrem selten, zum anderen kann es leicht behandelt werden. Hilfreich sind in aller Regel Kortikosteroidsalben oder -tabletten. Ebenfalls können Antihistaminika den Juckreiz lindern.

Übrigens: Herpes gestationis ist eine Autoimmunerkrankung und hat nichts mit dem bekannten Herpes zu tun. Den Namen verdankt diese Schwangerschaftsdermatose nur ihrem ähnlichen Aussehen.

Alle hier genannten Tipps zur Behandlung der Schwangerschaftsdermatosen ersetzen nicht den Arztbesuch und sollten nur in Absprache mit deiner Gynäkologin angewendet werden.


Quellen:
MSD Manual: Lebererkrankungen in der Schwangerschaft
Gesundheitsinformation: Neurodermitis
Familienplanung: Beschwerden in der Schwangerschaft: Juckreiz
Ärzteblatt: Ausgeprägte polymorphe Schwangerschaftsdermatose bei einer Erstgebärenden
Springermedizin: Intrahepatische Schwangerschaftscholestase
Ärztezeitung: Den Juckreiz bei Schwangeren richtig zuordnen!


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