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Mehr Frühgeburten, mehr Übergewicht So gefährdet die Klimakrise schon ungeborene Babys und Kleinkinder

Mehr Frühgeburten, mehr Übergewicht: So gefährdet die Klimakrise schon ungeborene Babys und Kleinkinder
© Natalia Deriabina / Shutterstock
Mehr Frühgeburten und ein höheres Risiko, adipös zu werden: Die Erderwärmung schadet schon den Kleinsten. Das zeigen Studien aus aller Welt.

Die Klimakrise beeinträchtigt die Gesundheit von Föten, Babys und Kleinkindern rund um den Globus: Studien aus unterschiedlichen Ländern haben gezeigt, dass hohe Temperaturen und Luftverschmutzung während der Schwangerschaft sich lebenslang auf die Gesundheit von Kindern auswirken können – und dass bereits eine geringe Abgasbelastung die Fruchtbarkeit mindern kann.

Die Folgen von Hitze auf unsere Kinder

Wie der "Guardian" berichtet, haben Wissenschaftler:innen entdeckt, dass Hitze zu einer schnellen Gewichtszunahme bei Babys führen kann, was wiederum das Risiko für Fettleibigkeit im späteren Leben erhöht. Hohe Temperaturen wurden außerdem mit Frühgeburten in Zusammenhang gebracht, die ebenfalls lebenslange Folgen für betroffene Kinder haben können. Außerdem kommen an heißen Tagen mehr kleine Kinder ins Krankenhaus.

“Von Anfang an, von der Empfängnis über die frühe Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter, beginnen wir, die Folgen des Klimawandels für die Gesundheit zu sehen”, so Gregory Wellenius von der amerikanischen Boston University. “Es ist ein Problem, das alle betrifft, überall."

Babys werden dicker

Ein Zusammenhang zwischen Hitze und hoher Gewichtszunahme im ersten Lebensjahr wurde von Wissenschaftler:innen in Israel entdeckt. Sie fanden heraus, dass Babys, die sehr heißen Nächten ausgesetzt gewesen sind, ein höheres Risiko hatten, übergewichtig zu werden. Das hat Folgen: Das Gewicht im Kleinkindalter beeinflusst nicht nur das Gewicht im Erwachsenenalter, fettleibige Menschen leiden auch mehr unter hohen Temperaturen. Als möglicher Grund für die schnelle Gewichtszunahme wurde genannt, dass der Körper bei Hitze weniger Fett verbrennen muss, um seine Temperatur zu halten.

Mit den Temperaturen steigt auch das Risiko für Frühgeburten

Zwei Studien untersuchten auch den Zusammenhang zwischen hohen Temperaturen und Frühgeburten. Die australische Studie mit fast einer Million Schwangeren kam zum Ergebnis, dass die Frauen an den heißesten Orten ein 16 Prozent höheres Risiko hatten, eine Frühgeburt zu erleiden. Frühere Untersuchungen in Brisbane hatten bereits ähnliche Ergebnisse gebracht. Edward Jegasothy von der University of Sydney resümierte:

Das Risiko von Frühgeburten wird wahrscheinlich mit dem erwarteten Temperaturanstieg und der Zunahme von Hitzewellen weltweit ansteigen – das ist ein potenziell ernstes Problem.

Die zweite Studie analysierte 200.000 Geburten in Texas. Ein Viertel der schwangeren Frauen waren mindestens an einem Tag Rekordwerten ausgesetzt. Am Tag danach war das Risiko für eine Frühgeburt 15 Prozent erhöht. Die amerikanischen Forscher:innen fordern daher, dass die Warnungen vor Hitzewellen schwangere Frauen mit einschließen sollten.

Warum Hitze Frühgeburten auslösen kann, ist unklar. Vermutet wird, dass sie die Ausschüttung von Geburtshormonen begünstigt.

Kleinkinder leiden stärker unter Hitze

Große Hitze lässt auch die Zahl der Kinder in den New Yorker Notaufnahmen emporschnellen, fand eine andere Studie heraus. Der Grund: Kleinkinder verlieren proportional mehr Flüssigkeit als Erwachsene. Außerdem ist bei ihnen die Fähigkeit, die Körpertemperatur zu regulieren, noch nicht so stark ausgebildet.

Gregory Wellenius von der amerikanischen Boston University fasste die Ergebnisse der neuen Studien so zusammen:

Auch eine leichte Erhöhung der Temperatur kann die Entwicklung des Fötus beeinflussen, Schwangerschaftskomplikationen hervorrufen und das Leben von Kindern beeinträchtigen.

Luftverschmutzung kann unfruchtbar machen

Studien aus Dänemark, den USA, Israel und Australien fanden außerdem heraus, dass schon eine leichte Luftverschmutzung durch fossile Brennstoffe die Fruchtbarkeit beeinträchtigten kann. Damit bestätigten sie die Ergebnisse von 68 Studien mit über 34 Millionen Geburten. Die Forscher:innen stellten unter anderem fest, dass die Grenzwerte für Luftverschmutzung in der EU zu hoch sein könnten: "Die derzeitigen Normen reichen möglicherweise nicht aus, um vor negativen Auswirkungen auf die reproduktive Gesundheit zu schützen", so Amelia Wesselink von der Boston University.

ELTERN

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