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Krankenkasse zahlt Trisomie-Test vor der Geburt wird ab 1. Juli Kassenleistung

Bauch einer schwangeren Frau
© Bits and Splits / Adobe Stock
Die Kosten von pränatalen Bluttests auf Trisomie werden ab Juli von den Krankenkassen übernommen – unter bestimmten Voraussetzungen.

Bereits seit zehn Jahren werden nicht-invasive Pränataltests (NIPT) in Deutschland angeboten. Bei den Bluttests können ab der zehnten Schwangerschaftswoche Erbgutbestandteile des Kindes aus dem Blut der Schwangeren isoliert werden. Dabei können Gendeffekte wie Trisomie 21, 18 und 13 untersucht werden. Beim NIPT besteht kein Risiko einer Fehlgeburt. Für den Test wird Blut aus der Armvene der Schwangeren entnommen.

Bisher mussten Eltern für die Untersuchung selbst bezahlen. Je nach Anbieter lagen die Kosten zwischen 130 bis 540 Euro. 

Bereits 2019 hatten der Gemeinsame Bundesausschuss (G-Ba) von Ärzt:innen, Krankenkassen und Kliniken sowie das Bundesgesundheitsministerium dem Vorschlag tendenziell zugestimmt, die Tests als Kassenleistung anzubieten.

Kostenübernahme "in begründeten Einzelfällen"

Die Kassenleistung soll dabei nicht allen Schwangeren gleichermaßen zur Verfügung stehen. Die Tests sollen "in begründeten Einzelfällen bei Schwangerschaften mit besonderen Risiken" übernommen werden. Die Voraussetzung sei dabei eine vorangegangene intensive ärztliche Beratung, wie die "Tagesschau" berichtet.

Führt die Diagnose zum Schwangerschaftsabbruch?

Über die Kostenübernahme der Bluttests gibt es seit Jahren eine ethische Diskussion. Befürworter:innen sehen vor allem den gesundheitlichen Vorteil für Schwangere: Die Tests sind heute zuverlässiger und risikoärmer als die seit den 70er Jahren durchgeführten invasiven Tests, bei denen ein Eingriff in die Gebärmutter der Schwangeren notwendig war.

Behindertenverbände und die katholische Kirche sehen die neue Entwicklung hingegen eher kritisch. Die Deutsche Bischofskonferenz äußerte eine "besorgniserregende Tendenz in Richtung einer regelmäßigen Selektion", so die "Tagesschau". Auf die Diagnose Trisomie erfolge meistens ein Schwangerschaftsabbruch. Bereits jetzt, so schätzen Expert:innen, entscheiden Eltern sich bei 90 bei 95 Prozent der Trisomie-Verdachtsfälle für einen Abbruch.

Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) steht der neuen Regelung tendenziell positiv gegenüber. Allerdings würde die Aufklärung und die genetische Beratung der Eltern mit diesem Schritt noch wichtiger.

Familien ist es selbstverständlich selbst überlassen, ob sie sich nach der Diagnose für oder gegen die weitere Schwangerschaft entscheiden. Bei der Entscheidung gehe es nicht darum, Kinder oder Menschen mit Behinderung zu diskriminieren oder ihr Dasein zu stigmatisieren. Stattdessen könne man Eltern, denen dieses Wissen wichtig ist, nun einen sicheren Test bieten, so der G-Ba. 

Denn eine Erkrankung kann mehrere Risiken bedeuten. Beispielsweise hören oder sehen Menschen mit Down-Syndrom oft schlechter und das Risiko auf eines Herzfehlers oder einer Verdauungstraktstörung ist erhöht.

Verwendete Quellen: Tagesschau, Aktion Leben, Techniker Krankenkasse

lkl ELTERN

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