Schwangerschaft
 
Übungswehen: So trainiert die Gebärmutter für die Geburt

Du bist im zweiten Trimester schwanger, dein Baby entwickelt sich prächtig und du fühlst dich fit und leistungsfähig. Doch plötzlich wird dein Bauch häufig hart und zieht ein wenig? Keine Sorge, das sind wahrscheinlich Übungswehen, auch wilde Wehen genannt. Was sie bedeuten, warum sie wichtig sind und worauf nun zu achten ist, erfährst du hier.

Schwangere hat Wehen
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Inhalt: 
Was sind Übungswehen? Ab wann treten Übungswehen auf?Wie fühlen sie sich an?Wie erkenne ich Übungswehen?Wie unterscheide ich die wilden Wehen von vorzeitigen Wehen?Wie unterscheiden sich Übungswehen von Vorwehen (Senkwehen)?Ich spüre keine Vorwehen – stimmt etwas nicht?

Was sind Übungswehen?

Noch ist es nicht soweit, aber unter der Geburt wird deine Gebärmutter Höchstleistungen vollbringen, um dein Kind ans Licht der Welt zu schieben. Zum Glück hat sie bis zur Geburt ja neun Monate, um sich darauf vorzubereiten. Heißt: Sie trainiert fleißig! So, wie du ab einem gewissen Zeitpunkt ein erstes zartes Flattern des kleinen Babys in dir spürst, meldet sich auch dein Uterus. Dein Bauch fühlt sich nun vielleicht öfter mal hart und gespannt an. Eventuell empfindest du auch ein leichtes Ziehen. Der Grund ist das Zusammenziehen und anschließende Entspannen der glatten Muskulatur der Gebärmutter. Deine Plazenta und der Fötus werden dabei ordentlich mit Blut versorgt, und der Uterus gewinnt an Kraft, die er für den Geburtsvorgang braucht. Gleichzeitig lockert er sich, wird weicher und geschmeidiger. Ein physiologisch wichtiger Vorgang.

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Ab wann treten Übungswehen auf?

Typischerweise spürst du die ersten Übungswehen um die 20. Schwangerschaftswoche herum. Es ist eine besondere Zeit, denn du bist in der Mitte deiner Schwangerschaft angekommen und fühlst dich wahrscheinlich sehr gut. Vielleicht warst du im ersten Trimester noch sehr verunsichert, littst unter Übelkeit oder Dauermüdigkeit. Das liegt nun hinter dir. Die Geburt ist zwar noch in weiter Ferne, doch du hast schon eine deutliche Rundung und du wirst nun – wenn du es wünschst – das Geschlecht deines Babys erfahren können. Und plötzlich hältst du inne: Dein Bauch wird hart, spannt sich an und entspannt sich wieder. Erste Anzeichen für die noch ferne Geburt. Mach dir also keine Sorgen, sondern freu dich ruhig ein wenig. Es gehört alles dazu auf dem Weg zu deinem Kind!

Wie fühlen sie sich an?

Hebammen und Ärzte unterscheiden zwischen den sogenannten Alvarez-Wellen und Braxton-Hicks-Kontraktionen. Du wirst wohl zunächst einmal Bekanntschaft mit den Alvarez-Wellen machen. Diese noch sehr leichten Wehen treten unregelmäßig, kurz und wellenförmig auf. Nur kleine Bereiche der Gebärmutter fangen hier an zu üben. Später in deiner Schwangerschaft verstärkt sich dieses Gefühl. Größere Flächen der glatten Muskulatur deines Uterus ziehen sich dann zusammen, auch Häufigkeit und Intensität der Wehen erhöhen sich. Dabei handelt es sich um Braxton-Hicks-Wehen. Keine Sorge: Sie sind nicht zervixwirksam, das heißt, der Muttermund bleibt von der Aktivität der Gebärmutter unberührt. Weder verkürzt er sich noch öffnet er sich. Kein Problem übrigens, wenn du solche Wehen kaum bei dir wahrnimmst. Manche Frauen merken sie sehr stark, andere fast gar nicht. Vertrau einfach darauf, dass dein Körper seine Arbeit schon macht.

Wie erkenne ich Übungswehen?

Die wilden Wehen werden nicht mehr als dreimal pro Stunde auftreten. Wie intensiv eine Frau solche Wehen wahrnimmt, ist sehr individuell. Manche merken sie kaum, andere empfinden sie als ein wenig unangenehm. Hebamme Marei Heimburger aus Hamburg erklärt: „Entspannung und Wärme tun gut, etwa durch Baden oder eine Wärmflasche.“ Aber: „Übungswehen sollten nie schmerzhaft sein!“ Dann sei nämlich ein Arztbesuch angesagt. Generell rät Marei Heimburger, genau auf die Signale des Körpers zu achten und sich Zeit für sich zu nehmen. So seien Frauen in ihrer Schwangerschaftsmitte meist sehr aktiv, stünden noch voll im Beruf. Langes Stehen, körperliche Arbeit oder auch Stress und Termindruck gehörten dann oftmals auch noch dazu. „Übungswehen können uns dazu auffordern, mal ein, zwei, drei Gänge herunterzuschalten“, so die Expertin.

Was kann ich zur Linderung tun?

Schwangere Frau meditiert
iStock, Newman Studio

Braxton-Hicks-Kontraktionen sind oft nicht gerade angenehm. Wenn du zu denen gehörst, die diese Wehen stark wahrnehmen, kannst du einiges tun, um dir Erleichterung zu verschaffen.

  • Leg dich in die Badewanne: Das Wasser sollte nicht heiß, sondern angenehm warm sein. Du wirst sehen, dass das unangenehme Spannen nachlassen wird. Auch eine Wärmflasche oder ein warmes Dinkelkissen können dir guttun.
  • Ausruhen: Und zwar wirklich! Vielleicht magst du am liebsten sitzen und die Füße hochlegen. Oder du legst dich hin. Dabei kann es sehr angenehm sein, dich an ein Stillkissen zur Entlastung deines Bauches zu schmiegen und dabei ein Bein auf dem Kissen abzulegen. In der linken Seitenlage wird dein Bauch schön durchblutet.
  • Schwangerschaftsyoga: Die perfekte Mischung aus Energietanken und Entspannen. Durch achtsames Atmen und für die Schwangerschaft entwickelten Übungen wird dein Körper gut durchblutet. Das bringt Entspannung in die Körpermitte und du bist auch mental ganz bei deinem Kind.
  • Tee trinken:  Ein heißer Tee wärmt und entspannt dich von innen.
  • Lenk dich ab: Mit Ablenkung sind keine actiongeladenen Aktivitäten gemeint. Mach dir lieber deine Lieblingsmusik an und tanze ein wenig im Wohnzimmer. Schau einen schönen Film oder telefoniere mal wieder ausgiebig mit einer Freundin. Das hilft dir, dich nicht zu sehr in jedes kleine Zwicken oder Zwacken hineinzudenken.

Wie unterscheide ich die wilden Wehen von vorzeitigen Wehen?

Wenn die Kontraktionen auf den Gebärmutterhals wirken, sprechen Mediziner von zervixwirksamen vorzeitigen Wehen. Diese sollten aber vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche nicht auftreten. Anzeichen gibt es mehrere:

  • Die Kontraktionen treten häufiger als drei Mal pro Stunde und zehn Mal pro Tag auf
  • Die Kontraktionen kommen regelmäßig
  • Die Intervalle der Wehen verkürzen sich vielleicht sogar
  • Die Frau muss bei ihrer Tätigkeit innehalten und kann nicht weitersprechen
  • Die Wehen sind schmerzhaft

Was, wenn ich mich unsicher fühle?

Ultraschall-Untersuchung beim Gynäkologen
iStock, 7postman

Vorzeitige Wehen oder doch nur Übungskontraktionen? Eine Frage, die auch in unseren Foren diskutiert wird. Eine Userin beschreibt ihre Situation so: "Ich bin in der 25. SSW, liege auf der Couch und habe scheinbar Wehen?! Abstände sind zwischen 1-3 Minuten. Dauer ist unterschiedlich... Allerdings wird der Bauch sehr hart und es drückt im rechten Becken. Kann ich abwarten, ob es besser wird? Oder direkt ins Krankenhaus? Vielleicht sind es einfach nur Übungswehen?" Keine leichte Entscheidung. Aber generell gilt: Lieber einmal mehr zum Arzt und prüfen lassen, ob es nicht vorzeitige Wehen sind. Zum Glück haben Schwangere meist eine gute Intuition und sensible Körperwahrnehmung. Du spürst nur einen ganz leichten Schmerz und hast trotzdem irgendwie Angst? Dann lass dich abchecken. Dein Gynäkologe kann ein Ultraschallbild machen und sehen, ob dein Gebärmutterhals (Zervix) der Norm von vier Zentimetern Länge entspricht – oder ob er verkürzt beziehungsweise sogar leicht geöffnet ist. Ist er verkürzt, verschreibt dir dein Arzt gewöhnlich hochdosiertes Magnesium (gegen die Wehentätigkeit) und verordnet dir sofortige Bettruhe. „Es ist erstaunlich, wie schnell sich oftmals ein leicht verkürzter Gebärmutterhals wieder aufbaut, wenn die Frau nach Lust und Laune schlafen, essen und einfach relaxen kann“, sagt Marei Heimburger. „Es kann dann sogar sein, dass das Baby nach dem errechneten Geburtstermin kommt – so als wäre nie etwas gewesen.“ Es müsse also keineswegs zu einer Frühgeburt kommen. Stress und Ärger seien große Risikofaktoren, die sich direkt auf den Zervix auswirken und zu ungewollten vorzeitigen Wehen führen könnten, so die Hebamme. Umso wichtiger, gut für sich zu sorgen. Ja, auch im Job.

Wie unterscheiden sich Übungswehen von Vorwehen (Senkwehen)?

Wenn Übungskontraktionen etwa ab der 20. Woche beginnen, werden sie dich mehr oder weniger den Rest deiner Schwangerschaft hindurch begleiten. Die Gebärmutter ist eben bis zur Geburt immer aktiv, und das ist auch gut so. Bei Anstrengungen musst du manchmal nach Luft schnappen? Keine Sorge, gegen Ende deiner Schwangerschaft, um die 37. Woche, senkt sich dein Bauch ab und verschafft dir damit wieder mehr Luft. Du erlebst nun häufig die sogenannten Vorwehen, auch Senkwehen genannt, die von 30 Sekunden bis eine Minute dauern. Dein Kind rutscht nun tief ins Becken und macht sich startklar für die Geburt. Im Gegensatz zu Übungswehen kommen die Vorwehen regelmäßig in einem ungefähren 15-Minuten-Abstand. Auch ein menstruationsartiger Schmerz oder Ziehen im Rücken können dich jetzt plagen. Daran erkennst du, dass es keine Übungswehen sein können. Wenn du nun denkst, dass es sich schon um Geburtswehen handeln könnte, lege dich in die Badewanne: Ebben die Kontraktionen ab, sind es Vorwehen. Werden die Schmerzen heftiger und verkürzt sich der Abstand, kannst du in diesem späten Stadium deiner Schwangerschaft getrost ins Krankenhaus fahren. Dann kann es nämlich sehr gut sein, dass sich dein Baby nun auf den Weg macht und es bis zur Geburt nicht mehr lange dauert.

Ich spüre keine Vorwehen – stimmt etwas nicht?

Wie bei den Übungswehen auch, kann es sein, dass du die Vor- oder Senkwehen nicht stark wahrnimmst. Oder dir nicht sicher bist, wann sie denn nun auftreten sollten. Das sorgt in unseren Foren auch immer wieder für Diskussionsstoff. So fragt eine Userin: "Ab wann hattet ihr Senk- oder Übungswehen beim zweiten Mal? Bei der ersten Schwangerschaft hatte ich schlimme Senkwehen ab der 34. bis 35. Woche. Freitag bin ich in der 36. SSW und es passiert nix. Soll ich mich freuen, dass ich verschont bleibe oder heißt es eher, dass ich übertragen werde?" Die Antwort darauf: Das hat nicht unbedingt etwas zu heißen. "Wer schon mal ein Kind bekommen hat, bei dem treten Senkwehen in der nächsten Schwangerschaft häufig später auf. Mitunter sinkt das Kind auch erst direkt vor der Geburt tief ins Becken", so Hebamme Marei Heimburger. Sei dir jedenfalls gewiss, dass dein Körper schon weiß, was er tut. Und wenn du Fragen hast, wende dich so oft du willst an deinen Arzt oder deine Hebamme – dafür sind sie da.

Wissenschaftliche Beratung:
Marei Heimburger, Hebamme bei der Hebammenpraxis Eimsbüttel, Hamburg

Die Zitate der Mütter stammen aus dem Urbia-Forum.