Ungewollt schwanger
 
Ungewollt schwanger: Diese Möglichkeiten hast du jetzt

Ein Baby – das ist in deiner Planung gar nicht vorgesehen. Und trotzdem: Der Schwangerschaftstest ist eindeutig positiv. Was tun bei ungewollter Schwangerschaft? Wir zeigen dir deine Möglichkeiten.

Unglückliches Paar mit Schwangerschaftstest
iStock, Mixmike
Inhalt: 
Familie und Freunde um Hilfe bittenHilfe in der Mutter-Kind-EinrichtungGut aufgehoben in einer PflegefamilieAdoption als Lösung?Anonyme Geburt Ich will abtreibenLetzter Ausweg BabyklappeHier findest du Hilfe, wenn du ungeplant schwanger bist

Der Schwangerschaftstest ist positiv, aber Freude kommt nicht auf. Denn: Du bist ungewollt schwanger. Verständlich, dass für dich erst einmal eine Welt zusammenbricht und du weder ein noch aus weißt. Dass deine Gefühle jetzt Achterbahn fahren, ist ganz normal. Das geht sogar Frauen so, die gewollt schwanger sind. Denn klar ist: Schwanger zu sein und ein Kind zu bekommen, stellt das bisherige Leben gründlich auf den Kopf.

Ungeplant schwanger: Nicht unter Druck setzen lassen

Bei der Entscheidung, was du jetzt tun möchtest, spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle: die eigene Lebensplanung, die Partnerschaft, die berufliche und auch die finanzielle Situation. Wichtig ist: Es ist deine Entscheidung, wie es nun weiter geht. Weder Freunde oder Familie noch andere Berater können dir diese Entscheidung abnehmen. Und du darfst dich auch nicht unter Druck setzten lassen, denn du bist diejenige, die schwanger ist und die mit ihrer Entscheidung leben muss. Nicht nur jetzt, sondern ein Leben lang. Wichtig ist, dir für deine Entscheidung die Zeit zu nehmen, die du brauchst. Ja, es gibt Fristen, die du einhalten musst, wenn du dich für eine Abtreibung entscheidest. Bis dahin hast du aber genügend Zeit, dir deine eigenen Gedanken zu machen. Auch wir können dir nicht sagen, was das Beste für dich ist, aber wir können dir helfen, deine Gedanken zu ordnen und dir zeigen, welche Möglichkeiten du hast, wenn du ungeplant schwanger bist.
 
Klar, ganz offensichtlich hast du zunächst die Entscheidung zu treffen: das Kind behalten oder abtreiben? Wenn möglich, besprich dich am besten mit dem zukünftigen Vater. Wie steht er zu der Entscheidung? Möchte er das Kind vielleicht behalten? Kann er dich so unterstützen, dass ihr euch gemeinsam um das Baby kümmern könnt?
Wenn eine Abtreibung für dich bzw. euch nicht zur Debatte steht und du das Kind auf jeden Fall austragen möchtest, hast du verschiedene Möglichkeiten, bei denen dir von staatlicher oder auch kirchlicher Seite geholfen wird. Wir stellen dir hier alle vor.

Ungeplant schwanger: Familie und Freunde um Hilfe bitten

Paar in Gespräch
iStock, egon69

Du bist schwanger, obwohl du es gar nicht wolltest. Für dich steht aber fest: Ich will das Kleine behalten. Aber wie soll es nur weitergehen? Wo gibt es Unterstützung? Zunächst einmal: tief durchatmen. Du bist nicht allein. Offizielle Zahlen gibt es nicht, aber pro familia vermutet, dass in Deutschland etwa jede dritte Schwangerschaft ungewollt ist. Aber: Es gibt Hilfe. Zuerst einmal ist es sicherlich ratsam, dein Umfeld genauer in den Blick zu nehmen.
 
Vielleicht hilft es dir, erst einmal diese Fragen zu stellen:
 

  • Was empfindest du selbst? Kannst du dir vorstellen, das Baby auszutragen? Möchtest du mit ihm zusammenleben? Oder kannst du dir das gar nicht vorstellen?
  • Wie steht der Vater zu der Schwangerschaft? Ist er bereit, Verantwortung zu übernehmen?
  • Wie denkt die Familie des Vaters über die Schwangerschaft? Können die werdenden Großeltern väterlicherseits vielleicht unterstützend zur Seite stehen?
  • Wie sieht es mit deiner eigenen Familie aus? Großeltern, Eltern, Onkel, Tanten und Geschwister – kann dir jemand den Rücken stärken?

 
Freunden und Verwandten von einer ungewollten Schwangerschaft zu erzählen und sie womöglich um Hilfe zu bitten, ist sicher nicht leicht. Hab trotzdem den Mut dazu! Denn: Dass du schwanger bist, ruft vielleicht sogar ganz andere Reaktionen in deinem Umfeld hervor, als du dachtest. Eventuell gibt es Großeltern, die von einem Enkelchen nicht zu träumen gewagt hatten, und sich nun riesig freuen, und für die sich plötzlich auch ganz andere Perspektiven ergeben. Am besten, du sprichst mit deiner und der Familie des Vaters. Vielleicht ergeben sich Möglichkeiten, die du bisher nicht in Betracht gezogen hast.
 
Wenn du aber mit deiner Familie nicht über deine Schwangerschaft sprechen möchtest, gibt es zahlreiche Schwangerschaftskonflikt-Beratungsstellen, an die du dich wenden kannst. Die Beraterinnen und Berater besprechen dort ganz individuell mit dir deine Lebenssituation. Sie helfen dir als Vermittler bei schwierigen Gesprächen (z.B. mit dem Vater oder der Familie) und haben Tipps und Ratschläge zur Wohnsituation oder finanziellen Unterstützung.
 
Weiter unten haben wir Beratungsstellen für dich gesammelt.

Ungewollte Schwangerschaft: Hilfe in der Mutter-Kind-Einrichtung

Mutter mit Neugeborenem
iStock, Mikolette

Ein Kind alleine groß zu ziehen – das kannst du dir gerade gar nicht vorstellen. Das Geld reicht vorne und hinten nicht, die Wohnung ist viel zu klein und Unterstützung vom Vater oder von Familie und Freunden hast du auch nicht. Gut, dass es Mutter-Kind-Einrichtungen gibt! Hier erhalten Schwangere und alleinerziehende Mütter oder Väter Unterstützung zur Bewältigung ihrer Lebenssituation im Rahmen einer geschützten Wohngruppe. Für alle Anliegen sind stets entsprechende Ansprechpartner zur Verfügung. Sozialpädagogen unterstützen im Alltag und bei der Betreuung, so dass die jeweiligen Elternteile ihre Ausbildung abschließen oder ihrem Beruf nachgehen können. Schwangerenkonflikt-Beratungsstellen haben oftmals einen Überblick, wo in deiner Nähe eine Mutter-Kind-Einrichtung ist. Vielleicht kannst du dort mal einen Termin vereinbaren und schauen, ob dieses Modell für dich passt.

Ungeplant schwanger: Gut aufgehoben in einer Pflegefamilie

Bei deinen derzeitigen Lebensumständen siehst du dich nicht in der Lage, die Verantwortung für ein Kind zu übernehmen. Eine Abtreibung kommt nicht infrage und auch eine Adoption ist für dich viel zu endgültig. Denn irgendwann, wenn es deine Situation wieder erlaubt, möchtest du dein Kind zu dir nehmen und mit ihm leben. Nur eben noch nicht jetzt. Bis dahin soll es aber in einer liebevollen Umgebung aufwachsen. Vielleicht ist dann die Option Pflegefamilie für dich interessant. Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: eine begrenzte oder unbegrenzte Unterbringung, ganz oder nur teilweise, mit oder ohne Sorgerecht für die leiblichen Eltern. Das für deinen Wohnsitz zuständige Jugendamt berät dich da gerne.

Ungewollt schwanger: Adoption als Lösung?

Kind geht an der Hand seiner Eltern
iStock, hoozone

Auch Adoption ist eine Möglichkeit, wenn du dir ein Leben mit Kind nicht vorstellen kannst, eine Abtreibung für dich aber nicht infrage kommt. Ein Baby kann entweder direkt nach der Geburt oder zu einem späteren Zeitpunkt in eine Adoptivfamilie vermittelt werden. Die endgültige Einwilligung in die Adoption kannst du jedoch frühestens acht Wochen nach der Geburt geben. Die Entscheidung, ein Kind zur Adoption freizugeben, will gut überlegt sein. Denn: Rückgängig machen kannst du sie nicht. Grundsätzlich wird in Deutschland zwischen Inkognito-, offenen und halboffenen Adoptionen unterschieden.
 
Inkognito-Adoption:

Bei einer Inkognito-Adoption haben leibliche und Adoptiveltern keinerlei Kontakt zu einander. Das soll dem Kind das Ankommen in seiner Adoptivfamilie erleichtern. Die leiblichen Eltern können Briefe und Dokumente bei der Adoptionsstelle hinterlegen. Das Kind kann bei Interesse darauf zugreifen. Das Inkognito kann nur mit dem Einverständnis aller Beteiligten aufgehoben werden, sodass dann eine halboffene oder offene Adoption vorliegt.
 
Halboffene Adoption:

Bei einer halboffenen Adoption haben leibliche Eltern die Möglichkeit, Informationen und Bilder ihres Kindes über das Jugendamt zu erhalten. Ein direkter Austausch mit der Adoptivfamilie und dem Kind findet jedoch nicht statt.
 
Offene Adoption:
Es gibt aber auch die Möglichkeit einer offenen Adoption. Hier besteht Kontakt zwischen leiblichen und Adoptiveltern. Der Vorteil: Die leiblichen Eltern können an der Entwicklung ihres Kindes teilhaben und das Kind kennt seine Wurzeln und vielleicht auch die Gründe, warum es in einer Adoptivfamilie lebt.

Anonyme Geburt

Du möchtest dein Baby zur Adoption freigeben? Du möchtest aber anonym bleiben und keinen Kontakt zu deinem Kind haben? Dann kannst du dein Baby auch vertraulich zur Welt bringen. Dies geschieht dann unter einem Pseudonym, das heißt, du meldest dich mit einem Namen an, den du selbst wählst. Lediglich eine Beraterin kennt deinen echten Namen. Deine Daten sind jedoch für niemanden zugänglich. Erst wenn dein Kind sechzehn Jahre alt ist, hat es die Möglichkeit, zu erfahren, wer seine leibliche Mama ist. Wenn dein Leben, deine Gesundheit oder deine persönliche Freiheit bedroht sind, kann die Anonymität auch über das sechzehnte Lebensjahr hinaus bestehen bleiben. Mehr Informationen zum Ablauf der vertraulichen Geburt findest du unter www.geburt-vertraulich.de oder unter der bundesweiten Telefonnummer 0800 4040020.

Ungewollte Schwangerschaft: Ich will abtreiben

Unglückliche Frau mit Schwangerschaftstest
iStock, Rawpixel

Du bist ungewollt schwanger und für dich steht fest: Ich möchte das Kind nicht austragen. Laut § 218 des Strafgesetzbuches (StGB) ist eine Abtreibung in Deutschland rechtswidrig. Sie bleibt jedoch straffrei, wenn sich eine Frau aus freien Stücken dazu entscheidet, sich vorher in einer staatlich anerkannten Beratungsstelle beraten lässt und der Eingriff bis zur 12. Woche von einem Arzt durchgeführt wird, der nicht an dem Beratungsgespräch teilgenommen hat. Stellt die Fortführung der Schwangerschaft eine Gefahr für die körperliche oder seelische Gesundheit dar oder ist die Mutter aufgrund einer Straftat schwanger, ist eine Abtreibung rechtlich kein Problem. Trotzdem: Eine Beratung vor einem Schwangerschaftsabbruch ist in Deutschland Pflicht. Auf der Internetseite Familienplanung.de, die ein Informationsangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist, kannst du nach einer passenden Beratungsstelle in deiner Nähe suchen. Die Beratung vor Ort ist für dich und deinen Begleiter kostenlos. Die Kosten für Vor- und Nachsorge eines Abbruchs werden von der Krankenkasse übernommen. Den eigentlichen Eingriff musst du jedoch leider selber zahlen. Die Kosten liegen je nachdem, ob du dich für einen medikamentösen oder einen operativen Schwangerschaftsabbruch entscheidest, zwischen 200€ und 600€.
 
Mehr zu Ablauf und Methoden einer Abtreibung und unter welchen Umständen eine Kostenübernahme möglich ist, erfährst du in unserem Artikel über einen Schwangerschaftsabbruch.

Ungewollt schwanger: letzter Ausweg Babyklappe

Ungewollt schwanger zu sein, bringt das Leben ganz schön ins Wanken. Plötzlich scheint alles außer Kontrolle und manchmal geht dann einfach gar nichts mehr. Eine Entscheidung treffen? Nicht möglich! Viele Frauen sind sogar in der Lage, im Alltag regelrecht zu verdrängen, dass sie schwanger sind. Sie tragen zum Beispiel besonders weite Kleidung, und dem Umfeld fällt nichts auf. Aber irgendwann will das Baby raus. Und dann lässt es sich nicht mehr verbergen. Mütter, die in einer solchen Situation stecken und sich absolut nicht in der Lage fühlen, sich um ihr Kind zu kümmern, haben seit dem Jahr 2000 die Möglichkeit, ihren Säugling in eine Babyklappe zu legen. Hier findest du eine Liste aller Babyklappen in Deutschland. Mütter können dort ihr Baby anonym in ein Wärmebettchen legen. Sobald sie die Klappe schließen, wird nach kurzer Zeit ein stummer Alarm abgegeben. Die Mutter hat genügend Zeit, sich unerkannt zu entfernen. Der Säugling wird dann sofort von Fachpersonal versorgt. Hat eine Frau ihr Kind in eine Babyklappe gelegt, hat sie acht Wochen Zeit, es sich anders zu überlegen. Nach Ablauf dieser Acht-Wochen-Frist wird das Kind in einer Pflege- oder Adoptivfamilie vermittelt. Wichtig zu wissen: Die Abgabe eines Kindes in eine Babyklappe bleibt straffrei.
 

Hier findest du Hilfe, wenn du ungeplant schwanger bist

Frauen, die schwanger wurden, obwohl sie es nicht wollten, und sich über ihre Möglichkeiten und Hilfsangebote informieren wollen, können sich an einer Schwangerenkonfliktstelle wenden. Dort werden sie von Fachpersonal individuell beraten. Gibt es zum Beispiel Schwierigkeiten in der Familie, können die Mitarbeiter als Vermittler eingesetzt werden. Oder aber sie helfen und beraten bei Fragen rund um Elterngeld- und Elternzeit oder die rechtliche Situation bei einem Schwangerschaftsabbruch. Unter www.familienplanung.de findest du nahezu alle staatlich anerkannten Beratungsstellen in deiner Nähe. Dein Gynäkologe kann dir aber sicher auch Tipps dazu geben. Bekannte Anlaufstellen sind zum Beispiel pro familia, donum vitae oder die Arbeiterwohlfahrt. Wenn du dich für einen Abbruch der Schwangerschaft entschieden hast, ist die Beratung in einer der Schwangerenkonfliktstellen ohnehin Pflicht. Und keine Sorge: Die Beratung ist für schwangere Frauen und deren Begleiter kostenlos. Wenn du möchtest, kannst du dich zunächst auch anonym beraten lassen.

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