Vorsorgeuntersuchung
 
Die wichtigsten Termine in der Schwangerschaft

Steht bei dir bald die nächste Vorsorgeuntersuchung an? Mit der modernen medizinischen Vorsorge während der Schwangerschaft sind die Chancen für ein gesundes Baby so gut wie nie zuvor. Was genau bei den einzelnen Untersuchungen geschieht, erfährst du hier.

Frau sitzt auf dem Bett und schaut sich ihre Ultraschallbilder an
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Auf einen Blick
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  • Bei der ersten Blut-Untersuchung wird der Hormon-, Eiweiß-, und Eisenwert kontrolliert.
  • Ebenfalls zu diesem Zeitpunkt werden Blutgruppe und Rhesusfaktor bestimmt.
  • Der Urin wird auf Eiweiß, Zucker, Harnsedimente, Chlamydien und Leukozyten untersucht.
  • Ab der siebten Schwangerschaftswoche kannst du den Herzschlag deines Babys auf dem Ultraschall sehen und hören.

Schwangerschaft ist keine Krankheit – so steht es (sinngemäß) im Mutterpass, dem kleinen Heft, in dem alle Ergebnisse oder Vorsorgeuntersuchungen eingetragen werden. Und tatsächlich kommen auch die allermeisten Babys nach einer komplikationslosen Schwangerschaft gesund auf die Welt. Damit aber die Fälle, in denen es Komplikationen geben könnte, früh erkannt werden, ist es wichtig, alle vorgesehenen Vorsorgetermine wahrzunehmen. Gute medizinische Betreuung ist daher eine der wichtigsten Voraussetzungen, dass mit dem Baby alles gut ist. In Deutschland ist das kein Problem, im Gegenteil: Es gibt kaum ein Land, in dem allen werdenden Müttern eine so umfassende medizinische Vorsorge zur Verfügung steht.
 
Bis zur 32. Schwangerschaftswoche finden Vorsorgeuntersuchungen alle vier Wochen statt, danach bis zur Geburt alle zwei Wochen. Daraus ergeben sich zehn bis zwölf Termine. Bei einer Risikoschwangerschaft (beispielsweise wenn die werdende Mutter unter 18 oder über 35 Jahre alt ist oder bei einer Zwillingsschwangerschaft) können bei Bedarf weitere Termine hinzukommen. Studien beweisen immer wieder den Wert der häufigen Kontrollen: Die Chance, dass ein Arzt eine mögliche Gefahr für Mutter oder Kind frühzeitig erkennt und so rechtzeitig reagieren kann, wird mit einer regelmäßigen Vorsorge gewährleistet. Aber was wird bei der jeweiligen Untersuchung gemacht? Und was testet die Ärztin im Laufe der Schwangerschaft?

Ungefährlich, aufschlussreich und oft rührend: Die Ultraschall-Untersuchung

Schwangere liegt beim Arzt auf der Liege und bekommt einen Ultraschall
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Im Mutterpass sind (mindestens) drei Untersuchungen per Ultraschall vorgesehen. Gibt es allerdings ein Risiko (Risikoschwangerschaft) oder einen Verdacht, können auch mehr Ultraschall-Untersuchungen angesetzt werden. Meist wird heute schon beim ersten Arzttermin Ultraschall eingesetzt, um die Schwangerschaft festzustellen.

Außerdem ist der Arzt verpflichtet, vor der ersten großen Ultraschall-Untersuchung ein Aufklärungsgespräch zu führen. Es soll klären, ob die werdenden Eltern überhaupt Ultraschall-Untersuchungen wünschen und ob sie beim zweiten Ultraschalltermin ein erweitertes Screening möchten. Beim erweiterten Screening führt die Ärztin nicht nur die normalen Messungen durch, sondern sucht auch nach Auffälligkeiten wie etwa Fehlbildungen. So soll die Grenze zwischen normalem Ultraschall und Pränataldiagnostik deutlicher gezogen werden. Auch das Recht der Eltern auf Nichtwissen soll so gestärkt werden.
 
Folgende Ultraschall-Untersuchungen sind vorgesehen:

  • In der neunten bis 12. Woche prüft der Arzt, ob das Alter der Schwangerschaft stimmen kann, berechnet noch einmal den Geburtstermin und macht einen Nackentransparenz-Test. Bei der Prüfung der Nackenfalte wird kontrolliert, ob sich unter der Haut im Nacken des Ungeborenen Flüssigkeit angesammelt hat. Neben des Chromosomen-Tests kann eine verdickte Nackenfalte auf verschiedene Chromosomen-Abweichungen und auf Herzfehler hindeuten. Ebenso ein verkürztes Nasenbein. Auch hierauf achtet die Ärztin.
     
  • In der 19. bis 22. Woche folgt die zweite Ultraschall-Untersuchung: Ist das Ungeborene normal entwickelt und vital? Sind Mehrlinge unterwegs? Wächst das Baby richtig? Dafür untersucht der Arzt die Größe des Kopfes und des Bauches, aber auch des Oberschenkelknochens. Zudem wird die Menge des Fruchtwassers und die Lage der Plazenta kontrolliert.
     
  • Gegen Ende der Schwangerschaft, in der 29. bis 32. Woche, werden die inneren Organe angeschaut – Herz, Nieren, Gehirn: Hat sich alles richtig entwickelt? Bei diesem Termin werden auch Größe, Gewicht und Kopfumfang des Babys für die Geburt berechnet. Der Arzt überzeugt sich, dass nicht zu viel oder zu wenig Fruchtwasser vorhanden ist.

Ist das Baby zu klein für sein Alter, kann mit Doppler-Ultraschall genau geprüft werden, ob das Ungeborene noch gut versorgt wird. In manchen Zentren gibt es auch noch den 3D-Ultraschall. Die Diagnose bestimmter Entwicklungsstörungen wird damit leichter.

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Vorsorgeuntersuchung: Warum ist das Blut so wichtig?

Dein Blut wird mindestens bei der ersten Vorsorgeuntersuchung entnommen. Warum? Weil es Aufschluss über viele wichtige Informationen gibt. Zwei Vorgänge sind besonders wichtig:

  1. Die Blutuntersuchung: Meist entnimmt dein Arzt schon bei der ersten Vorsorgeuntersuchung Blut aus deiner Armvene. Damit bestimmt er nicht nur deine Blutgruppe und den Rhesusfaktor (wegen einer möglichen Unverträglichkeit), sondern auch Hormon- und Eiweißwerte. Zusätzlich wird dein Blut auf zahlreiche Krankheiten untersucht, darunter die Abwehrkraft gegen Röteln und Toxoplasmose – Infektionskrankheiten, die das Ungeborene schädigen können. Auch wird der Eisengehalt des Blutes errechnet. Denn der ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das wachsende Baby genug Sauerstoff bekommt. Notfalls muss mit Eisentabletten ausgeglichen werden. Wird dafür Blut nach der 12. Schwangerschaftswoche abgenommen, spricht man vom Zweittrimester-Bluttest.
     
  2. Die Blutdruck-Messungen: Bei jeder Vorsorgeuntersuchung prüft die Arzthelferin den Blutdruck. Ist er normal? Sind die Werte zu hoch, könnte das ein Anzeichen für eine Präeklampsie sein. Diese früher auch als Gestose bezeichnete Krankheit kann für Mutter und Kind gleichermaßen gefährlich werden. Die Ärztin wird nach den Ursachen suchen und eventuell behandeln.

Welche Rolle spielt Urin bei der Vorsorgeuntersuchung?

Zu Beginn der Schwangerschaft finden die Vorsorgeuntersuchungen monatlich statt. Ab der 32. Schwangerschaftswoche sind sie dann vierzehntägig vorgesehen. Dabei wird regelmäßig ein Urintest vorgenommen. Bei jeder Urin-Untersuchung kontrolliert das Labor unter anderem folgende Werte:

  • Eiweiß (als Anzeichen einer Präeklampsie)
  • Zucker (aufgrund der Gefahr einer Schwangerschaftsdiabetes)
  • Harnsedimente
  • Chlamydien

Zudem wird der Urin auf Leukozyten getestet. Sie geben Aufschluss über eine mögliche Blasen-, Nieren- oder Harnwegsentzündung.

Was passiert beim Ersttrimester-Screening?

Schwangere liegt beim Arzt auf der Liege und kriegt Blut abgenommen
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Das Ersttrimester-Screening ist eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) und wird nicht von der Krankenkasse übernommen. Üblicherweise schlägt deine Gynäkologin das Screening zwischen der zehnten und 14. Schwangerschaftswoche vor. Dann kannst du entscheiden, ob du die Leistung wahrnehmen willst oder nicht. Möchtest du sie in Anspruch nehmen, kommen Kosten zwischen 120 und 200 Euro auf dich zu.

Zwei Tests werden beim Ersttrimester-Screening durchgeführt:

  1. Der Bluttest: Hier werden zwei Werte gemessen. Zum einen der Wert des Hormons HCG (Humanes Choriongonadotropin), dessen Erhöhung ein Hinweis auf eine Chromosomen-Störung beim ungeborenen Baby sein kann. Und als zweites den PAPP-A-Wert. Das in der Plazenta gebildete Eiweiß PAPP-A (pregnancy-associated plasma protein A) kann bei einem niedrigen Wert ebenfalls ein Hinweis auf eine Chromosomen-Abweichung sein.
     
  2. Der Nackentransparenz-Test: Mit einer Ultraschall-Untersuchung wird der Nackenbereich des Kindes untersucht und kontrolliert, ob sich unter der Haut Flüssigkeit angesammelt hat. Eine verdickte Nackenfalte kann auf verschiedene Chromosomen-Abweichungen oder auf einen Herzfehler hindeuten.

Eine der bekanntesten Chromosomen-Abweichungen ist die Trisomie-21 (Down-Syndrom), bei der das Chromosom 21 dreimal statt nur zweimal vorhanden ist.

Blutprobenröhrechen liegen auf einem Blatt Papier beim Arzt
iStock, Kubra Cavus

Was können genetische Bluttests auf Trisomien?
Frauen, deren Blutwerte beim Ersttrimester-Screening ein auffälliges Ergebnis aufweisen, gelten als Risikogruppe. Ihnen bietet der Arzt häufig einen sogenannten Nicht-invasiven (nicht eingreifenden) Pränataltest (NIPT) an. Bei diesem weiteren Bluttest wird das Blut der Mutter auf Spuren des kindlichen Erbguts untersucht. Lassen sich beispielsweise übermäßig viele Teile der Chromosomen 21, 18 oder 13 finden, kann damit bestimmt werden, dass die jeweiligen Chromosomen dreifach vorhanden sind und damit eine Trisomie vorliegt.

Ärzte können Chromosomen-Abweichungen mit diesem Bluttest sehr genau erkennen. Für die Trisomie-21 liegt die Erkennungsrate sogar bei über 99 Prozent. Dabei sind drei verschiedene Befunde möglich:

  • Niedriges Risiko: Hierbei kann eine Chromosomen-Abweichung nahezu ausgeschlossen werden.
  • Hohes Risiko: Bei diesem Befund hat das Kind in neun von zehn Fällen eine Chromosomen-Abweichung.
  • Unklarer Befund: Bei zwei bis sechs von 100 Frauen kann der Test kein eindeutiges Ergebnis liefern. Dann kann die Ärztin den Test mit einer neuen Blutprobe wiederholen.

Eines gilt es zu bedenken: Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Sowohl falsch-positive als auch falsch-negative Befunde sind möglich. Falsch-negativen Befunde erkennen die Chromosomen-Abweichung nicht, falsch-positive Befunde stellen eine Chromosomen-Abweichung fest, obwohl keine vorliegt. Deshalb wird hier zur Absicherung häufig eine Fruchtwasser-Untersuchung oder eine Plazenta-Punktion empfohlen.

Ebenfalls wichtig bei der Vorsorgeuntersuchung: Die Herzton-Kontrolle

Ab der siebten Schwangerschaftswoche sind die Herztöne deines Babys sicht- und hörbar. Der Rhythmus und die Zahl der Schläge pro Minute geben Hinweise, ob es dem Ungeborenen gut geht. Für die meisten Eltern ist das Hören des Herzschlags ihres Babys ein magischer Moment. Und keine Sorge wegen der Geschwindigkeit des Herzschlags, das kleine Herzchen muss so schnell schlagen. Gegen Ende der Schwangerschaft wird die werdende Mutter dann bei den Vorsorgeterminen mit dem CTG – dem Herzton-Wehenschreiber – untersucht.

Quellen:
Familienplanung
Frauenärzte im Netz
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.