5 Frauen berichten
 
"Wieso ich die Pille abgesetzt habe – und wie's war"

Du spielst mit dem Gedanken, die Pille abzusetzen? Hier berichten Frauen, die es bereits hinter sich haben, von ihren persönlichen Erfahrungen. Sie haben die Pille aus ganz verschiedenen Gründen abgesetzt – und lernten ihren Körper ganz neu kennen.

Antibabypille
iStock, Rattankun Thongbun
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Früher galt sie als Zeichen der Emanzipation. Heute wiederum stellt das Absetzen der Anti-Baby-Pille für viele Frauen gar einen Befreiungsakt dar. Sie wollen sich frei machen – frei von der Verantwortung, die Verhütung allein zu regeln, davon, Nebenwirkungen zu billigen und frei von den Hormonen, die einem vorgaukeln, schwanger zu sein.

Pille, Spirale, Kondom und Co. – die (Aus-)Wahl des richtigen Verhütungsmittel ist heutzutage groß und nicht immer einfach. Was für einen passt, bereitet dem anderen buchstäblich Bauchschmerzen. Letztendlich ist Verhütung also hoch individuell – und doch lässt sich ein Abwärtstrend in puncto Pille beobachten.

2011 galt die Anti-Baby-Pille noch für 52 Prozent der Erwachsenen als wichtigstes Verhütungsmittel – 2018 nur noch für 46 Prozent. Und auch wer sich in seinem Bekanntenkreis umschaut, wird die klingelnden Handywecker, gefolgt vom Griff in die Handtasche und routiniertem Aufbrechen der Pillenpackung doch deutlich seltener beobachten.

Auch in unserer Redaktion haben sich innerhalb der letzten Jahre viele Frauen entschieden, die Pille abzusetzen. Hier berichten wir von unseren Erfahrungen – wieso wir uns von den Hormonen verabschiedet haben und wie unser Körper das so fand. Denn eins ist klar: Auch das Absetzen der Pille geht nicht spurlos an uns vorüber.

Wir haben die Pille abgesetzt – 5 Frauen und ihre Erfahrungen

In diesem Artikel findest du also rein persönliche Erfahrungsberichte – was medizinisch im Körper passiert und du wissen solltest, wenn du die Pille absetzen musst, haben wir hier für dich zusammengefasst.

Ich finde es spannend, meinen Zyklus neu kennenzulernen

"Ich habe die Pille knapp 10 Jahre ganz selbstverständlich genommen, das machte man ab einem gewissen Alter einfach, so kam es mir vor. Dann kamen immer mehr Studien zu den Nebenwirkungen, insbesondere was Thrombosen angeht, hoch und ich fühlte mich nicht mehr wohl. Es war eher ein schleichender Prozess von der Pille zur Minipille bis ich sie ganz abgesetzt habe. Heute bin ich unglaublich froh darüber. Ja, ich habe stärker meine Tage, bekomme mal Hautunreinheiten und PMS klopft auch gern an. Aber: Ich bin emotional deutlich stabiler. Ich habe wirklich das Gefühl, unter der Pille ein ganz anderer Mensch gewesen zu sein, wie gedrosselt. Gleichzeitig finde ich es spannend, meinen Zyklus nochmal neu kennenzulernen – man nähert sich dem Körper irgendwie an. Das mag ich."

Wieso ich weiß, dass ich während meines Eisprungs so unreine Haut habe? Weil ich jetzt meinen Eisprung tatsächlich spüre

"Weil ich ein dauerhaftes Spannungsgefühl in meinen Brüsten hatte, riet mir meine Frauenärztin die Pille mal abzusetzen. Bis zu dem Zeitpunkt habe ich die Pille fast 15 Jahre durchgehend genommen. Im Nachhinein finde ich das krass lange, aber ich bin eben einfach immer gut damit klar gekommen und hatte keinerlei Beschwerden. Ich hatte tatsächlich auch ein bisschen Angst vor dem Absetzen, weil Freundinnen von mir Horrorgeschichten mit schlimmer Akne und noch schlimmeren Stimmungsschwankungen durchmachen mussten oder monatelang ihre Periode nicht bekommen haben.

Und tatsächlich – fast all das durfte ich auch durchmachen: ich habe selbst sechs Monate nach dem Absetzen noch mit einem sehr unregelmäßigen Zyklus und sehr unreiner Haut während meines Eisprungs zu kämpfen. Wieso ich weiß, dass ich während meines Eisprungs so unreine Haut habe? Weil ich jetzt meinen Eisprung spüre. Auch sonst merke ich alles stärker: Die Krämpfe während der Periode sind oft nur mit Schmerzmitteln zu ertragen und ich habe viel stärkere Blutungen. Ich will all das die nächsten Monate noch beobachten und beim nächsten Vorsorgetermin mit meiner Frauenärztin meine Erfahrungen besprechen. Auch wenn vieles seit dem Absetzen der Pille anstrengend ist, ich finde es heftig, dass dieses Medikament anscheinend meine körperlichen Reaktionen bisher unterdrückt hat. Als Verhütungsmethode kommt die Pille für mich nicht mehr infrage und ich hätte mir gewünscht, schon früher über Alternativen nachgedacht zu haben – oder eben auch von Ärztinnen proaktiv darauf angesprochen worden zu sein.“

Ich habe die Pille vor 4 Jahren abgesetzt. Heute bin ich viel ausgeglichener und fühle mich nicht fremdbestimmt

"Ich habe die Pille vor 4 Jahren abgesetzt und bin sehr froh über diese Entscheidung! Eine hormonelle Verhütungsmethode kann bei vielen Frauen auch auf die Stimmung drücken – das war bei mir auch der Fall! Mit der Pille war ich viel emotionaler, hatte meine Gefühle manchmal nicht gut unter Kontrolle und fing schneller an zu weinen. Heute bin ich viel ausgeglichener und fühle mich nicht fremdbestimmt."

Ich fand den Gedanken gruselig, meinem Körper Non-Stop eine Schwangerschaft vorzugaukeln

"Ich hab schon vor Jahren die Pille abgesetzt, weil ich den Gedanken gruselig fand, meinem Körper Non-Stop eine Schwangerschaft vorzugaukeln (das ist doch im Grunde mehr als absurd und schon der gesunde Menschenverstand müsste da rebellieren). Mir ging es danach auch viel besser: Weniger Kopfschmerzen, weniger infektanfällig und ich hab mich insgesamt fitter gefühlt. Klar, die Regel wurde wieder schmerzhafter, aber das kann ich verkraften, denn wenigstens greife ich nicht mehr Monat für Monat in den natürlichen Mechanismus meines Körpers ein."

Ernsthaft, wo bleibt die Pille für den Mann?

"Die Frage, warum ich die Pille abgesetzt habe, ist einfach zu beantworten: Ich wollte schwanger werden. Die Frage, warum ich sie danach nicht wieder nehmen wollte, ist komplizierter. Oder eigentlich auch nicht: Ich will meinem Körper das schlicht und ergreifend nicht mehr antun. Es sind und bleiben künstliche Hormone und auch wenn die Anti-Baby-Pille sicher ein unglaublicher Durchbruch war, lastet sie doch einzig auf dem Körper der Frau, während sich der Mann entspannt zurücklehnen kann und kein Thema mit Stimmungsschwankungen, Gewichtsschwankungen, Pickeln, Thrombose, einem erhöhten Krebsrisiko oder den diversen anderen Nebenwirkungen hat. Warum soll Verhütung Frauensache sein? Weil wir es sind, die auch schwanger werden? Die die Geburt ertragen müssen? Ernsthaft, wo bleibt die Pille für den Mann?"

Dieser Artikel ist zuerst erschienen bei BRIGITTE.de.

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