Fehlgeburt
 
Windei und Blasenmole – Ursachen, Symptome und Therapie

Der Schwangerschaftstest ist positiv und dennoch wächst kein gesundes Baby heran: Die Diagnosen Windei und Blasenmole enden mit einer Fehlgeburt. Wir erklären euch, welche Ursachen dahinterstecken und was das für eine weitere Schwangerschaft bedeutet.

Fehlgeburt: Windei und Blasenmole – Ursachen, Symptome und Therapie
iStock, AndreyPopov

Was ist ein Windei?

Das sogenannte Windei ist eine Anlage, die sich schon im frühen Stadium der Schwangerschaft nicht weiterentwickelt. Sie wird in der Medizin auch als Abortivei bezeichnet. Es handelt sich um eine Einnistungsstörung (auch Nidationsstörung), die letztlich in einer frühen Fehlgeburt endet. Äußerlich verläuft die Schwangerschaft in den ersten Wochen unauffällig. Die Eizelle wird durch ein Spermium befruchtet und wandert in die Gebärmutter. Dort nistet sie sich in die Gebärmutterschleimhaut ein (Nidation). Die Zellen teilen sich weiter und es bilden sich Plazenta und Fruchthöhle. Auch die Produktion des Schwangerschaftshormons HCG beginnt nun. Daher fällt auch dein Schwangerschaftstest positiv aus. Handelt es sich bei deiner Schwangerschaft um ein Windei, wächst der Embryo nun entweder nicht weiter oder die Entwicklung stoppt schon nach kurzer Zeit. Im Ultraschallbild ist der wenige Millimeter große Embryo nicht zu erkennen. Es zeigt sich eine leere Fruchthöhle. Zu solch einem Abortivei kommt es bei jeder 20. Einnistung.
Ein Windei wird häufig auch als Scheinschwangerschaft bezeichnet. Das ist allerdings nicht richtig, da sich ja Fruchthöhle und Plazenta entwickeln. Das ist bei einer psychisch verursachten Scheinschwangerschaft nicht der Fall.

Was ist eine Blasenmole?

Bei einer Blasenmole kommt es schon während der Befruchtung der Eizelle zu einem Problem. Eine Fehlverteilung der Chromosomen führt dazu, dass die Zellen, die eigentlich die Plazenta und die spätere Fruchtblase bilden sollten (Trophoblasten), unkontrolliert wuchern. Die Zellen, die zum Embryo heranreifen sollten (Embryoblasten), sind entweder gar nicht vorhanden (vollständige Blasenmole, komplette Blasenmole) oder sie haben einen fehlerhaften Chromosomensatz (partielle Blasenmole). Selbst wenn sich aus dieser Anlage ein Embryo entwickelt, wird er genetisch schwer geschädigt sein. Anders als ein Windei ist eine Blasenmole eine sehr seltene Schwangerschaftskomplikation. Sie entwickelt sich nur in einer von tausend Schwangerschaften. In der Medizin wird sie auch Mola hydatidosa genannt. Sie gehört zu den schwangerschaftsbedingten Trophoblasterkrankungen. Aus ungeklärter Ursache tragen Asiatinnen ein etwas größeres Risiko. Auch Frauen, die schon eine Fehlgeburt erlitten haben oder die jünger als 17 oder älter als 35 Jahre sind, bekommen die Diagnose häufiger.
Im Folgenden erklären wir zunächst die Ursachen, Symptome und Behandlung eines Windeis. Dann fassen wir die wichtigsten Informationen für die Diagnose Blasenmole für euch zusammen.

Ursachen: Wie entsteht ein Windei?

Bei der Mehrzahl der Fälle scheint es sich um Fehlverteilungen der Chromosomen zu handeln. Das ergab eine Studie, die 2007 an der kalifornischen Stanford-Universität durchgeführt wurde. Zwei Drittel der untersuchten Abortiveier hatten zusätzliche oder fehlende Chromosomen. Als weitere mögliche Ursachen werden genannt:

  • Störung der Zottengefäße, die dadurch das Ei nicht ausreichend versorgen können
  • Sauerstoffmangel
  • genetisch bedingte Schäden
  • Vergiftungen
  • Krankheiten 

Die Medizin geht davon aus, dass diese Embryonen in der großen Mehrheit der Fälle nicht überlebensfähig gewesen wären. Die natürliche Selektion hat dafür gesorgt, dass sie sich nicht weiterentwickeln. 
Wichtig: Ein Windei ist eine Laune der Natur, für die niemand die Verantwortung trägt, auch du nicht! Jede Frau kann aus diesem Grund eine frühe Fehlgeburt erleiden. Das Risiko steigt allerdings bei Frauen, die älter als 40 sind.

Symptome: Woran erkennt man ein Windei?

Du selbst kannst kaum feststellen, dass etwas nicht stimmt. Denn bei einem Windei reagiert dein Körper mit den gleichen Schwangerschaftsanzeichen wie bei einer normalen Schwangerschaft. Da der Körper HCG produziert, wirst du einen positiven Schwangerschaftstest haben. Auch Übelkeit, empfindliche Brüste und Heißhunger lassen vermuten, dass eine intakte Schwangerschaft vorliegt. Umso schlimmer ist dann die Diagnose des Arztes. Er kann bei der Ultraschalluntersuchung in der Frühschwangerschaft nur eine extrem kleine Schwangerschaftsanlage oder eine leere Fruchthöhle erkennen. Bei einer zweiten Ultraschall-Untersuchung wird er überprüfen, ob Gebärmutter und Fruchthöhle nicht weiterwachsen und außerdem den HCG-Spiegel messen. Ist kein regelmäßiger Anstieg zu verzeichnen und weiterhin kein Fötus mit einem Herzschlag zu sehen, ist die Diagnose Abortivei bestätigt.
 
Es kann auch vorkommen, dass der Arzt beim ersten Ultraschall zunächst von einer normalen Schwangerschaft ausgeht. Denn die Fruchthöhle ist ja intakt. In der 6. SSW könnte es sich also auch um ein sehr kleines Baby handeln. Erst in der 8. SSW kann dein Gynäkologe dann sicher sein, dass es ein Windei ist, da ein lebensfähiges Baby dann zweifelsfrei zu erkennen wäre. Es sei denn, es tritt der sehr seltene Fall ein, dass sich die Fruchthöhle an einer Stelle der Gebärmutter „versteckt“, die vom Ultraschall nur schlecht erfasst werden kann. Ein solcher „Eckenhocker“ offenbart sich dann nach ein bis zwei weiteren Wochen Wartezeit, obwohl zuvor von einem Abortivei ausgegangen wurde.

Behandlung: Wie wird die leere Fruchthülle entfernt?

Sehr häufig wirst du gar nicht bemerken, dass sich ein Windei entwickelt hatte. Denn oft wird es schon mit der nächsten Monatsblutung aus der Gebärmutter ausgeschwemmt (ovulärer Abort) und du wusstest gar nichts von der Schwangerschaft. Eine solch frühe Fehlgeburt führen viele Frauen dann auf Zyklusunregelmäßigkeiten zurück. Damit erklären sie sich dann auch Schmerzen und einen schaumig-blutigen Ausfluss, die dabei auftreten können. Ist die Schwangerschaftsanlage noch in der Gebärmutter, gibt es normalerweise zwei Möglichkeiten.

  1. Abwarten, bis der Körper sie von selbst mit der nächsten Blutung abstößt (natürliche Fehlgeburt). Sie kann mit Bauchkrämpfen einhergehen, wie du sie vielleicht von einer starken Regelblutung kennst. Die Blutungen können bis zu zwei Wochen dauern. Dabei können Gewebereste im Uterus zurückbleiben.
  2. Die ärztlich verordnete Einnahme von Medikamenten, die den Uterus anregen, seinen Inhalt abzustoßen.
  3. Eine Ausschabung (Abrasio), bei der die Gebärmutterschleimhaut und die Einnistung vorsichtig abgetragen werden. Eine vorhandene Blutung kann so meist gestoppt werden und die Infektionsgefahr sinkt.

Besprich die für dich beste Behandlung bitte in Ruhe mit deinem Arzt.

Prognose: Wieder schwanger werden nach einem Windei?

Nach einer Ausschabung oder einer natürlichen Fehlgeburt werden deine Schwangerschaftsanzeichen zurückgehen. Auch der HCG-Wert wird sich wieder einpendeln und die Gebärmutterschleimhaut normalisiert sich. Hast du dich körperlich erholt und hat sich deine Periode wieder eingestellt, spricht nichts gegen eine erneute Schwangerschaft. Deine Chancen auf ein gesundes Baby sind nicht geringer als zuvor. Hattest du allerdings schon mehrere Fehlgeburten, wird dein Arzt dir zu weiteren Tests raten, um den Ursachen auf den Grund gehen. 
Übrigens: Nach der Ausschabung ist der Muttermund noch leicht geöffnet. Um dich vor Keimen zu schützen, solltest du drei bis vier Wochen nach dem Eingriff auf Tampons und Geschlechtsverkehr verzichten. Auch Schwimmen, Baden, Saunabesuche und Sport solltest du noch etwas aufschieben.

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Ursachen: Wie entsteht eine Blasenmole?

Normalerweise bilden die beiden einfachen Chromosomensätze von Ei und Spermium zusammen einen neuen doppelten Chromosomensatz. Aus diesen 46 Chromosomen formt sich das neue Leben. Kommt es zu einer Blasenmole, liegt die Ursache dafür in einer Fehlverteilung der Chromosomen. Die Folge sind Wucherungen des Gewebes, aus dem sich eigentlich die Plazenta entwickeln sollte. Es treten zwei Formen auf:

1. Vollständige Blasenmole
In diesem Fall trägt die befruchtete Eizelle keine mütterlichen Chromosomen. Nur die väterlichen Chromosomen verdoppeln sich. Aus diesem Chromosomensatz entwickeln sich in der Folge kein Embryo und keine Fruchtblase. Das Gewebe, aus dem der Mutterkuchen entstehen sollte, der Trophoblast, bildet stattdessen eine Zellwucherung. Da diese Bläschen aussehen wie viele kleine Trauben, spricht man auch von einer Traubenmole. Im Ultraschallbild sind sie gut zu erkennen.

2. Partialmole
Bei dieser Unterform hat die befruchtete Eizelle zwar die 23 Chromosomen der Mutter, bekommt aber einen doppelten Chromosomensatz vom Vater. Das geschieht, wenn zwei Spermien eine Eizelle befruchten, oder sich die Chromosomen der Samenzelle verdoppeln. Bei einer Partialmole wachsen Plazenta und Embryo. Allerdings ist er genetisch schwer geschädigt und wird sich nicht zu einem gesunden Baby entwickeln.

Symptome: Woran erkennt man eine Blasenmole?

Durch das schnelle Wachstum des Mutterkuchens kommt es zu zahlreichen Beschwerden, die normalerweise stärker sind als die normalen Schwangerschaftsanzeichen:

  • schnelle Schwellung des Bauches
  • starker Schindel
  • starke Übelkeit in Folge hoher HCG-Spiegel (Schwangerschaftshormon)
  • Erbrechen
  • vaginale Blutungen (Stärke und Farbe sind unterschiedlich)

Eine vollständige Blasenmole lässt sich in der Frühschwangerschaft bei einer Ultraschalluntersuchung erkennen. Zusätzlich wird der HCG-Wert bestimmt. Ein Teil der Mole kann auch zerfallen und durch die Scheide abgehen. Die Gewebefetzen ähneln kleinen Trauben. In diesem Fall solltest du sofort deinen Arzt aufsuchen.
Eine Partialmole ist schwerer zu diagnostizieren. Anzeichen können die schnell wachsende Gebärmutter, der stark erhöhte HCG-Wert sowie das Fehlen von Herztönen sein. Oft kann nur durch eine Gewebeuntersuchung nach einer Fehlgeburt festgestellt werden, ob diese Form einer Fehlanlage vorlag. Eine Blasenmole kann schwere Komplikationen nach sich ziehen. Dazu gehören Infektionen der Gebärmutter, extremer Blutdruck (hoch oder niedrig), erhöhte Eiweißwerte im Urin (Präeklampsie oder Eklampsie) sowie eine Blutvergiftung (Sepsis).

Behandlung: Wie wird eine Blasenmole entfernt?

Die Mole wird in einer kleinen OP entfernt. Unter Vollnarkose wird der Gebärmutterhals geweitet und mit einer Saugkürettage wird das wuchernde Gewebe entfernt. Im Anschluss ist es notwendig, sechs Monate lang regelmäßig Blutproben abzugeben. Dadurch wird sichergestellt, dass der HCG-Spiegel fällt. Das ist wiederum ein Zeichen dafür, dass kein Gewebe der Blasenmole mehr vorhanden ist. Andernfalls können kleinste Reste noch Wochen oder Monate nach dem chirurgischen Eingriff weiterwuchern und sich erneut ausbreiten.

Risiken: Verursacht eine Blasenmole Krebs?

80 Prozent der Blasenmolen sind gutartig. 20 Prozent dringen jedoch in umliegendes Gewebe ein. Dabei handelt es sich um die sogenannten invasiven Blasenmolen (Chorioadenoma destruens). In seltenen Fällen (2 bis 3 Prozent) können diese zu einem bösartigen Chorionkarzinom werden. Die Krebszellen können sich über das Lymphsystem und das Blut schnell auf andere Organe ausbreiten. Bei einer invasiven Blasenmole ist eine medikamentöse Behandlung (Chemotherapie) notwendig. Die verbliebenen Zellen werden so abgetötet. Wird schnell mit der Behandlung begonnen, ist eine invasive Blasenmole fast immer heilbar. Deine HCG-Werte müssen jedoch dein ganzes Leben lang kontrolliert werden.

Prognose: Wieder schwanger werden nach einer Blasenmole?

Dein Frauenarzt gibt dir sagen, wann ein neuer Versuch okay ist. Meist ist es notwendig, ein Jahr zu warten, bis der HCG-Wert seinen normalen Tiefstand erreicht hat. Nur so kann ein Anstieg des HCGs in einer neuen Schwangerschaft richtig gedeutet werden und es ist ausgeschlossen, dass zurückgebliebenes Gewebe erneut wuchert. Selbst nach einer Chemotherapie ist die Chance auf eine intakte Schwangerschaft dann in der Mehrzahl der Fälle ungetrübt. Das Risiko einer erneuten Fehlgeburt durch eine Blasenmole ist gering. Um eine zu frühe Schwangerschaft zu verhindern, solltet ihr verhüten. Kondome und Pille sind geeignet, eine Spirale nicht.

Bist du seelisch bereit für eine neue Schwangerschaft?

Ob Windei oder Blasenmole: Wenn du eine Fehlgeburt erleben musstest, hat dich das bestimmt nicht nur körperlich verletzt. Auch wenn medizinisch nichts mehr gegen eine neue Schwangerschaft spricht, solltest du gut auf dein Herz und deinen Bauch hören. Erst wenn du deine Trauer überwunden hast und dich von diesem Kind, was nie eine Chance hatte, verabschiedet hast, ist es Zeit, gemeinsam mit deinem Partner guter Hoffnung auf ein neues Leben zu sein.