Ernährung
 
Zimt in der Schwangerschaft: Wie viel ist erlaubt?

Löst die tägliche Zimtschnecke etwa Wehen aus? Spoiler: nein! Trotzdem solltest du mit dem Gewürz in der Schwangerschaft vorsichtig umgehen. Alles rund um Zimt in der Schwangerschaft erfährst du in diesem Artikel.

Schüssel mit Zimt und Zimtstangen
iStock, fcafotodigital
Auf einen Blick
Artikelinhalt
  • Der normale Verzehr von zimthaltigen Lebensmitteln gefährdet weder dich noch dein ungeborenes Baby.
  • Steht die Geburt kurz bevor, soll Zimt durch seine durchblutungsfördernde Wirkung Wehen anstoßen. Wissenschaftlich erwiesen ist diese Wirkung allerdings nicht.
  • Nahrungsergänzungsmittel auf Zimt-Basis können durch ihren hohen Cumaringehalt auf Dauer Leberschäden verursachen.
  • Wenn Du selbst mit Zimt backen willst, wähle echten Ceylon-Zimt. Sein Cumaringehalt ist unkritisch.

Von Gewürztee über Milchreis bis hin zum beliebten Franzbrötchen: Zimt steckt in vielen leckeren Dingen. Müssen Frauen während der Schwangerschaft etwa auf all diese Leckereien dem Baby zuliebe verzichten? Nein! Sollte eine Schwangere mit Zimt trotzdem vorsichtig sein? Ja!
 
Wie passt das nun zusammen? Ganz einfach: In üblichen Lebensmitteln wie Zimtschnecken und Milchreis ist Zimt durch den niedrigen Anteil für dich und dein Kind völlig unbedenklich. Anders sieht es mit zimthaltigen Nahrungsergänzungsmitteln aus. Dies liegt vor allem am Cumarin, was je nach Zimtsorte in mal stärkeren, mal schwächeren Mengen enthalten.

Was ist Cumarin?
Cumarin gehört zu den Aromastoffen und ist auf natürliche Weise in dem Gewürz enthalten. Er sorgt (mit anderen Aromen) für den typischen Geruch und Geschmack. In hohen Dosen ist Cumarin allerdings problematisch. Denn große Mengen (mehr als 0,1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht) können auf Dauer zu Leberschäden führen.

Wie viele Sorten Zimt gibt es?

Verschiedene Stangen Zimt
iStock, Geshas

Zimt lässt sich grob in zwei Sorten unterscheiden. Der teure, hochwertige Ceylon-Zimt und der günstige, minderwertige Cassia-Zimt. In Sachen Cumarin ist Ceylon-Zimt laut Stiftung Warentest unkritisch. In ihm ist der Aromastoff kaum enthalten.

Beim günstigen Cassia-Zimt sieht das anders aus. In einer Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung wurde bei diesem Gewürz bis zu 10.000 Milligramm Cumarin auf einem Kilogramm entdeckt. Durchschnittlich lag die Menge bei 4.000 Milligramm pro Kilogramm Zimt.

Muss ich Zimt in der Schwangerschaft meiden?

Selbstgemachte Zimstecken auf einem Gitter
iStock, Daniela Baumann

Ist damit die Zimtschnecke oder das Franzbrötchen für dich als Schwangere etwa tabu? Nein, denn laut europäischem Aromarecht sind die Grenzwerte für Cumarin in Lebensmitteln streng geregelt:

  • 50 Milligramm pro Kilogramm bei traditionellen oder saisonalen Backwaren wie der Zimtschnecke.
  • 20 Milligramm pro Kilogramm bei Frühstücksgetreideerzeugnissen wie Müsli.
  • 15 Milligramm pro Kilogramm bei feinen Backwaren wie Croissants oder Franzbrötchen.
  • 5 Milligramm pro Kilogramm bei Dessertspeisen wie Milchreis.

Wichtig zur Einschätzung dieser Grenzwerte:

  • Natürlich reizen die Backwaren-Hersteller diese gesetzlichen Höchstwerte nicht unbedingt aus.
  • Solche Höchstwerte sind so bemessen, dass auch bei wochenlangem täglichen Konsum kein Schaden zu erwarten ist.
  • Trotzdem: Eine gesetzlich vorgeschriebene Deklaration von Cumarin auf Verpackungen wäre wünschenswert.

Du musst also nicht direkt mit Leberschäden rechnen, solltest du bei Zimtschnecken und Co. mal über die Stränge geschlagen haben.

Sollte dein Heißhunger auf Zimt während der Schwangerschaft partout nicht nachlassen und du willst ganz auf Nummer sicher gehen, mach die Zimtschnecken, den Milchreis oder das Zimt-Müsli mit Ceylon-Zimt einfach selbst. Das hochwertige Gewürz ist in jedem gut sortierten Drogerie- und Supermarkt erhältlich und besitzt laut Verbraucherzentrale nur unkritische Mengen Cumarin. Dann kannst du nach Herzenslust und ohne schlechtes Gewissen naschen (vom Zuckergehalt mal abgesehen).

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Kann Zimt Wehen auslösen?

Nein, Zimt kann keine vorzeitigen Wehen auslösen, schon gar nicht in den minimalen Mengen, die in Lebensmitteln vorkommen. Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis. Da Zimt die Durchblutung im Beckenbereich – und damit auch in der Gebärmutter – anregt, wird er aber bei einer weit fortgeschrittenen Schwangerschaft von Hebammen gerne als Hausmittel genannt, um Wehen anzustoßen. Wohlgemerkt: wenn die Geburt kurz bevorsteht. Dann spricht nichts gegen einen Versuch. Schon 200 Gramm Zimtsterne oder 400 Milliliter Zimttee täglich sollen solch eine wehenanstoßende Wirkung haben.

Und was ist mit Zimtpräparaten in der Schwangerschaft?

Zimtkapseln als Nahrungsergänzung
iStock, Art Wager

Zimtkapseln und Zimt-Öle werden oft angepriesen, um Schwangerschaftsdiabetes vorzubeugen. In Zimtkapseln soll Cassia-Zimt in Kombination mit Zink und Chrom den Blutzuckerspiegel normalisieren. Hier ist aus mehreren Gründen Vorsicht geboten:

  1. Eine blutzuckersenkende Wirkung von Zimt ist nicht nachgewiesen.
  2. Die Zimtkonzentration in solchen Kapseln ist sehr hoch.
  3. Fast immer wird der besonders cumarinhaltige Cassia-Zimt verwendet.
  4. Da es sich um Nahrungsergänzungsmittel handelt, werden die Kapseln nicht so streng überprüft wie Medikamente.
  5. Gerade im Internet als Wundermittel angepriesene Nahrungsergänzungsmittel können darüber hinaus Verunreinigungen und andere Substanzen enthalten.

Extrakte, die einem Gramm Zimt pro Kapsel und mehr entsprechen, sind keine Seltenheit. Wer es mit diesen Kapseln zu gut meint, kann sich schnell überdosieren. Schwangere (und nicht nur die!) können auf Dauer schwere Leberschäden davontragen. Solltest du unter Schwangerschaftsdiabetes leiden, kann dies für dich und dein Kind sehr gefährlich werden. Versuche es nicht mit Selbstbehandlung, sondern suche bei Verdacht bitte umgehend deine Gynäkologin auf!

Zimt-Öle sind als Duft-Öle unbedenklich. Eingenommen sollen sie Übelkeit und Blähungen bekämpfen, bewirken oft aber genau das Gegenteil. Durch die hohe Konzentration an verschiedenen ätherischen Inhaltsstoffen können sie die Magenwände reizen und im schlimmsten Fall zu Magen- und Leberschäden führen. Deshalb solltest du von der oralen Einnahme von Zimt-Ölen absehen.

Quellen:
Verbraucherzentrale
Bundesinstitut für Risikobewertung
Gesundheitsinformation

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