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Schwangerschaft Zu wenig Fruchtwasser: Was tun bei einer Oligohydramnie?

Ultraschall-Untersuchung einer Schwangeren
© Serhii Bobyk, shutterstock
Wenn zu wenig Fruchtwasser in der Fruchtblase ist, sprechen Mediziner von einer Oligohydramnie (Oligohydramnion). Das Baby kann sich dann nicht so frei bewegen und ist möglicherweise auch in der Entwicklung eingeschränkt. Wir erklären, wie dein Arzt die Störung feststellt und welche Behandlungsoptionen es gibt.

Artikelinhalt

Auf einen Blick

  • Oligohydramnion oder Oligohydramnie bedeutet, dass zu wenig Fruchtwasser vorhanden ist.
  • Ein Oligohydramnion ist eine seltene Komplikation in der Schwangerschaft.
  • Die Diagnose kann nur dein Arzt / deine Ärztin sicher stellen.
  • Ein möglicher Hinweis ist ein Rückgang der Kindsbewegungen.
  • Zu wenig Fruchtwasser kann auf Dauer zu Fehlbildungen beim Kind führen.
  • Fehlendes Fruchtwasser kann durch Infusionen ausgeglichen werden.

Zu wenig Fruchtwasser – wie kann das passieren? Die Liste der möglichen Ursachen ist lang: Funktionsstörungen der kindlichen Nieren, Plazentainsuffizienz, Gendefekte des Fötus, vorzeitiger Blasensprung sind die häufigsten. Zum Glück kommt es aber selten vor: Nur 0,5 Prozent der Schwangeren haben im Laufe der Schwangerschaft zu wenig Fruchtwasser. Also nur eine von zweihundert Frauen. Und auch bei diesen Betroffenen muss die Ursache nicht zwangsläufig gefährlich für das Baby werden.

Fruchtwasser: Warum es so wichtig ist

Durch das Fruchtwasser wird dein Baby in der Fruchtblase vor schädlichen Einflüssen von außen geschützt. Das Fruchtwasser puffert kleine Stöße ab, hält warm, schützt vor Bakterien und sorgt dafür, dass sich der kleine Schwimmer frei bewegen kann. Das ist wichtig für die Entwicklung von Skelett und Organen des Fötus, aber auch für das Training der Muskeln und Reflexe. Je größer das Baby wird, desto mehr Fruchtwasser wird im Normalfall auch gebildet. Zwischen 1000 und 1500 Milliliter Fruchtwasser befinden sich im Schnitt in der 36. Schwangerschaftswoche in der Fruchtblase. Zum Geburtstermin hin sinkt es dann wieder.

In der frühen Schwangerschaft wird das Fruchtwasser hauptsächlich von der Plazenta produziert. In der 12. Schwangerschaftswoche sind gerade mal 40 bis 50 Milliliter Fruchtwasser notwendig, damit der kleine Embryo in der Fruchtblase unter idealen Bedingungen wachsen kann. Wenn der Fötus dann ab der 14. SSW beginnt, sein eigenes Fruchtwasser zu trinken und, durch die Nieren gefiltert, wieder auszuscheiden, wird seine eigene Rolle in diesem stetigen Erneuerungsprozess immer wichtiger. Auch die Lungen deines Babys sind an diesem steten Austausch beteiligt. Sie trainieren die spätere Sauerstoffatmung bis zur Geburt mit Fruchtwasser. Der größte Teil des neuen Fruchtwassers wird vom Amnion produziert. Das ist die innere Haut der Fruchtblase.

Sind die Austauschvorgänge zur Regulierung der Fruchtwassermenge gestört, kann es sein, dass du zu viel Fruchtwasser (Polyhydramnie) oder zu wenig Fruchtwasser (Oligohydramnie) hast. Beides kommt nur selten vor.

Was ist ein Oligohydramnion und wo liegen die Ursachen?

Von einem Oligohydramnion (auch Oligohydramnie) spricht dein Arzt, wenn sich in der Fruchtblase zu wenig Fruchtwasser befindet. Was zu wenig ist, legen verschiedene Tabellen fest und ist natürlich von der jeweiligen Schwangerschaftswoche abhängig. Beim sogenannten Fruchtwasserindex sind Werte unter fünf Zentimetern bedenklich (siehe unten). Die Ursachen einer Oligohydramnie können sowohl bei deinem Baby als auch bei dir liegen. Schließlich seid ihr beide am Prozess der Fruchtwasser-Produktion und -Erneuerung beteiligt.
Ursachen beim Baby:

  • Störung der kindlichen Nierenfunktion
  • Anomalien der Harnröhre
  • zu geringes Wachstum des Fötus
  • Bluthochdruck
  • Gen-Defekte

Ursachen bei der Mutter:

  • Plazentainsuffizienz (Funktionsschwäche des Mutterkuchens, z.B. infolge einer Verkalkung gegen Ende der Schwangerschaft)
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • vorzeitiger Blasensprung (z.B. infolge einer Infektion)
  • zu geringe Flüssigkeitszufuhr (wenn Mama zu wenig trinkt, leidet der gesamte Körper unter dem Flüssigkeitsmangel, auch die Fruchtwassermenge)

Bei Mehrlingsschwangerschaften kann in seltenen Fällen auch ein Transfusionssyndrom auftreten. Davon spricht man, wenn sich eineiige Zwillinge in separaten Fruchtblasen befinden und diese durch eine einzelne Plazenta unterschiedlich mit Fruchtwasser und Blut versorgt werden.
Einige Ursachen lassen sich gut diagnostizieren. Allerdings kommt es auch vor, dass kein eindeutiger Auslöser der zu geringen Fruchtwassermenge festgestellt wird.

Wie erkennt ihr ein Oligohydramnion?

Schwangere betrachtet Ultraschallfoto ihres Babys
© Natalia Deriabina, shutterstock

Du selbst kannst normalerweise nicht spüren, ob du zu wenig Fruchtwasser hast. Indirekt kann aber ein Rückgang der Kindsbewegungen darauf hindeuten. Der kann allerdings auch viele andere Ursachen haben. Insofern kann eine Oligohydramnie nur von deinem Frauenarzt festgestellt werden. Er wird bei den Vorsorgeuntersuchungen darauf achten, ob die Fruchtwassermenge deiner Schwangerschaftswoche angemessen ist. Ein erfahrener Geburtsmediziner kann das mit einem Blick auf den Ultraschall erkennen. Hat er einen Verdacht, helfen genauere Messungen und deren Bewertung anhand unterschiedlicher Tabellen.

Beim sogenannten Fruchtwasser- oder Amnionflüssigkeitindex (AFI) wird die Gebärmutter beim Ultraschall in vier Quadranten geteilt. In jedem Teil wird die Tiefe des größten Flüssigkeitsdepots gemessen. Zum Schluss werden die Werte zusammengezählt. Eine Tabelle zeigt, welche Grenzwerte für deine Schwangerschaftswoche gelten. Ist der AFI-Wert kleiner als 5 cm, hast du zu wenig Fruchtwasser.

Der AFI-Wert wird nicht bei jeder Schwangeren genommen. Dein Arzt wird die Fruchtwassermenge nur genauer messen, wenn er einen Verdacht hat, dass zu wenig oder zu viel (Polyhydramnion) Fruchtwasser in der Fruchtblase ist, wenn Vorerkrankungen vorliegen, die Kindsbewegungen stark zurückgegangen sind oder du schon ein Baby geboren hast, dass sehr klein war. Wenn du selbst das Gefühl hast, dass etwas mit der Flüssigkeitsmenge nicht stimmt, solltest du deinen Arzt bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung darauf ansprechen.

Was bedeutet zu wenig Fruchtwasser für Mutter und Kind?

Zu wenig Fruchtwasser bedeutet weniger Schutz vor äußeren Einflüssen und weniger Bewegungsfreiheit. Das Ungeborene braucht das Fruchtwasser, um sich zu drehen, seine Arme und Beine auszuprobieren, zu greifen und zu strampeln. Kann der Fötus das nicht, bzw. nur eingeschränkt, hat das Folgen für seine Entwicklung. Allerdings kommt es auch darauf am, wie viel Fruchtwasser in Bezug auf den Normalwert fehlt. Während eine geringe Abweichung auch ganz ohne negative Auswirkungen für das Baby bleiben kann, sind große Abweichungen möglicherweise gefährlich.

Mögliche Folgen einer Oligohydramnie für das Kind:

  • Die Bildung von Verwachsungssträngen. Der Fötus verwächst teilweise mit den inneren Eihäuten. Das kann zu Fehlbildungen der Gliedmaßen führen.
  • Eine zu geringe Stimulation der Lungenfunktion
  • Ein größeres Risiko, dass die Nabelschnur eingeklemmt wird. Die Quetschung kann eine mangelhafte Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen zur Folge haben. Auch ein stressbedingter verfrühter Mekoniumabgang (dabei entleert sich der Darm des Ungeborenen) und ein Einatmen des Kindspechs mit dem Fruchtwasser ist möglich (Mekoniumaspiration).
  • Ein zu geringes Geburtsgewicht des Babys
  • Das Baby kann in den letzten SSWs Schwierigkeiten haben, eine optimale Geburtsposition einzunehmen.
  • Zu wenig Fruchtwasser erhöht den Stress des Babys bei der Geburt.
  • Höheres Risiko einer Früh- oder Totgeburt, wenn eine Plazentainsuffizienz die Ursache für die geringe Fruchtwassermenge ist.

Wie sieht die Behandlung einer Polyhydramnie aus?

Die konkrete Behandlung richtet sich nach der Diagnose. Erst wenn die Ursache für die geringe Fruchtwassermenge geklärt ist, wird deine Ärztin entscheiden, was zu tun ist. In vielen Fällen wirst du lediglich engmaschiger beobachtet und die Fruchtwassermenge wird regelmäßig gemessen. Auch eine Infusion mit einer fruchtwasserähnlichen Lösung ist eine mögliche Behandlung. Befindest du dich schon am Ende der Schwangerschaft, werden Hebamme und Gynäkologe mit dir auch über die Option reden, die Geburt vorzeitig einzuleiten oder einen geplanten Kaiserschnitt vorzunehmen.
Die Forschung ist sich noch nicht sicher, ob es hilft, wenn die Mutter mehr trinkt. Zwar konnte in einer Meta-Studie von britischen und südafrikanischen Forschern nachgewiesen werden, dass die Fruchtwassermenge durch vermehrte Flüssigkeitszufuhr steigt. Aussagen darüber, ob sich dies positiv auf das Baby auswirkt, ließen die Daten allerdings nicht zu.
Tipp: Trinken schadet in jedem Fall nicht. Insofern gilt in der Schwangerschaft immer, dass es gut ist, wenn du ausreichend möglichst ungesüßteFlüssigkeit zu dir nimmst.

Verwendete Quellen

Amboss.de: Fachwissen für Mediziner im ärztlichen Alltag und Studium: Fruchtwasseranomalien
Frauenheilkunde aktuell: Das Fruchtwasser
Cochrane.org: Flüssigkeitsaufnahme durch die Mutter, um die Menge des Fruchtwassers zu erhöhen, wenn diese zu gering (Oligohydramnios) oder normal ist

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