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Zuckertest in der Schwangerschaft So schützt du dich und dein Baby vor Schwangerschaftsdiabetes

Zuckertest Schwangerschaft: Schwangere Frau trinkt
© Olga Rolenko / Shutterstock
Der Zuckertest in der Schwangerschaft ist eine wichtige Vorsorgeuntersuchung. Hier erfährst du, wann er gemacht wird, wie er abläuft und was ein positives Ergebnis für dich und dein Baby bedeutet.

Zu Beginn des dritten Trimesters steht ein Zuckertest im Vorsorgekalender. Er ist wichtig, um einen Schwangerschaftsdiabetes auszuschließen. Weist der so genannte kleine Zuckertest auf diese Schwangerschaftskomplikation hin, macht deine Ärzti:in einen weiteren Test. Denn der sogenannte Glukosetoleranztest ist noch genauer. Wir erklären, wie beide Tests ablaufen und welche Werte nicht überschritten werden sollten.

Was ist ein Zuckertest?

Ein Zuckertest ist Teil der Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft. Er soll klären, ob du einen sogenannte Schwangerschaftsdiabetes (auch: Gestationsdiabetes) entwickelt hast, also eine Zuckerkrankheit, die nur in der Schwangerschaft vorkommt. Meistens tritt er zwischen der 24. und 28. SSW auf. Etwa sechs Prozent der Schwangeren sind davon betroffen. Damit gilt Gestationsdiabetes als eine der häufigsten Schwangerschaftskomplikationen.

Was passiert dabei? Aufgrund des schnellen Anstiegs von Schwangerschaftshormonen kommt es zu einem erhöhten Bedarf an blutzuckersenkendem Insulin. Kann dein Körper diesen Bedarf nicht ausgleichen, wird die Glukose im Blut nicht verwertet und der Blutzuckerspiegel steigt. Bei einigen Schwangeren entsteht ein Schwangerschaftsdiabetes. Um dies rechtzeitig zu erkennen, gibt es den Zuckertest. Genau genommen handelt es sich um zwei verschiedene Tests:

Der kleine Zucker-Schnell-Test: Routine-Test für alle Schwangeren

Beim so genannten Glukose-Challenge-Test musst du in der Arztpraxis eine konzentrierte Zuckerlösung trinken. Das Verhältnis ist in der Regel 50 Gramm Zucker auf 200 Milliliter Wasser. Das ist ziemlich süß und wird von einigen Frauen als unangenehm empfunden. Also am besten Augen zu und durch!

Eine Stunde danach wird dir etwas Blut abgenommen und dein Blutzucker gemessen. Liegt der gemessene Wert unter 7,5 Millimol pro Liter (mmol/l) (oder unter 135 Milligramm pro Deziliter (mg/dl)), ist alles ok. Liegst du darüber, wird deine Ärzt:in einen weiteren Test durchführen, den großen Zuckertest (auch Glukosetoleranztest genannt).

Übrigens: Für den kleinen Zuckertest musst du nicht nüchtern sein. Du kannst vor dem Termin wie gewohnt essen und trinken.

Der große Zuckertest: nur bei Verdacht auf Schwangerschaftsdiabetes

Deutet der kleine Zuckertest auf einen erhöhten Blutzuckerwert hin, wird in der Regel ein Glukosetoleranztest (oGTT) durchgeführt. Dabei wird diesmal der Nüchternblutzucker gemessen. Du darfst mindestens acht Stunden vor dem Termin nichts essen oder trinken. Nur Wasser ist okay.

Der Test beginnt mit einer Blutabnahme. Danach bekommst du wieder eine Zuckerlösung zu trinken. Diesmal besteht die Lösung aus 75 Gramm Zucker und 200 – 300 Milliliter Wasser. Nach einer Stunde nimmt deine Ärzt:in dir erneut Blut ab und nach einer weiteren Stunde noch einmal. Das kann schon etwas anstrengend werden so auf nüchternen Magen.

Die Ergebnisse bekommst du dann meistens innerhalb von einer Woche. Sie werden auf jeden Fall in den Mutterpass eingetragen. In einigen Praxen kann der Test auch vor Ort ausgewertet werden. Die gemessenen Werte zeigen, ob dein Körper in der Schwangerschaft Glukose normal verwerten kann oder ob das nicht so gut klappt und vermutlich ein Schwangerschaftsdiabetes vorliegt. Ist dies der Fall, wird deine Ärzt:in mit dir die Behandlung besprechen.

Bisher wird der große Zuckertest nicht standardmäßig gemacht. Kritiker:innen fordern seit einiger Zeit, ihn für alle Schwangeren in der Vorsorge aufzunehmen. Die Begründung: Vom kleinen Test werden diejenigen Frauen nicht erfasst, die nur einen erhöhten Nüchtern-Blutglukosewert aufweisen. Derzeit wird aber ausschließlich der zweistufige Test von den Krankenkassen erstattet. Das heißt: Der große Zuckertest wird nur angewendet und erstattet, wenn der erste Test positiv war. Die meisten anderen europäischen Länder haben ein einstufiges Verfahren.

Wie gefährlich ist ein Schwangerschaftsdiabetes?

Bei einem Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) ist der Blutzuckerspiegel dauerhaft zu hoch. Die Glukose im Blut wird nicht abgebaut. Das hat Auswirkungen auf dein Baby, denn der Zuckerüberschuss sorgt für ein zu schnelles Wachstum, ohne dass die Organe entsprechend reifen. Liegen Größe und Gewicht weit oberhalb der Norm (Makrosomie), ist oft eine komplizierte Geburt oder ein Kaiserschnitt die Folge. Auch die Lungenreife kann beeinträchtigt sein. Langfristig tragen die betroffenen Kinder auch ein erhöhtes Risiko für Übergewicht.

Viele Frauen ahnen nichts von einem möglichen Schwangerschaftsdiabetes, da sie selbst oft keine Beschwerden entwickeln. Um so wichtiger ist es, den Test zu machen. Aber auch für die Mutter ist ein Schwangerschaftsdiabetes nicht zu unterschätzen. Denn neben einer schweren Geburt und einem erhöhten Frühgeburtsrisiko kann es langfristig auch zu einem chronischen Diabetes-T-2 kommen. Wird das Problem rechtzeitig erkannt und behandelt, kann deine Schwangerschaft hingegen weitgehend normal verlaufen. Nach der Geburt bildet sich ein behandelter Schwangerschaftsdiabetes meistens von allein wieder zurück. Die Blutzuckerwerte normalisieren sich.

Für wen ist der Zuckertest besonders wichtig?

Als Teil der Vorsorgeuntersuchung sollte möglichst jede Schwangere den kostenlosen Zuckertest machen. Vielleicht gehörst du aber zu den Frauen, die ein erhöhtes Risiko haben, einen Gestationsdiabetes zu entwickeln. Zum Beispiel, weil …

  • du Übergewicht hast.
  • du älter als 35 Jahre bist.
  • es in deiner Familie Fälle von Diabetes gibt.
  • du selbst bereits an Diabetes Mellitus erkrankt bist.
  • du in deiner letzten Schwangerschaft einen Gestationsdiabetes hattest.
  • du rauchst.
  • du an einem Polyzystischen Ovarialsyndrom leidest.
  • du bereits eine Fehlgeburt hattest.

Auf welche Lebensmittel sollte ich nach einem positiven Test verzichten?

Hat der große Zuckertest den Verdacht auf einen Schwangerschaftsdiabetes bestätigt, wird deine Ärzt:in mit dir auch über eine Ernährungsanpassung sprechen. Viele Tipps kennst du ohnehin schon, seitdem du von deinem kleinen Bauchbewohner weißt. Jetzt werden sie noch wichtiger.

Verzichte vor allem auf leere Kohlenhydrate, die nur Zucker und keine Nährstoffe liefern. Dazu gehören:

  • Süßigkeiten
  • Weißmehlprodukte
  • überreifes Obst
  • Traubenzucker
  • Fruchtsäfte
  • zuckerhaltige Limonaden

Wann wird der Zuckertest durchgeführt?

Der Zuckertest wird in der Regel zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche durchgeführt, da ein Gestationsdiabetes erfahrungsgemäß in dieser Zeitspanne zuerst auftritt. Liegt dein BMI über 30, wird deine Ärzt:in dir als Risikopatientin eventuell auch einen früheren Termin empfehlen.

Wann muss ein Glukosetoleranztest durchgeführt werden?

Ein oraler Glukosetoleranztest (oGGT oder auch "großer Zuckertest") wird deine Ärzt:in nur durchführen, wenn der kleine Zuckertest auffällig war. Wichtig ist, dass du nüchtern zum Test kommst und einige Tage zuvor dein Ess- und Trinkverhalten nicht verändert hast. Auch auf körperliche Überanstrengung oder Medikamente sollte man vor dem Test verzichten, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen.

Tipp: Nehmt euch eine Banane oder ein Vollkornbrötchen mit in die Praxis. Dann könnt ihr nach der zweiten Blutabnahme etwas essen.

Welche Werte deuten bei einem oGTT auf einen Schwangerschaftsdiabetes?

Liegst du beim oralen Glukosetoleranztest nach den Blutabnahmen über diesen Werten, ist es sehr wahrscheinlich, dass du einen Gestationsdiabetes hast.

Grenzwerte des "großen Zuckertests"

nüchtern

1 Stunde nach dem Trinken der 75g-Zuckerlösung

2 Stunden nach dem Trinken der 75g-Zuckerlösung

≥ 5,1 mmol/l

oder

≥ 92 mg/dl

≥10,0 mmol/l

oder

≥180 mg/dl

≥8,5 mmol/l

oder

≥153 mg/dl

Erreicht oder überschreitet einer euer drei Messwerte die Grenzwerte, wird eure Ärzt:in einen Schwangerschaftsdiabetes diagnostizieren. Bei der Mehrheit der Betroffenen kann dieser mit einer Kombination aus Ernährungsumstellung und Bewegung kontrolliert werden – auch ohne die Gabe von Insulin.

Was kostet ein Zuckertest?

Zuckertests in der Schwangerschaft werden von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Sie sind freiwillig, aber zum Schutz von Mutter und Kind unbedingt ratsam.

Was passiert nach einem positiven Zuckertest?

Einerseits hättest du dir sicher ein anderes Ergebnis gewünscht. Aber andererseits ist ein positiver Zuckertest auch kein Grund zur Panik. Je nachdem, wie hoch dein Wert ist, wird deine Ärzt:in oder eine Spezialist:in (Diabetolog:in) dir eine Ernährungsumstellung oder auch das zusätzliche Spritzen von Insulin empfehlen. Eine medikamentöse Behandlung ist aber eher bei einer Minderheit der Betroffenen notwendig. Oft reicht es schon aus, wenn du auf leere Kohlenhydrate verzichtest, dich ausgewogen und ballaststoffreich ernährst und dich ausreichend bewegst. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen bei deiner Ärzt:in und die Überprüfung der Zuckerwerte zu Hause werden dafür sorgen, dass du und dein Baby gesund bleibt und die Geburt möglichst ohne Komplikationen verläuft. Nach der Geburt wird noch ein weiterer Test zur Kontrolle durchgeführt.

Und: In den meisten Fällen verschwindet der Diabetes nach der Schwangerschaft von selbst. Ein Gestationsdiabetes ist nicht dasselbe wie eine chronische Zuckerkrankheit. Allerdings trägst du nach einem Schwangerschaftsdiabetes ein erhöhtes Risiko, einen solchen zu entwickeln.

Quellen

Hanne Melchior et a. (2017): Prävalenz des Gestationsdiabetes. Eine populationsbasierte Leistungsdatenanalyse des Screenings in der ambulanten Versorgung, in: Deutsches Ärzteblatt, 114: 412-8.

Michael Hummel (2020): Diabetes und Schwangerschaft, in: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe (Hg.): Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2020, die Bestandsaufnahme, 157 ff.

diabinfo – das Diabetes-Informationsportal: Wie entsteht Schwangerschaftsdiabetes?

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