Schwangerschaft und Geburt
 
Eineiige Zwillinge: Alles über das ganz besondere Wunder der Natur

Zwillinge: für viele Eltern eine Nachricht, die nach der ersten Überraschung und Freude ganz viele Fragen aufwirft. Wie entstehen Zwillinge überhaupt? Ist bei Zwillingen wirklich alles gleich? Was ist der Unterschied zwischen eineiigen und zweieiigen Zwillingen? Und was ist anders bei einer Zwillingsschwangerschaft? Hier alles Wichtige.

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Auf einen Blick
Artikelinhalt
  • Eineiige Zwillinge werden in der Medizin auch monozygote Zwillinge genannt.
  • Ab der achten Schwangerschaftswoche können Gynäkologen eineiige Zwillinge mit Ultraschall erkennen.
  • Bei 99 Prozent aller Zwillingsschwangerschaften besitzt jedes Baby eine eigene Fruchtblase.
  • Die Zahl der Zwillingsschwangerschaften ist in den letzten Jahren gestiegen.
  • Viele eineiige Zwillinge unterscheiden sich ein wenig in Gewicht und Körpergröße.

Wie kommt es zu eineiigen Zwillingen?

Der Start verläuft bei eineiigen Zwillingen (monozygote Zwillinge) genauso wie bei einem Einling. Ein Spermium befruchtet die Eizelle und diese beginnt mit der Zellteilung. Im Verlaufe dieses frühen Stadiums kann es allerdings passieren, dass sich die ganze befruchtete Eizelle ebenfalls teilt. Und aus jeder Hälfte entsteht dann ein Zwilling. Eineiige Zwillinge entstehen also aus ein und derselben Eizelle.

Hier liegt der Hauptunterschied zu zweieiigen Zwillingen (dizygote Zwillinge). Sie entstehen, wenn in einem Zyklus zwei Eizellen befruchtet werden. Wie der Begriff sagt, entstehen dabei zwei Embryos in zwei unterschiedlichen befruchteten Eizellen. Aus diesem Grunde sind sich zweieiige Zwillinge auch nicht ähnlicher als normale Geschwister.

Ab wann kann die Gynäkologin eine Zwillingsschwangerschaft erkennen?

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Ob es sich bei dem kleinen Pünktchen um ein einzelnes Kind oder Zwillinge handelt, kann die Gynäkologin sehr früh per Ultraschall erahnen. Wirklich sicher kann sie es ab der achten Schwangerschaftswoche sagen.

Zwischen der achten und der zwölften SSW kann sie auch feststellen, ob sich die Embryos in einer oder zwei Embryonalhüllen entwickeln. Teilen sich die beiden eine Embryonalhülle, sind es höchstwahrscheinlich eineiige Zwillinge. Ausnahmen gibt es allerdings immer. Mit dem Fortschreiten der SSW wird es immer schwieriger, ein- und zweieiige Zwillinge zu unterscheiden. Ab der 16. Schwangerschaftswoche ist es durch ihre Nähe zur Gebärmutterwand nahezu unmöglich die Embryonalhüllen auseinanderzuhalten. Ob eineiig oder zweieiig kann die Ärztin dann nicht mehr erkennen.

Haben eineiige Zwillinge eine oder zwei Fruchtblasen?

Bei der Mehrzahl aller Schwangerschaften besitzt jeder Fötus eine eigene Fruchtblase. Nur bei einem Prozent aller eineiigen Zwillinge teilen sich die Zwillinge eine Fruchtblase. Dann spricht man von monoamniotischen Zwillingen.

Um die Sache noch etwas komplizierter zu machen: Bei den meisten Mehrlingsschwangerschaften besitzt jeder Fötus nicht nur eine eigene Fruchtblase, sondern auch eine eigene Plazenta. Es kann aber durchaus vorkommen, dass sich die Feten eine Fruchtblase teilen, aber jeweils eine Plazenta besitzen und andersherum. Übrigens unterscheiden Mediziner zwischen Zwillingen, die sich eine Fruchtblase (monoamniotisch) und eine Plazenta (monochorial) teilen.

Welche Risiken bestehen bei einer Schwangerschaft mit eineiigen Zwillingen?

Die gute Nachricht vorweg: Heutzutage ist eine eineiige Zwillingsschwangerschaft normalerweise kein Problem mehr. Trotzdem wird sie sicherheitshalber als Risikoschwangerschaft eingestuft und besonders engmaschig überwacht. Neben Problemen für die Mutter, wie die erhöhte Gefahr einer Präeklampsie, Eisenmangel und Blutarmut, birgt eine Schwangerschaft mit Mehrlingen auch für die Kinder Gefahren:

  • So kann es bei einer Zwillingsschwangerschaft häufiger zu einer Frühgeburt kommen (Geburt vor der 37. SSW).
  • Wenn die Babys sich eine Plazenta teilen, kann es passieren, dass eines von beiden nicht genügend versorgt wird (Fetofetales Transfusionssyndrom TTTS).
  • Auch besteht ein Risiko, dass sich die Nabelschnur des einen Fötus um den Hals des anderen wickelt (Nabelschnurumschlingung).

Werden Zwillinge immer häufiger geboren?

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Ja, tatsächlich. 2018 gab es insgesamt 14.365 Mehrlingsgeburten, 2011 waren es nur 11.500.
Von den 14.365 Mehrlingen waren über 98 Prozent Zwillinge. In 260 Fällen kamen Drillinge zur Welt und in sechs Fällen dürften sich Eltern über Vierlinge freuen.

Eineiige Zwillinge sind dabei deutlich seltener als zweieiige Zwillinge. In Deutschland sind nur zwischen 20 und 30 Prozent aller Zwillinge eineiig. Forscher nehmen an, dass die Häufigkeit der Geburt von zweieiigen Zwillingen mit dem steigenden Alter der Mütter und der Zunahme von Fertilitätsbehandlungen zusammenhängt. 

Ist die Geburt von eineiigen Zwillingen anders?

Ärzte versuchen immer, eine vaginale Geburt zu ermöglichen. Sie hängt aber von mehreren Faktoren ab. Die Wichtigsten:

  • Die Mutter muss gesund sein und darf keine Beschwerden haben.
  • Jedes Baby muss über eine eigene Fruchthöhle verfügen.
  • Jedes Baby muss über eine eigene Plazenta verfügen.

Ist dies der Fall, steht einer vaginalen Geburt nichts im Wege. Über 90 Prozent dieser Schwangerschaften verlaufen ohne Komplikationen.
Sollten sich die Feten allerdings eine Plazenta oder eine Fruchthöhle (gemeinsames Chorion) teilen, ist das Risiko eines Nabelschnurvorfalls zu groß. In diesem Fall ist ein Kaiserschnitt der sicherere Weg. Er garantiert, dass Kinder und Mutter die Geburt ohne große Komplikationen überstehen.

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Ist bei eineiigen Zwillingen alles genetisch identisch?

Zwar gibt es bei eineiigen Zwillingen viele genetisch sehr ähnliche Merkmale, wie etwa Augen- und Haarfarbe, Gesichtszüge und Blutgruppe, aber es ist eben nicht alles identisch. DNS und Fingerabdrücke beispielweise besitzen zwar eine 99-prozentige Übereinstimmung, doch moderne Analysetechniken können die winzigen Unterschiede eineiiger Zwillinge aufspüren. So können Ärzte die DNS durch Punktmutation – kleinste, punktuelle Unterschiede im Erbgut – differenzieren. Ebenso verhält es sich mit Fingerabdrücken. Neuste Methoden können auch dort geringste Abweichungen erkennen.

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All dies ist vielleicht für Mediziner aufzuschlüsseln, aber wie sollen Eltern ihre Kinder unterscheiden? Erfahrene Zwillingseltern sind sich einig: Auch wenn sie den Kindern am Anfang Bändchen in unterschiedlichen Farben ums Handgelenk gebunden oder einen Zehennagel in unterschiedlichen Farben lackiert haben: Ganz schnell konnten sie ihre Kinder auch an unterschiedlichen Grübchen, Haarwirbeln, Muttermalen oder Stimmen erkennen. Oder auch an Charaktereigenschaften, Gewicht und Körpergröße. Denn die sind sehr häufig nicht identisch. Forscher schließen daraus, dass auch die Umwelt einen Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes haben kann. Denn durch das gleiche Erbgut müssten eineiige Zwillinge zum Beispiel eigentlich auch gleich groß werden. Viele weitere Informationen über Zwillinge erfährst du auf unserer Themenseite "Zwillinge: Glück im Doppelpack".

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