Schwangerschaft
 
Schatz, das sind die Hormone!

Wenn eine schwangere Frau beim Anblick eines Hundebabys in Tränen ausbricht, ihr nur beim Gedanken an die Lieblingsspeise ganz flau im Magen wird und sie nachts plötzlich das Schnarchkonzert ihres Mannes übertönt - dann überschlagen sich gerade mal wieder die Hormone. Wir stellen dir die üblichen Verdächtigen vor.

Mann tröstet Frau
Getty Images / Thomas Barwick

Das Seelchen-Hormon

Das Schnarch-Hormon

Das Gähn-Hormon

Das Würge-Hormon

Das Sportmuffel-Hormon

Das Schatten-Hormon

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Das Seelchen-Hormon

Wer ist der Übeltäter?: Für die Jammertal-Stimmung ist nicht ein Hormon allein, es sind gleich alle zuständig.

Warum muss das sein? Um eine begonnene Schwangerschaft erfolgreich fortzuführen, muss der Körper von jetzt auf gleich seine komplette Hormonproduktion umstellen. Denn nur so kann sich die befruchtete Eizelle einnisten, kann sich der mütterliche Organismus an die Bedürfnisse des Babys anpassen, kann der Körper eine Geburt vorbereiten und zulassen.

Die Nebenwirkung: starke Stimmungsschwankungen. Denn die Hormone beeinflussen nicht nur bestimmte Prozesse in unserem Körper, sondern auch unser Denken und Fühlen. Dass das Foto eines Hundebabys zu Hochwasser in den Augen führt, ist völlig normal. Bei manchen auch das scheußliche Gefühl, mit der Schwangerschaft einen ganz, ganz großen Fehler begangen zu haben.

Und nun die gute Nachricht: Der Seelchen-Cocktail-Mix beschert dir eine perfekte Ausrede für unangenehme Verabredungen: "Ein Nachmittag mit deiner Mutter ist mir unter diesen Umständen ganz einfach nicht zuzumuten!"

Das Schnarch-Hormon

Wer ist der Übeltäter?: Es sind die Östrogene

Warum muss das sein? Insgesamt gibt es über 30 Hormone, die in der Gruppe der Östrogene zusammengefasst sind. Kein Wunder, dass die Östrogene eine ganze Latte von Aufgaben in der Schwangerschaft übernehmen. Sie schaffen zum Beispiel optimale Bedingungen für die Einnistung, später sorgen sie dafür, dass die Gebärmutter wächst und gut durchblutet ist. Auch beim Wachstum der Brust spielen sie eine Rolle.

Die Nebenwirkung: Östrogene sorgen nicht nur für eine gute Durchblutung der Gebärmutter, sondern im ganzen Körper. Zum Beispiel sind auch die Nasenschleimhäute besser durchblutet, dadurch schwellen sie an. Lästige Folge: verstopfte Nase und nächtliches Schnarchen.

Die perfekte Ausrede: Die Nase ist schuld. Rütteln und Schimpfen bringt gar nichts!

Das Gähn-Hormon

Wer ist der Übeltäter?: Es ist das Progesteron

Warum muss das sein? Während der Schwangerschaft steigt das Progesteron um etwa das Zehnfache des Normalen an. Das wirkt entspannend - vor allem auf die Muskeln. Sinnvoll ist das insbesondere für die Gebärmuttermuskulatur: Je entspannter sie ist, desto unwahrscheinlicher sind vorzeitige Wehen. Erst kurz vor der Geburt fällt der Progesteron-Spiegel plötzlich ab - jetzt kann's losgehen!
Die Nebenwirkung: bleierne Müdigkeit. Vor allem in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft sorgt das Progesteron bei zwei von drei Schwangeren für Dauermüdigkeit, denn das Hormon entspannt nicht nur den Körper, sondern auch die Seele.
Die perfekte Ausrede: Meine Hormone wirken wie Baldrian!

Das Würge-Hormon

Wer ist der Übeltäter?: Es ist das humane Choriongonadotropin (HCG)

Warum muss das sein? HCG ist auch als Schwangerschaftshormon bekannt, denn es wird ausschließlich nach der Befruchtung ausgeschüttet - und zwar in rauen Mengen. HCG sorgt dafür, dass die Schwangerschaft aufrechterhalten wird. Dafür stimuliert es den Gelbkörper im Eierstock zur Ausschüttung eines weiteren Hormons, Progesteron, das wiederum den Eierstöcken signalisiert, dass für die nächste Zeit keine Eisprünge nötig sind. Außerdem sorgt HCG auch für die Auflockerung der Gebärmutterschleimhaut.

Die Nebenwirkung: fiese Übelkeit bei zwei Drittel aller schwangeren Frauen. Denn der enorme Anstieg dieses Hormons (die Konzentration verdoppelt sich anfangs alle zwei bis drei Tage) signalisiert dem Körper: Da ist etwas Fremdes (vielleicht Gefährliches?) in mir. Und dagegen hilft: Erbrechen. Erst gegen Ende des ersten Trimesters tritt eine Gewöhnung an den "Fremdkörper" ein, die Übelkeit lässt nach - auch, weil der HCG-Pegel dann nicht mehr steigt, später sogar wieder abfällt.

Die perfekte Ausrede: Du hast wirklich toll gekocht, Schatz! Aber ich kriege einfach nichts runter!

Das Sportmuffel-Hormon

Wer ist der Übeltäter?: Es ist das Relaxin

Warum muss das sein? Relaxin sorgt für die Lockerung des Muttermundes, aber auch für flexible Gelenke und Bänder, besonders im unteren Rücken und im Becken. Das erleichtert später die Geburt.

Die Nebenwirkung: Auch alle anderen Bänder und Gelenke im Körper sind betroffen. Schön daran: Man fühlt sich (zumindest bis zum Ende des zweiten Trimesters) besonders beweglich.
Der Nachteil: Gelenke und Bänder sind eben auch anfälliger für Verletzungen, erst recht bei Sportarten, die heftige und abrupte Bewegungen nötig machen.
Die (perfekte) Ausrede: Sport ist Mord! (Unter uns: Das ist wirklich eine Ausrede! Die Wahrheit: Zwar sollten Sie auf heftiges Hüpfen verzichten, aber lockeres Traben ist total in Ordnung!)

Das Schatten-Hormon

Wer ist der Übeltäter?: Es ist das Melanozyten-stimulierende Hormon (MSH)

Warum muss das sein? Durch das Hormon MSH wird die Melaninproduktion in der Haut angekurbelt. Sie ist dadurch bei vielen Frauen sehr viel stärker pigmentiert. So bildet der Körper während der Schwangerschaft einen Extra-Schutzschild gegen zu heftige Sonneneinstrahlung.

Die Nebenwirkung: bei vielen Frauen fleckige Haut, denn das Melanin verteilt sich nicht gleichmäßig in der Haut, sondern "verklumpt". Die Folge: dunkle Flecken, vor allem im Gesicht (Stirn, Wangenknochen, Kinn, Oberlippe).

Die perfekte Ausrede: Wenn wir jetzt in den Süden in den Urlaub fahren, wird das mit der Haut durch die viele Sonne ja noch schlimmer. Besser fahren wir an die Ostsee!