Medizin
 
Stress in der Schwangerschaft: Wann schadet er dem Baby?

Hektik, Geldsorgen, Ärger in Job, Probleme mit dem Partner: Schadet Stress in der Schwangerschaft dem ungeborenen Baby? Forscher der Uni Zürich sind der Frage jetzt nachgegangen und haben festgestellt: Es kommt auf die Dauer an.

Schwangere Berufstätige in Zeitdruck
iStock, fizkes
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Mamas Stress lässt das Baby schneller wachsenKurzfristiger Stress schadet dem Ungeborenen nichtAuch nach der Geburt lässt sich noch viel ausgleichen

Klar, am liebsten würdest Du Dein Baby im Bauch vor allem Bösen schützen. Aber bei seelischer Belastung ist das nicht so einfach: Fühlst Du Dich gestresst, schüttet Dein Körper Bestimmte Hormone aus. Ein Forscherteam der Universität Zürich haben in Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Zürich und dem Max Planck Institut München herausgefunden, dass psychischer Stress der Mutter das Wachstum des Ungeborenen beeinflussen kann.

Mamas Stress lässt das Baby schneller wachsen

Welche Folgen Stresshormone in der Schwangerschaft haben können, weiß man aus Tierstudien. Diese Hormone kurbeln die Entwicklung der Ungeborenen an. Wahrscheinlich war das ein Vorteil im Laufe der Evolution: Kommt ein Baby durch eine Notsituation zu früh auf die Welt, dann ist es schon etwas weiter entwickelt und hat so bessere Überlebenschancen. Der Organentwicklung können hohe Dosen von Stresshormonen allerdings schaden, sie sollen unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ADHS fördern.

Kurzfristiger Stress schadet dem Ungeborenen nicht

Wie beeinflusst nun psychischer Stress der Mutter die Ausschüttung von Stresshormonen in der Plazenta? Das Forschungsteam untersuchte 34 gesunde Schwangere, die sich im Rahmen der Pränataldiagnostik einer Fruchtwasserpunktion unterzogen. Da die Untersuchung eine starke Belastung für die Mutter ist, schüttet ihr Körper kurzfristig Cortisol aus. Um festzustellen, ob auch die Plazenta Stresshormone freisetzt, verglichen die Forscher den Cortisol-Spiegel im mütterlichen Speichel mit dem CRH-Spiegel im Fruchtwasser. (CRH ist ein Hormon, das das Stresshormon Cortisol ansteigen lässt.) Bei dem Vergleich stellten sie keinen Zusammenhang fest. Das heißt: Das Stresshormon fand sich zwar im Speichel der Mutter, aber das Baby bekam über das Fruchtwasser nichts davon ab. Fazit der Psychologin Ulrike Ehlert aus dem Forscherteam: „Offenbar bleibt das Baby bei akuter, kurzanhaltender Belastung der Mutter vor den negativen Effekten von Stress geschützt.“

Auch nach der Geburt lässt sich noch viel ausgleichen

Anders bei chronischem Stress: „Dauert die mütterliche Belastung länger an, ist der CRH-Spiegel im Fruchtwasser erhöht“, so Studienmitarbeiterin und Psychologin Pearl La Marca-Ghaemmaghami. Und diese höhere Konzentration des Stresshormons wiederum beschleunigt das Wachstum des Ungeborenen.
Was aber können Schwangere tun, wenn sie dauerhaft Stress ausgesetzt sind? Das Forscherteam rät, sich in solch einem Fall psychologische Hilfe zu suchen, um den Stress besser zu verarbeiten. Adressen von Beratungsstellen gibt es meist über die Frauenarztpraxis oder über die Hebamme.
Und selbst wenn sich der Stress in der Schwangerschaft nicht abstellen lässt, lassen sich die Folgen später noch ausgleichen: „Eine sichere Bindung zwischen Mutter und Kind nach der Geburt kann negative Effekte von Stress in der Schwangerschaft wieder aufheben“, so La Marca-Ghaemmaghami.