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Kreta für Kinder

...oder wie der kleine Michaél die Herzen der Kreter erobert hat. Ein Reisebericht zum Träumen.

Zum ersten Mal im Flieger

Als wir aus dem Flieger steigen, und in der Ferne die im Mai noch schneebedeckten, über 2500 Meter hohen Gipfel des "Psiloriti" - dem Berg Ida sehen, fällt mir wieder der Satz von Nikos Kazantzakis aus seinem Buch über den griechischen Philosophen und Lebenskünstler Alexis Sorbas ein. "Kreta murmelte ich, Kreta... und mein Herz schlug schneller".

Meine Frau Aleka setzt mir Michal, unseren elf-monatigen Sohn auf den Arm ("so jetzt bist du dran"), an dem noch mindestens vier Taschen und Beutel, vollgepackt mit unverzichtbaren Reisebegleitern wie die einrollbare Spielwiese, kleine Bücher mit dicken Seiten und großen Figuren mit großen Augen (als universelle Einschlafhilfe für Michal), der Lieblingsdelphin, der Lieblingsbär, der Lieblingsaffe, die Lieblingsdecke, das Lieblingskissen und noch weitere 30 Kleinigkeiten, die wir aus Übergepäcksgründen eben nicht aufgegeben haben, sondern dann doch lieber ständig mitschleppen wollen.

Es ist unsere erste Flugreise und glücklicherweise war Michal wohl im letzten Leben Pilot - die gröbsten Luftlöcher machen am meisten Spaß.

Alles gut gelaufen

Gut gelandet kommen wir dann mit unseren paar Taschen (ohne Kind reichte ein Rucksack, mit Kind reichen 5 Koffer immer noch nicht) zum Mietwagen und hier klappt dann alles wunderbar: Das Auto ist eine Kategorie größer als gebucht, und in gutem Zustand (als Papa fällt diese Beurteilung natürlich in meinen Zuständigkeitsbereich). Der Kindersitz ist auch da, und auch er in gutem Zustand (diese Beurteilung natürlich erst nach fachkundiger Überprüfung durch Aleka).

Was wird uns erwarten?

Wir fahren vom Flughafen bei Heraklion, der Hauptstadt der Insel in Richtung Rethymnon die Nordküste entlang nach Westen. Wir folgen der Anreisebeschreibung bis zum kleinen Dorf Eleftherna, ca. 20 km vor Rethymnon, etwas im Landesinneren gelegen. Hier haben wir uns ein kleines Dorfhaus aus einem Spezialkatalog für Kreta ausgesucht. Wir haben versucht, unsere Erwartungen zu bremsen, trotz der sehr schönen Bilder und der Zusage des Veranstalters, es handle sich tatsächlich, um ein schönes ruhiges Haus mit schönem Garten, schönem Pool, schönem Ausblick auf eine schöne Umgebung mit der Möglichkeit zu interessanten Ausflügen, ein bißchen Kultur mitzunehmen, und nicht zuletzt die Zusage, die Eigentümerin könne sich um eine Kinderbetreuung bemühen.

Schöner als im Traum

Als wir dann endlich am Haus Nikolaos ankommen ist es schon später Nachmittag und die Sonne wirft ein wunderschönes Licht auf das kleine Dörfchen und die silbrig schimmernden Olivenhaine, die soweit das Auge reicht die sanften Hügel bis zum in der Ferne leuchtendem Meer überziehen. Die Eigentümer erwarten uns schon und begrüßen uns freundlich um uns einzuweisen und uns erst einmal auf ihren selbstgebrannten Raki einzuladen. Das Haus liegt tatsächlich wunderschön am Rande des Dorfes über einer grünen Schlucht mit herrlichem Ausblick. Der Garten ist gepflegt, der Pool sauber, Blumen stehen auf dem Küchentisch, das Kinderbett ist bereits bezogen und Michal krabbelt durch die neue Umgebung und fühlt sich sichtlich wohl. Wir setzen uns auf die Terrasse in das warme Licht der Abendsonne. Gemeinsam schließen wir die Augen und genießen die Stille, begleitet vom leichten Rauschen des Windes, ein paar summenden Bienen und den kleinen glücklichen Seufzern unseres Sohnes.

Spielen ist das Größte

Die nächsten Tage ruhen wir uns aus, spielen, lesen, schwimmen, machen lange wunderschöne Spaziergänge und sind einfach nur glücklich. Michal kennt sich schnell aus und hat sich seine Lieblingsecken ausgesucht: Das Blumenbeet wegen der schönen bunten Blumen, die anscheinend auch wirklich lecker schmecken müssen, den Gartenschlauch weil in der Sonne mit Wasser spielen einfach das größte ist, unter dem Küchentisch, im Kühlschrank (er versucht es immer wieder) und natürlich am Gartenzaun, weil dort immer nette Ziegen, Schafe, Hunde oder Katzen vorbeischauen. Ein Dorfbewohner hat eine kleine Gänse- und Pfauenzucht, und Michal ist begeistert. Zu Hause müßten wir dafür erst in den Zoo marschieren.

Lust auf Meer

Unser Kreta-Spezialist hatte uns noch in Deutschland ein paar Strände empfohlen und nach zwei Tagen Pool hatten wir dann auch wirklich Lust aufs Meer. Wir befolgen die Anweisungen und finden zu einer kleinen Bucht mit Sand-/Kiesstrand, glasklarem Wasser, einer kleinen Taverne und ungefähr 15 weiteren Besuchern, die Hälfte Griechen - ein gutes Zeichen. Aleka ist vom ersten Augenblick verliebt in die (jetzt unsere) kleine Bucht mit Höhle zum durchschwimmen, Felsen zum runterspringen, Steinchen zum sammeln und unserem fröhlich quietschendem und lachendem Michal mit weißem Hütchen und nacktem Popo.

Griechische Gaumenfreuden

Am Abend gehen wir in eine kleine Taverne bei Rethymnon, geführt von Manolis, einem echten Kreter, dessen Söhne oben in den Bergen noch die 600 Schafe der Familie hüten. Hier gibt es traditionelle kretische Küche, die Frau Maria hinten in der Küche mit meist selbst angebauten Gemüse und Kräutern, eigenem Olivenöl und vor allem mit viel Liebe zubereitet. Es gibt "Koukouvaja" - Zwieback mit frisch geriebenen Tomaten, Kräutern und Ziegenkäse, "Kolokithokeftedes" - ein unglaublich leckerer Zungenbrecher aus Zucchini, Tomatensalat (ach, so schmecken also Tomaten), Ofenkartoffeln, Artischocken in Zitrone, Lamm von Holzgrill und einem passenden Landwein.

Kinder willkommen

Das ganze Lokal schwingt von den Stimmen und dem Lachen der Menschen, alle mit Kindern, die um die Tische rennen, verstecken spielen, schreien, auf Bäume klettern und zwischendurch ein paar Kleinigkeiten von den übervoll gedeckten Tischen stibitzen. Es ist erstaunlich, wie selbstverständlich hier die Kinder ein Teil der Gesellschaft sind. Auch Michal wandert natürlich von Arm zu Arm, die Frauen stecken ihm kleine blaue Glasaugen an, zum Schutz vor dem "bösen Auge", sonnengegerbte Kreter mit stolzen, nach oben gezwirbelten Schnauzbärten und Händen wie Reibeisen lächeln uns mit funkelnden Augen an und beglückwünschen uns zu unserem Sohn. Es scheint als tragen die Menschen hier ihre eigene sonnige Kindheit selbstverständlich immer in ihren Herzen und erfreuen sich an der Erinnerung bei jeder Begegnung.

Kinderbetreuung auf Kretisch

Am fünften Tag fragen wir bei unseren Vermietern nach, ob Sie uns einen Babysitter organisieren könnten, da wir durch eine kleine Schlucht wandern wollen, bei der selbst der Quinny schlappmachen würde. Eine Stunde später kommen die zwei Frauen aus dem Dorf die auch unser Haus alle zwei Tage putzen und sagen uns in ihrem gebrochenen Englisch-Deutsch, daß Sie auf den kleinen aufpassen werden. Aleka ist etwas besorgt, da Sie Ihnen nicht erklären kann, wie, wieviel, wann, wo oder wie lange Michal essen oder schlafen muß. Mit Händen und Füßen erklären wir den beiden dann, wie das Programm in etwa ablaufen sollte. Schließlich zieht die etwas ältere Frau Sophia ein Foto aus ihrem Rock, das sie mit Ihren 8 (!) Kindern zeigt. Stolz erzählt sie uns, daß sie alle wohlbehütet großgezogen hat und ihre Kinder jetzt alle gute Arbeit in der Stadt oder teilweise auch noch hier im Dorf haben. Danach zeigt uns auch noch Frau Argiro ihre 6 Kinder und Aleka ist beruhigt. Natürlich hinterlassen wir noch unsere Mobilnummer für Notfälle (auf Kreta hat man fast überall guten Empfang) und fahren los Richtung Ida-Gebirge, das sich direkt hinter dem Dorf erhebt. Über ein paar steinige Bergstraßen, vor denen uns unser Autovermieter gewarnt hatte, vorbei am Töpferdorf Margarites und dem Kloster Arkadi kommen wir zum Tal der Flüsse "Potamous" mit der Straße nach Amari. Wir fahren jedoch wieder ein wenig Richtung Küste bis zum Eingang zur Prassano-Schlucht. Hier machen wir noch mal einen kleinen Kontrollanruf im Dorf ("..Michalis ißt gut schläft") und gehen zu Fuß weiter und sind wie verzaubert von der grandiosen Kulisse die uns hier die Natur bietet.

Wunderbare Wanderung

Wir wandern durch eine Art Canyon, entlang einem kleinen Fluß und hunderte Meter steil nach oben ragenden Felswänden an denen Wildziegen akrobatisch von Stein zu Stein springen. Nach zwei Stunden machen wir eine kleine Pause und springen in das eiskalte Wasser, das sich an manchen Stellen in kleinen oder größeren Wannen sammelt. Nach ca. drei Stunden sind wir dann am Ausgang der Schlucht wieder an der Straße angekommen. Glücklicherweise nimmt uns ein Bauer in seinem Pick-Up wieder mit in Richtung Prasses, wo wir unser Auto geparkt haben. Wunderbar erschöpft kommen wir wieder in unserem Haus in Eleftherna an. Frau Maria und Frau Argiro empfangen uns mit frisch aufgebrühtem griechischen Mokka und einem lachenden Michal.

Romatische Tavernen

Da wir uns auf, wie Aleka Sie nennt, Big Mama 1 und Big Mama 2 verlassen können, haben wir auch Gelegenheit uns einen schönen romantischen Abend im Hafen der von venezianischen und türkischen Einflüssen geprägten Stadt Rethymno machen zu können. Gemütlich sitzen wir unterhalb der riesigen "Fortezza", einer venezianischen Festung aus dem 15. Jahrhundert und essen wirklich köstlich frischen Fisch in der Taverne "Cavo d’Oro", wo sich jedoch der Besitzer Vassili nach kurzem Informationsaustausch gleich darüber beschwert, warum wir unseren Sohn nicht mitgebracht haben.

Also sind wir am nächsten Abend gleich wieder da, diesmal mit Michal und einem großen halbrunden Mond, der über dem Meer aufgeht und wie eine Theaterkulisse über der alten Hafenmauer schwebt. Wir unterhalten uns mit Vassili über die Stadt, die Zeit, die Geschichte und die Gegenwart ,Odysseus und Platon, über das Leben und das Meer und die Piraten von Gramvoussa, und irgendwann lädt er uns dann noch auf seinen besten Wein ein und wir stoßen auf unsere Gesundheit und das Leben unserer Kinder an und wissen eines genau: wir sehen uns wieder.

Wir sehen uns wieder

Nach zwei zu kurzen Wochen stehen wir wieder auf dem Flughafen in Heraklion, Michal sitzt auf meinem Arm, an dem noch mindestens 6 weitere Taschen oder Beutel hängen, vollgepackt mit unverzichtbaren Dingen: Thymianhonig von Kostas, Olivenöl von Manolis, frischen Feta-Käse von Frau Argiro, Wein von Frau Sophia, Raki von Dimitris und unsere Herzen voll von den einzigartigen Eindrücken dieser Insel und Ihrer Menschen, und unser Michal wie ein lachender Dyonisos winkt zum Abschied "adio".

"Kreta murmle ich, Kreta... und mein Herz schlägt schneller"

mehr Infos?

Mehr Informationen zu Kreta und die Möglichkeit zur Buchung folgender Angebote finden Sie bei
Kreta Reisen GmbH
Clemensstr. 49
80803 München
Tel.: 089 / 33 32 95
Fax : 089 / 39 56 13 auch im Internet www.kreta-reisen.de oder per email info@Kreta-reisen.de

Literaturtipp

Die Keimzelle europäischer Kultur wartet mit eindrucksvollen Zeugnissen einer großen Geschichte auf: Dabei sind sowohl der minoische Palast von Knossos, die alte römische Inselhauptstadt Gortis und das Kloster Arkadi, das an die Zeit der Türkenherrschaft und an den Widerstand der Kreter erinnert, von Bedeutung. Aber auch Individualreisende kommen durchaus auf ihre Kosten – es gibt sie noch, die unbebauten Strände und malerischen Buchten, vor allem im Südteil der Insel Kreta. Wer sich die Mühe macht, das Inselinnere, etwa zum Wandern, aufzusuchen, kann in den Bergdörfern noch heute gelebte Traditionen vorfinden. Über 100.000 Leser bereisten schon die Insel mit dem Kompendium von Eberhard Fohrer im Reisegepäck. Viele von ihnen haben mit ihren Tipps und Anregungen mitgeholfen, ein Buch zu schaffen, über das die Stiftung Warentest bereits urteilte: "Der mit Abstand informationsreichste Kretaführer für Individualtouristen jeder Art".

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