Vaginal seeding
 
Neuer Geburtstrend: Bakteriendusche fürs Neugeborene

Ein neuer Trend in der Geburtshilfe, auch in Deutschland: Vaginal seeding. Dabei werden Kaiserschnitt-Babys nach der Geburt mit Vaginalbakterien ihrer Mutter eingerieben. Nein, das ist nicht eklig. Das ist Schutz für das Neugeborene. Wofür genau ist Vaginal seeding gut? Hier erfahrt Ihr mehr.

Neugeborenes nach Kaiserschnitt
iStock, 1joe

In Deutschland kommt mittlerweile fast jedes dritte Baby im OP zur Welt. Viele Studien belegen bereits, dass per Kaiserschnitt geborene Kinder ein erhöhtes Risiko in sich tragen, an Allergien, Asthma oder Diabetes Typ I zu erkranken. Die Frage nach dem Warum beschäftigt besorgte Eltern genauso wie Mediziner. Klar ist bisher, dass normal geborene Kinder auf ihrem Weg durch den Geburtskanal mit einer ganzen Reihe natürlicher Bakterien in Berührung kommen. Noch Wochen nach ihrer Geburt gleicht die bakterielle Besiedlung des Babydarms und der Mundschleimhaut der mütterlichen Vaginalflora. Forscher vermuten, dass die Darmflora das Immunsystem positiv beeinflusst. Heißt: Babys, die bei der Geburt mit Vaginalbakterien in Berührung kamen, haben ein starkes Immunsystem und sind später wahrscheinlich besonders gesund. Bei Kaiserschnittbabys können sich diese Keime jedoch nicht ansiedeln, weil sie bei einer OP aus dem Bauch der Mutter geholt werden und nicht den natürlichen Geburtskanal passieren. Stattdessen kommen die Kleinen mit den Hautbakterien der Eltern und anderen Keimen aus dem Krankenhaus in Kontakt.

Mit einer einfachen Methode versuchen Mediziner jetzt, per Kaiserschnitt geborenen Kindern eben diese für ihr Immunsystem so wichtigen Bakterien mit auf den Weg zu geben. Dafür platzieren sie einen Tupfer in der Scheide der Mutter und reiben das Neugeborene anschließend auf der Haut, im Mund und in den Augen mit ihm ein. Vaginal seeding wird der neue Trend genannt. Ob das Verfahren wirklich funktioniert, ist bisher nicht bewiesen. Trotzdem: Auch in Deutschland steigt die Nachfrage.
 

So kommt ein Baby per Kaiserschnitt zur Welt

Weiterlesen

Was sagen die Studien?

Tupfer
iStock, XiXinXing

Ob Vaginal seeding tatsächlich funktioniert und für das Baby ungefährlich ist, untersuchen Mediziner derzeitig weltweit. Ein Team um Dr. Maria Dominguez-Bello von der New York University lieferte bereits erste Erkenntnisse. Die Forscher untersuchten die Darmflora natürlich und per Kaiserschnitt geborener Kinder und verglichen sie mit den Werten von Babys, die ein Vaginal Seeding erhalten hatten. Das Ergebnis: Bei den Kindern, die nach dem Kaiserschnitt eine Bakteriendusche bekamen, ließen sich die gleichen Darmbakterien-Stämme nachweisen wie bei natürlich geborenen Kindern.
 

Kinderärzte warnen vor Infektionsrisiko

Solange keine Forschungsergebnisse aus Langzeitstudien zu den Effekten des Vaginal seeding vorliegen, warnen Experten jedoch vor der Anwendung. Denn die Neugeborenen könnten sich dabei mit auch mit gefährlichen Erregern wie Streptokokken, Herpesviren oder Chlamydien infizieren. In Deutschland können sich Schwangere zwar auf solche Erreger testen lassen, das ist aber noch lange nicht die Regel.
 

Video: Welche Auswirkungen hat ein Kaiserschnitt auf mein Kind?