Verlieren können
 
Du blöder Würfel!

Beim Spielen mit Kindern kommt es oft zu Streit: "Ich will aber nicht verlieren!", "Der soll nicht gewinnen!" Glück im Spiel auch anderen zu gönnen, das müssen Kinder erst lernen, wie ELTERN-Autorin Antje Helms von ihrer eigenen Tochter weiß. Und eine Expertin verrät Tipps, wie die Niederlage im Spiel leichter fällt.

Brettspiele bei Kleinkindern: Du blöder Würfel!
Thinkstock - Milous Chab
Inhalt: 
Zusammen spielen"Der Ärger muss raus!"Verlieren als ExistenzbedrohungNachholbedarf in Sachen SelbstsicherheitSpiele ohne KonkurrenzkampfWie man es kleinen Verlierern leichter macht

Zusammen spielen

Da ist er wieder, dieser grimmig-enttäuschte Blick: Die Augen zusammengekniffen, die Unterlippe weit nach unten gerollt. Als hätte unser Kühlschrank mal wieder ihren Lieblingspudding gefressen. Aber es ist noch viel schlimmer: Meine Tochter schmollt, weil ich gerade eine Fünf gewürfelt habe. Und mit der gelangt meine Spielfigur zurück in ihr Haus. Gewonnen! Für Annika bedeutet das aber: verloren. Letzte sein.
Ich versuche, meine Fünfjährige aufzumuntern: "Man kann nicht immer gewinnen, Schatz. Nächstes Mal hast du bestimmt wieder Glück." Und füge dann noch ganz pädagogisch hinzu: "Es ist doch viel wichtiger, dass das Spiel Spaß macht. Wer am Ende gewinnt, ist ganz egal!" Von wegen! "Will ich aber" kontert meine Tochter bockig.
singlePlayer

"Der Ärger muss raus!"

Dass ich einen Kardinalfehler begangen habe, erfahre ich erst später von Dr. Armin Krenz: "Der Ärger muss doch raus! Man muss die Kinder dort abholen, wo sie stehen. Also ihr Gefühl bestätigen, damit sie ihren Frust ausleben können." Krenz, der als Wissenschaftsdozent am Institut für Angewandte Psychologie und Pädagogik in Kiel arbeitet, hätte gesagt: "Dieser blöde Würfel! Ich war als Kind auch immer richtig wütend, wenn ich verloren habe. Ich hab sogar mit Kissen geschmissen!" Statt Annika zu beschwichtigen, hätte ich sie also auffordern können, mir auch mal zu zeigen, wie sauer sie tatsächlich ist. Denn: "Nur wenn die Wut sein darf, kommen Kinder auch schnell wieder aus ihr heraus", sagt Kerstin Bahrfeck-Wichitill von der Uni Dortmund, die als Sprachpädagogin mit chronisch schlechten Verlierern über das faire Spielen spricht.
zurück 123