Babyernährung
 
Babywasser: Übertrieben oder tatsächlich notwendig?

Gleich neben Brei und Milchpulver steht heute spezielles Babywasser im Supermarktregal. Muss das sein oder reicht zum Anrühren von Säuglingsnahrung für dein Kind auch normales Trink- oder Mineralwasser? Hier kommt unser Überblick!

Baby mit Wasserflasche
iStock, NeoPhoto
Inhalt: 
Warum ist ein geringer Mineralstoffgehalt wichtig?Grenzwerten für Wasser, das für Säuglinge und Babys verwendet wirdEignet sich auch Mineralwasser für mein Baby?Kann ich meinem Baby auch Leitungswasser geben?Trinkwasser besser überprüfen lassenIst ein spezieller Wasserfilter sinnvoll?Wann ist spezielles Babywasser oder abgekochtes Wasser nicht mehr notwendig?Wann ist Babywasser oder abgekochtes Mineralwasser zu empfehlen?Gesunde Durstlöscher für Kinder

Was ist eigentlich Babywasser?

Babywasser ist ein speziell aufbereitetes Trinkwasser, das seit einiger Zeit in Supermärkten und Drogerien in der Flasche oder im Tetra-Pack erhältlich ist. Mit speziellen Filtertechniken wurde es vom Hersteller schadstoff- und keimfrei gemacht. Auch der Gehalt an Mineralstoffen wurde in Babywasser bewusst reduziert. Das gilt insbesondere für Natrium, Nitrat und Sulfat, bei denen der Hersteller bestimmte Grenzwerte einhalten muss. Das Wasser könnt ihr bedenkenlos für die Herstellung von Babynahrung und zum Trinken nutzen. Es muss nicht mehr abgekocht werden. Babywasser ist allerdings deutlich teurer als herkömmliches Mineralwasser oder Leitungswasser. 100 Liter aus dem Hahn kosten laut der Zeitschrift ÖKO TEST in etwa so viel wie ein Liter Babywasser.

Die Vor- und Nachteile von Babywasser im Überblick

Vorteile:

  • Frei von Keimen
  • Frei von Schadstoffen
  • Ist sofort verfügbar, weil es nicht erst abgekocht werden muss
  • Niedriger Natrium-, Nitrit- und Sulfatgehalt mit verlässlich eingehaltenen Grenzwerten

Nachteile:

  • Und ein Vielfaches teurer als Leitungswasser
  • Muss transportiert werden
  • Bleibt nach dem Öffnen auch nur 24 Stunden keimfrei – danach muss es ebenfalls abgekocht werden
  • Schlechtere Ökobilanz durch Verpackung und Transport

Warum ist ein geringer Mineralstoffgehalt wichtig?

Die Niere eines Säuglings kann nur sehr geringe Natriummengen ausscheiden. Eine zu hohe Sulfatzufuhr kann bei deinem Baby zu Durchfall führen. Besonders niedrig sollte in den ersten Lebensmonaten die Nitratzufuhr sein. Eine Überschreitung des Grenzwertes kann im Extremfall sogar tödliche Folgen haben. Wird das Wasser zum Anrühren von Säuglingsmilch verwendet, ist es daher wichtig, dass der Mineralstoffgehalt niedrig ist. Denn im Milchpulver sind bereits genügend gesunde Mineralstoffe enthalten.

Grenzwerten für Wasser, das für Säuglinge und Babys verwendet wird

Mineralstoff Grenzwert* in mg/l
Sulfat < 240
Natrium < 20
Nitrat < 10
Fluorid < 0,7
Mangan < 0,05
Nitrit < 0,02
Arsen < 0,005
Uran < 0,002

* Nach den Vorgaben der Mineral- und Tafelwasserverordnung, § 15

Übrigens: Der aktuelle Nitratgrenzwert wird oft als zu hoch kritisiert. Besser ist es, wenn gar keins drin ist. Auf den Etiketten von Mineralwasserflaschen steht dann „Nitrat nicht nachweisbar“.

Eignet sich auch Mineralwasser für mein Baby?

Nicht jedes Mineralwasser eignet sich für Säuglinge. Welches natürliche Mineralwasser du bedenkenlos für dein Kind nutzen kannst, lässt sich aber leicht erkennen. Auf dem Etikett finden Eltern den Vermerk "zur Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet". In diesem Wasser ist der Mineralstoffgehalt niedrig. Es enthält wenig Nitrat und Kohlensäure. Wie viel genau, verrät dir – anders als bei Leitungswasser – ebenfalls das Etikett. In Sachen Keimbelastung bist du aber bei Mineralwasser noch nicht auf der sicheren Seite. Zur Herstellung von Babynahrung muss es unbedingt zwei bis drei Minuten abgekocht werden (bei kalkhaltigem Wasser fünf Minuten).

Tipp: Im ersten Lebensjahr sollte dein Baby noch stilles Wasser trinken. Das reduziert die Bäuerchen. Manche Einjährige haben dann aber auch Spaß, wenn es etwas prickelt. Dann kann dein Schatz statt stillem Wasser auch ein Medium-Wasser mit wenig Kohlensäure trinken.

Wasser abkochen: So geht es richtig

Ganz wichtig: Ein Wasserkocher eignet sich fürs Abkochen nicht, er schaltet sich zu schnell ab. Um verlässlich alle Keime abzutöten, ist die klassische Methode mit Kochtopf die bessere.
Auch zum Trinken sollte das Wasser bis zum 6. Lebensmonat abgekocht werden. Wichtiger ist es jedoch, für das Anrühren von Babynahrung keimfreies Wasser zu verwenden. Denn eine erhöhte Keimbelastung entwickelt sich besonders nach dem Zusatz des Milchpulvers, da die Krankheitskeime im Milchpulver Nahrung finden.

Kann ich meinem Baby auch Leitungswasser geben?

Leitungswasser ist in Deutschland eines der am besten kontrollierten Lebensmittel und unterliegt strengen Richtlinien. Auch für dein Baby ist es grundsätzlich geeignet. Dennoch muss es in den ersten Lebensmonaten abgekocht werden, um alle Keime abzutöten. Denn das Immunsystem von Neugeborenen ist noch nicht voll ausgereift und die Kinder reagieren teilweise schon auf minimale Mengen von Keimen mit Durchfall oder Erbrechen.
Der Mineralstoffgehalt ist im deutschen Leitungswasser in der Regel für Säuglinge verträglich. Wenn du dir in Bezug auf den Mineralstoffgehalt dennoch unsicher bist, kannst du dich bei deinem örtlichen Wasserwerk erkundigen. Dort kann man dir Auskunft über aktuelle Messwerte geben.
Allerdings ist das Wasser, das vom Wasserwerk auf die Reise geht, nicht unbedingt von der gleichen Qualität, die aus deinem Hahn kommt. Wohnst du in einem Haus mit alten Blei- oder neuen Kupferleitungen, kann es nach dem Weg durch die Rohre belastet sein. Auch wenn das Wasser aus einem privaten Einzelbrunnen kommt, ist es erstmal nicht zum Anrühren von Babynahrung geeignet.

Tipp: Lass das Wasser morgens eine Weile laufen, bevor du es als Baby-Wasser verwendest. Das minimiert den Anteil der Metalle. Verwende kein Warmwasser aus der Leitung, sondern immer frisches, kaltes Wasser.

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Trinkwasser besser überprüfen lassen

Schon in der Schwangerschaft kannst du dein Trinkwasser testen lassen. Bei einer Wasseranalyse wird eine Probe auf die Schwermetalle Blei, Kadmium, Kupfer und Zink überprüft.
Adressen bekommst du über die Verbraucherzentrale oder dein zuständiges Wasserwerk. Auch beim Fraunhofer Institut kannst du einen Wassertest durchführen lassen.

Ist ein spezieller Wasserfilter sinnvoll?

Wasserfilter sind für Wasser, das für Babys verwendet wird, wenig sinnvoll. Stiftung Warentest meint: "Die meisten Wasserfilter haben nur eine beschränkte Wirkung und entfernen Problemstoffe gar nicht oder unzuverlässig. Sie können sogar andere Substanzen ins Wasser abgeben.“ Problematisch sind Wasserfilter vor allem, wenn Patronen nicht regelmäßig gewechselt werden.

Wann ist spezielles Babywasser oder abgekochtes Wasser nicht mehr notwendig?

Da das Immunsystem deines Babys sich ständig weiterentwickelt, ist das Verwenden von Babywasser oder das Abkochen von Leitungs- oder Mineralwasser ab dem 6. Monat nicht mehr notwendig. Der Körper deines Kindes kann sich jetzt schon selbst gegen viele Krankheitserreger wehren. Und damit sein Immunsystem weiter lernt, ist es dann sogar wichtig, nicht mehr abzukochen und auf Babywasser zu verzichten. Der Körper kann sich nur wappnen, wenn er mit einer gewissen Zahl von Keimen in Berührung kommt. Das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) rät spätestens ab dem 1. Geburtstag grundsätzlich vom Abkochen ab.

Wann ist Babywasser oder abgekochtes Mineralwasser zu empfehlen?

  • Wenn bei euch Blei- oder Kupferrohre verlegt sind (oft in Altbauten), kann das Wasser zu stark belastet sein. Solange ihr es nicht habt testen lassen, solltet ihr kein Leitungswasser für euer Baby verwenden.
  • Ihr habt einen privaten Hausbrunnen oder wohnt in einem stark landwirtschaftlich genutzten Gebiet? Dann ist euer Trinkwasser vielleicht mit Nitrat belastet. Lasst es erst testen, bevor ihr damit Babynahrung zubereitet.
  • Wenn du im Urlaub die Qualität des Trinkwassers nicht einschätzen kannst.

Gesunde Durstlöscher für Kinder

Wasser ist wichtig, damit Kinder sich gut entwickeln und sich wohl fühlen. Wusstest du, dass ein Kindergartenkind knapp einen Liter pro Tag trinken sollte? Limonade und süßstoffhaltige Getränke zählen natürlich nicht dazu. Hol dir unsere Tipps zu idealen Durstlöschern!