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Wehencocktail Ist dieses Hausmittel wirklich ein Rezept für Wehen?

Schwangere wartet auf Geburt
Schwangere wartet auf Geburt
© Gustavo Andrade / Thinkstock
Der Wehencocktail ist ein bekanntes Hausmittel, das die Wehen fördern soll. Aber bitte Vorsicht: Nimm den öligen Cocktail nur in Absprache mit deiner Hebamme oder Ärztin ein! Warum und wie das Getränk wirkt, erfährst du hier.

Artikelinhalt

Auf einen Blick

  • Zur Einleitung von Wehen gibt es verschiedene medikamentöse Methoden, aber auch natürliche Mittel wie den Wehencocktail.
  • Für einen Wehencocktail gibt es viele Rezepte. Meistens enthält er Rizinusöl, Aprikosensaft, Mandelmus und gegebenenfalls Alkohol.
  • Die im Öl enthaltene Rizinolsäure sorgt für Kontraktionen der Darm- und Gebärmuttermuskulatur.
  • Voraussetzungen für die Anwendung: Der Muttermund ist weich und leicht geöffnet, das Baby sitzt tief im Becken.
  • In vielen Fällen setzen die Wehen bereits nach drei bis sechs Stunden ein. Es gibt aber auch Fälle, in denen der Wehencocktail keinen Erfolg hat
  • Es kann zu starken Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall, Erbrechen oder Kreislaufbeschwerden kommen – bitte nur unter Anleitung einer erfahrenen Hebamme oder eines erfahrenen Geburtsmediziners einnehmen!
Dr. med Annette Klöpper, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe – Psychotherapie

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Dr. med. Annette Klöpper geprüft.

Gegen Ende der Schwangerschaft werden die meisten werdenden Eltern vor eine Geduldsprobe gestellt: Wann setzen die Wehen ein? Wann geht die Geburt los? Wann dürfen sie endlich ihr süßes Neugeborenes im Arm halten? Doch wann genau sich euer Baby auf den Weg macht, kann vorher niemand mit Gewissheit sagen. Auch am errechneten Geburtstermin solltet ihr lieber nicht zu stark festhalten, denn tatsächlich kommen nur etwa 4 Prozent aller Babys an dem von Ärzten oder unserem Geburtsterminrechner errechneten Datum zur Welt. Medizinisch gesehen ist der Entbindungstermin (ET) eher ein Zeitraum. Er umfasst die drei Wochen vor und die zwei Wochen nach dem magischen Datum. Meistens setzen die Wehen ganz von alleine ein und man kann der Natur freien Lauf lassen. Manchmal jedoch braucht der Geburtsvorgang ein wenig Unterstützung, zum Beispiel, wenn du bereits einen Blasensprung hattest, die Wehen aber noch nicht eingesetzt haben. Oder aber die Ärzte befürchten, dass das Baby im Mutterleib nicht mehr so gut versorgt wird. Zum Wehen einleiten gibt es verschiedene Methoden, etwa durch die Gabe eines wehenfördernden Medikaments oder Gels. Es gibt aber auch natürliche Mittel wie den Wehencocktail.

Woraus besteht ein Wehencocktail?

Wehencocktail
Wehencocktail
© Mindstyle / Thinkstock

Für einen Wehencocktail gibt es viele verschiedene Rezepte. Jede Hebamme bzw. Klinik hat ihre eigene Lieblingsrezeptur. Meistens enthält der Wehencocktail Rizinusöl, Aprikosensaft, Mandelmus und gegebenenfalls Alkohol (in Form von Sekt, Rotwein oder Schnaps). Einige Mischungen enthalten zudem Eisenkraut. Der Alkohol ist notwendig, damit sich das Rizinusöl im Saft lösen kann. Nebenbei überdeckt er den unangenehmen Geschmack. Da das Rizinusöl stark abführend wirkt, dient der kaliumhaltige Aprikosensaft dazu, den Elektrolytverlust zu verringern. Das richtige Mischverhältnis der Zutaten ist äußerst wichtig für deine und die Gesundheit deines Kindes. Deshalb versucht bitte nicht, einen Wehencocktail selber zu mixen. Wendet euch immer zunächst an Hebamme oder Frauenärztin.

Die Zutaten des Wehencocktails

Hier sehr ihr, aus welchen Zutaten ein Wehencocktail besteht und welche Wirkung diese haben.

Wann wird ein Wehencocktail angewendet?

Der errechnete Geburtstermin ist vergangen, aber dein Baby macht keine Anstalten, auf die Welt zu kommen? Ärzte und Hebammen sprechen dann von einer Überschreitung des Termins (SSW 40+1 bis SSW 41+6). Mit der zweiten Woche der Überschreitung steigt statistisch gesehen das Risiko, dass das Baby im Mutterleib nicht mehr optimal versorgt wird. Deshalb werden Ärzte und Hebammen dann mit dir über eine Geburtseinleitung sprechen. Eine Möglichkeit ist der Wehencocktail. Voraussetzung für seine Anwendung ist, dass dein Körper und dein Baby tatsächlich bereit für die Geburt sind. Das heißt, der Muttermund ist weich, leicht geöffnet und das Baby sitzt tief im Becken. Außerdem braucht es nach der Einnahme des Cocktails eine gute Überwachung.

Wie wirkt der Wehencocktail?

Rizinusöl ist in erster Linie als effektives Abführmittel bekannt. Obwohl es bereits in der Antike als wehenförderndes Mittel eingesetzt wurde, konnte erst vor wenigen Jahren geklärt werden, wie es genau wirkt. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts fanden heraus, dass die im Öl enthaltene Rizinolsäure über die Darmschleimhaut aufgenommen wird und für Kontraktionen der Darm- und Gebärmuttermuskulatur sorgt.

Wie schnell kommen die Wehen nach dem Wehencocktail?

In vielen Fällen setzen die Wehen bereits drei bis sechs Stunden nach Einnahme des Wehencocktails ein. Es gibt aber auch Fälle, in denen der Wehencocktail keinen Erfolg hat. Meistens ist das Kind dann einfach noch nicht bereit, auf die Welt zu kommen.

Wie zuverlässig wirkt der Wehencocktail?

Über die tatsächliche Wirkung des Wehencocktails können nach aktuellem Forschungsstand kaum Aussagen getroffen werden, da sich die Wissenschaft bisher zu wenig damit auseinandergesetzt hat. Dennoch berichten viele Hebammen von ihren positiven Erfahrungen mit dem Einsatz des Wehencocktails zur Geburtseinleitung.

Welche Risiken bzw. Nebenwirkungen hat ein Wehencocktail?

Schwangere, CTG
Schwangere, CTG
© joruba / Thinkstock

Einen Wehencocktail bitte nur unter Anleitung einer erfahrenen Hebamme oder eines erfahrenen Geburtsmediziners einnehmen. Eine falsche Mischung der Zutaten oder eine Überdosierung kann zu starken Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall, Erbrechen oder Kreislaufbeschwerden führen. Das raubt Kräfte, die du für die anstehende Geburt brauchst. Manchmal können die Wehen nach Einnahme des Gemisches sehr schnell einsetzen. Deshalb ist es besser, wenn die Schwangeren unter Aufsicht sind. Also bitte probiere den Wehencocktail nicht auf eigene Faust aus. Wenn, dann sollte der Cocktail am Morgen eingenommen werden, sodass du möglichst ausgeschlafen und kraftvoll in die Entbindung starten kannst.

Welche Alternativen gibt es?

Wenn euer Baby auf sich warten lässt, kannst du mit einer ganzen Reihe an sanften Methoden versuchen, die Wehen zu locken. So sagt man beispielsweise Spaziergängen, heißen Bädern oder aber Fußreflexzonen-Massagen eine wehenfördernde Wirkung nach. Mehr zu den einzelnen Methoden und ihren Erfolgsaussichten kannst du in unserem Artikel „Was lockt die Wehen?“ nachlesen.

Hebamme Andrea Ramsell
ELTERN

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