Geburt
 
Wunschkaiserschnitt: Wissenswertes für deine Entscheidung

Dr. med Annette Klöpper, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe – Psychotherapie
Medizinisch geprüft vonDr. med. Annette Klöpper
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Dr. med. Annette Klöpper geprüft.

Wehen? Auf keinen Fall. Schmerzen und Kontrollverlust im Kreißsaal? Nicht mit mir. Angst vor der Geburt? Bitte nicht. Stimmst du diesen Punkten zu? Einem oder sogar allen? Dann brauchst du unsere Infos zum Wunschkaiserschnitt.

Schwangere Frau beim Arzt
iStock, KatarzynaBialasiewicz
Auf einen Blick
Artikelinhalt
  • Ein Wunschkaiserschnitt ist ein Kaiserschnitt, der auf den ausdrücklichen Wunsch der Schwangeren durchgeführt wird, ohne dass eine medizinische Notwendigkeit vorliegt.
  • Es gibt keine Statistik darüber, wie viele Wunschkaiserschnitte in Deutschland durchgeführt werden, es kommt aber wohl eher selten vor.
  • Oft steht eine tiefe starke Angst vor Kontrollverlust während der Geburt hinter dem Wunsch.
  • Wenn du dir überlegst, ob du dein Kind per Wunschkaiserschnitt bekommen willst, sprich bald mit deiner Frauenärztin / deinem Frauenarzt über die Vor- und Nachteile.
  • Steht dein Wunsch fest, dann sieh dich am besten bald gezielt einer Klinik um, in der dein Wunsch respektiert wird.
  • Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für einen Kaiserschnitt nur, wenn er medizinisch begründet ist.

"Werdende Mütter wissen in der Regel sehr genau, was sie sich zutrauen können. Von daher ist der Wunsch nach einem Kaiserschnitt meist eine sehr bewusste und nachvollziehbare Entscheidung", erklärt Priv. Doz. Dr. Holger Maul, Chefarzt für Geburtshilfe und Perinatologie der Asklepios Klinik Barmbek in Hamburg. Entsprechend offen und respektvoll geht der Arzt mit seinen schwangeren Patientinnen um. Wir haben bei ihm Hintergründe und Entscheidungshilfen für diesen Beitrag eingeholt.

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Was ist ein Wunschkaiserschnitt?

Geburt: Wunschkaiserschnitt: Wissenswertes für deine Entscheidung
Priv. Doz. Dr. Holger Maul, Chefarzt für Geburtshilfe und Perinatologie der Asklepios Klinik Barmbek

Wenn sich werdende Mütter bewusst gegen eine natürliche Geburt entscheiden und sich statt dessen wünschen, dass ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt kommt, ist die Rede von einem Wunschkaiserschnitt – auch "Wunschsectio", "Sectio nach Vereinbarung" oder "Gefälligkeitssectio" genannt. Dabei liegt keine zwingende medizinische Indikation für die Geburt im OP vor. Gründe, die für einen primären Kaiserschnitt sprechen, wie zum Beispiel Mehrlinge, eine Plazenta, die vor dem Muttermund liegt, oder ein Kind in Beckenendlage, liegen nicht vor.

Allerdings sind die Motive, die werdende Mütter zum Wunschkaiserschnitt bewegen, genauso ernst zu nehmen. "Wenn ich von einer Patientin mit dem ausdrücklichen Wunsch auf Kaiserschnitt im Krankenhaus aufgesucht werde, weil sie beispielweise Angst hat, dann bin ich als Mediziner in der Verantwortung, diesen Grund ernst zu nehmen – genauso wie ich es im Übrigen tun würde, wenn sich eine Frau trotz Beckenendlage eine natürliche Geburt wünscht", schildert Priv. Doz. Dr. Maul. "Natürlich gilt es dann gemeinsam im Gespräch abzuwägen, wie es weitergehen soll".

Wie viele Frauen entscheiden sich dafür?

Die geführten Statistiken über Kaiserschnitte verraten so viel: Jedes dritte Kind kommt in Deutschland inzwischen per Kaiserschnitt auf die Welt. Für die Zahl ohne vorliegende medizinische Indikation gibt es keine genauen Angaben, sie ist aber wahrscheinlich sehr gering.
Tendenziell ist die Zahl derer, die sich bewusst für eine Entbindung per Kaiserschnitt entscheiden, in den letzten Jahren gestiegen. Aber das ist noch lange kein Vergleich zu der Situation in Brasilien: Hier entscheiden sich mehr als die Hälfte aller Schwangeren dafür. Auch immer mehr schwangere Promis machen es vor. Sich entscheiden zu können, wie das Kind auf die Welt kommen soll, ist somit auch auf gewisse Weise zu einem Lifestyle-Phänomen geworden.

Was bewegt Frauen zu einem Kaiserschnitt auf Wunsch?

Schwangere Frau
iStock, Zanzibarz

Die Gründe sind unterschiedlich und auch häufig mit einer sehr persönlichen Vorgeschichte verbunden. Vor allem, so erlebt es Dr. Maul immer wieder, sei der Kontrollverlust ein wesentliches Kriterium für die Entscheidung. Die Ungewissheit, die eine natürliche Geburt bedeutet, sei für manche schlichtweg nicht ertragbar. Wie schlimm werden die Schmerzen sein? Halte ich diesen stand? Was passiert mit meinem Körper? Wird er jemals wieder so sein wie vorher? Gefährde ich meine Gesundheit? Wie groß ist das Risiko, dass etwas schief geht? Fragen wie diese bewegen letztlich dazu, sich für einen geplanten Eingriff zu entscheiden.

Du wünscht dir einen Kaiserschnitt? Was dann?

Egal ob für dich schon lange feststeht, dass du nicht auf natürlichem Weg entbinden willst oder ob du erst einmal nur mit diesem Gedanken spielst – es ist wichtig, nicht zu lange zu zögern und dich deinem Umfeld zu öffnen. Sprich mit deinem Partner, vertraue dich deiner Familie oder engsten Freunden an. Es wird dir guttun, deine Vorstellungen und Zweifel jemandem mitteilen zu können. Vielleicht hilft es dir auch, über die Erfahrungen anderer Frauen zu lesen – sowohl über jene, die sich für einen Wunschkaiserschnitt entschieden haben, als auch über jene, die eine natürliche Geburt gemeistert und sie als wundervoll und beglückend erlebt haben, auch für die Partnerschaft bereichernd.
Auch wenn du vielleicht nicht überall auf Verständnis stoßen wirst, wirst du durch den Austausch wichtige Impulse gewinnen, die dich in deiner Entscheidung weiterbringen werden.

Erlebnisbericht einer Mutter

Petra Seyrer, 29, hat sich für eine Wunschsectio entschieden. Für sie stand im Laufe ihrer Schwangerschaft fest: "Warum soll ich in die Wehen gehen, warum soll ich mich quälen, wenn es vielleicht doch ein Kaiserschnitt wird? Dann planen wir lieber gleich anders!" Wir haben sie von der Entscheidung bis zur Geburt begleitet.

Wunschkaiserschnitt: Von der Entscheidung bis zum OP

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Wo kannst du dir professionellen Rat einholen?

Wende dich mit Fragen an deine Frauenärztin und mache – um dir bald Klarheit zu verschaffen – schnellstmöglich einen Termin in der Klinik, in der du gerne entbinden möchtest. Nutze das Gespräch dort, um offen über Deine Gedanken und Vorstellungen zu sprechen. Das Thema wird sicherlich von Klinik zu Klinik unterschiedlich gehandhabt. Bestimmt wird man genau von dir wissen wollen, was dich zu einem Wunschkaiserschnitt bewegt und wie entschieden du bist.

"Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diejenigen, die zu einem frühen Zeitpunkt in der Schwangerschaft das Gespräch bei mir suchen, meist sehr entschieden sind. In diesen Fällen ist es nicht in Ordnung, ihnen den Wunschkaiserschnitt einfach auszureden", betont Dr. Maul und fügt hinzu: "In Vorgesprächen mit Patientinnen, bei denen ich eine ambivalente Haltung feststelle, die also noch abwägen, ob nicht doch eine natürliche Geburt für sie in Frage käme, versuche ich die Entscheidung bis zur 37. Woche oder auch darüber hinaus zu vertagen. Wenn dann immer noch der Wunsch nach einem Kaiserschnitt besteht, dann ist die OP einer natürlichen Geburt vorzuziehen." Vielleicht auch interessant in diesem Kontext: Unser Beitrag zum Thema Angst vor der Geburt, in dem wir eine Hebamme um ihre Meinung gebeten haben.

Wer trägt die Kosten?

Die Kosten für einen medizinisch erforderlichen Kaiserschnitt werden von der Krankenkasse getragen. Es liegt also in der Hand des Arztes, ob er auch im Falle eines Wunschkaiserschnittes die Gründe als Indikatoren bewertet, die ihn schließlich aus medizinischer Sicht notwendig machen. Priv. Doz. Dr. Maul hat dazu eine klare Meinung: "Krankenkassen haben keine andere Wahl, als auch die Kosten eines Wunschkaiserschnittes zu übernehmen. Es ist moralisch nicht vertretbar, eine Frau zu einer normalen Geburt zu zwingen."

In diesem Kontext war es Priv. Doz. Dr. Maul wichtig, mit einer weitverbreiteten Hypothese aufzuräumen: "Es stimmt nicht, dass Ärzte mit Kaiserschnitten mehr verdienen. Zwar steht mehr Geld für einen Kaiserschnitt zur Verfügung, dafür ist aber auch der Personalaufwand erheblich höher. Mir ist kein Arzt bekannt, der Interesse daran hat, möglichst viele Kaiserschnitte zu machen – aus welchem Grund auch immer."

Was spricht dafür und was dagegen?

Das spricht dafür:

  • Babyglück nach Zeitplan                                                            
  • ohne Angst auf die Geburt warten                                              
  • auch Papa weiß, wann genau die Geburt stattfindet                                      
  • keine Schmerzen während der Geburt                                        
  • routinierter und kurzer Eingriff                                                            
  • Intimbereich bleibt unberührt                                                     

Das spricht dagegen:

  • die Überraschung bleibt aus: Wann geht es wohl los?
  • das Erlebnis einer vaginalen Geburt ist einmalig und stärkt die Bindung zum Neugeborenen
  • Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit durch die Narbe
  • Wahrscheinlichkeit eines erneuten Kaiserschnitts ist höher
  • bezahlt die Krankenkasse?
  • Rückbildung dauert länger
  • Eventuelle Versagensgefühle, etwa "Ich habe es nicht einmal probiert" oder "Vielleicht war mein Baby noch gar nicht so weit"
  • Mögliche Komplikationen, zum Beispiel Wundheilungsstörungen, Thrombosen, Embolien

Fazit

Das Thema polarisiert. Frauen, die sich bewusst gegen eine natürliche Geburt entscheiden, werden häufig verurteilt, vor allem aus eigenen Reihen. Das kommt nicht von ungefähr: Die natürliche Geburt ist und bleibt der gesündeste Weg der Entbindung für Mutter und Kind – vorausgesetzt es geht alles gut. Frauen, die sich bewusst dagegen entscheiden, wird häufig Rücksichtslosigkeit gegenüber ihrem Kind und eine gewisse Selbstsucht vorgeworfen.
 
So erlebt es auch Priv. Doz. Dr. Maul und kommt daher zu dem Fazit: "Es wäre wünschenswert, wenn sich Mütter mit mehr Akzeptanz gegenüber ihren persönlichen Entscheidungen begegnen würden. Denn: So wie sich die einen wünschen, ihr Baby auf natürlichem Weg auf die Welt zu bringen und damit akzeptiert werden möchten, so sollten auch die anderem mit dem Wunsch eines Kaiserschnitts akzeptiert werden."
 
Damit dies in Zukunft besser gelinge, sei ein offener Umgang mit dieser Entscheidung umso wichtiger. Denn auch wenn der Wunschkaiserschnitt sehr umstritten ist, so bleibt dieser Weg der Entbindung eine Option, für die sich Frauen mit Kinderwunsch bewusst entscheiden können – eben genau wie für eine natürliche Geburt.